Gebäudereiniger bekommen mehr Lohn, aber kein 13. Gehalt

Auf Weihnachtsgeld haben die Mitarbeiter der Branche umsonst gewartet. Aber der Lohn wird in Stufen angehoben - bis Ende 2020 soll er in Ost und West gleich sein.

Rochlitz.

"Meine Kollegen und ich werden schon übertariflich bezahlt. Damit sind wir besser dran als andere Dienstleiter im Gebäudereiniger-Segment", sagt ein Angestellter einer Reinigungsfirma in Mittelsachsen, der seinen Name nicht in der Zeitung lesen möchte. Über ein Weihnachtsgeld als Dank für die geleistete Arbeit würde er sich freuen. Aber insgesamt sei er zufrieden mit seinem Gehalt.

Für die Einführung eines Weihnachtsgeldes für die Gebäudereiniger hatte sich deren Gewerkschaft, die IG Bauen-Agrar-Umwelt Südwestsachsen (IG BAU), am Jahresende stark gemacht. "Wer sein Geld mit Saubermachen verdient, legt in der Regel nichts auf die hohe Kante. Der Lohn geht für die Miete, für Lebensmittel und für den Alltag drauf", sagte IG BAU-Bezirksvorsitzender Andreas Herrmann.

Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks indes lehnt die Forderung der IG BAU mit Verweis auf bereits vereinbarte Lohnerhöhungen ab. Daneben sei wirtschaftlich kein Spielraum für ein 13. Monatsgehalt. "Das sehen wir genauso", sagt Hans-Joachim Fust, Innungsgeschäftsführer der Gebäudereiniger in der Region Chemnitz/Dresden. Es erfolgten regelmäßig Steigerungen des Tariflohns. "Ende 2020 wird in Ost und West gleich bezahlt", so Fust. Die Forderung nach einem Weihnachtsgeld hält er für unpassend, da die Löhne sich positiv entwickelt hätten. Größere Aktionen der IG BAU in Mittelsachsen seien ihm nicht bekannt. "Es war nur eine Delegation bei uns in der Geschäftsleitung, die die Forderung überbracht hat."

Dass es keine Aktionen in puncto Weihnachtsgeld gab, bestätigt Claus Götze, Geschäftsführer der Götze Verwaltungsgesellschaft aus Rochlitz. Sein Betrieb mit etwa 60 Mitarbeitern gehöre nicht der Innung an, es werde aber nach Tarif bezahlt. "Da gibt es jedes Jahr Erhöhungen. Mehr können wir nicht satteln", sagt er.

Die Anhebung der Gehälter sei ein Kraftakt für ihre Firma, sagt auch Petra Huhle. Sie ist Geschäftsführerin der Günther Dienstleistung GmbH Mittweida mit knapp 40 Mitarbeitern. "Das Geld für die Lohnerhöhungen muss ja irgendwo herkommen", ergänzt Steffen Brümmer, Inhaber der Glas- und Gebäudereinigung Oederan. Daher sei für seine 23 Mitarbeiter kein Weihnachtsgeld mehr drin. Zumal der Betrieb die höheren Lohnkosten auf die Kunden umlegen müsse. Vor der gleichen Situation steht Ingolf Appermann. Höhere Lohnkosten würden von den meisten seiner Kunden mitgetragen, so der Geschäftsführer der Appermann Gebäudereinigung GmbH Freiberg. Seine 55 Beschäftigten hätten den Anspruch auf Tariflohn. "Den wollen wir gern zahlen und anheben. Aber das muss man eben erwirtschaften", betont er. Ein 13. Monatsgehalt zu zahlen, sei auch nicht drin. "Aber es gibt Würdigung anderer Art für die geleistete Arbeit", sagt er. So würden Weihnachtsfeiern durchgeführt und nach dem Winterdienst zum Beispiel ein Bowlingabend als Dank.

Laut Innungsgeschäftsführer Fust gibt es circa 140 Innungsbetriebe in Sachsen. "Die Branche ist sehr vielfältig, und wir sind immer bemüht, deren Image zu verbessern."

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