Geldautomat statt Bankfiliale

Auch nach dem Rückzug der Sparkasse aus Wechselburg ist der Frust darüber im Ort spürbar. Nun ist eine Lösung gefunden. Die Einwohner müssen aber eine bittere Pille schlucken.

Wechselburg.

Momentan ist neben der Informationstafel am Wechselburger Markt noch nichts Auffälliges zu entdecken, aber das wird sich ändern. Denn die Gemeinde lässt hier einen Geldautomaten aufstellen. Wie Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU) erklärt, haben sich die Gemeinderäte in der vergangenen Woche hinter verschlossenen Türen darauf verständigt. Die Lokalpolitiker reagieren damit auf das Aus der Sparkassenfiliale am Markt zum Ende des vergangenen Jahres - die Schließung stößt nach wie vor vielen Wechselburgern sauer auf.

Wohl auch deshalb hatte das Gremium schon vor dem Wegfall der Filiale nach einer Lösung gesucht, wie die Einwohner weiterhin vor Ort mit Bargeld versorgt werden können. Nun holte die Gemeinde die Firma Euronet, einen amerikanischen Zahlungsdienstleister, ins Boot. An den deutschen Standorten in Martinsried bei München und Berlin beschäftigt das Unternehmen rund 280 Mitarbeiter. Laut einer Sprecherin unterhält Euronet bundesweit mehr als 2000 Bankomaten. Einer davon wird bald in Wechselburg zu finden sein.

Für Gemeindechefin Naumann bietet das Modell Vorteile. "Die Firma stellt den Automaten, trägt die Kosten für den Strom und zahlt der Gemeinde monatlich eine Standmiete von 50 Euro", erklärt Naumann. "Wir müssen nur den Stromanschluss und die Fläche stellen."

Doch die Wechselburger müssen eine bittere Pille schlucken. Laut Naumann muss jeder, der den Automaten nutzt, eine Gebühr von 4,99 Euro zahlen - egal wie hoch der Betrag ist, der abgehoben wird oder bei welcher Bank derjenige Kunde ist. "Wenn unsere Bürger beispielsweise nach Rochlitz mit dem Bus fahren, weil sie Geld abheben wollen, zahlen sie auch 7 Euro", bemerkt Naumann. "Man kann freilich keine Einzahlungen vornehmen oder Kontoauszüge drucken", gibt sie zu Bedenken. Trotzdem: "Wer schnell Bargeld braucht, hat nun die Möglichkeit, rund um die Uhr im Ort abzuheben." Nun will sich die Gemeindechefin dafür stark machen, dass das Unternehmen das Gerät so schnell wie möglich aufstellen lässt. Laut dem Verkaufsleiter von Euronet, der die Formalitäten vor Ort mit der Gemeinde besprochen hat, wird das in sechs bis acht Wochen der Fall sein.

Dass nun für die Sparkasse ein Finanzdienstleister in die Bresche springt, stößt im Ort auf ein geteiltes Echo. Ob der Automat von Bürgern und Touristen angenommen wird, müsse die Zeit zeigen, sagt Guntram Uhlig, Inhaber des Dekoversandhauses. Da er seine Produkte vorrangig im Internet vertreibt, spiele das Gerät für sein Geschäft keine Rolle. "Aber für die Wechselburger, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ist es natürlich gut, eine Anlaufstelle in der Nähe zu haben." Die Inhaberin des Dekorationsladens "Decoambiente", Mandy Schlimper, begrüßt die nun gefundene Lösung. "Da Kunden bei mir nur mit Bargeld bezahlen können, ist die Installation eines Automaten keine schlechte Sache. Ob die Leute bereit sind, Gebühren zu zahlen, halte ich für fragwürdig."

Gerd Zillmanns Lebensmittelhandel besuchen an Wochenenden und in den Sommermonaten häufig Ausflügler. "Für die ist das natürlich gut, wenn die Möglichkeit besteht, an Bargeld zu kommen. Ansonsten haben wir im Ort ja keine Erfahrungen mit bankunabhängigen Automaten. Die müssen wir jetzt erst machen", sagt Zillmann.

Für die Gemeinde Königshain-Wiederau - hier hatte die Sparkasse ihre Filiale an der Rochlitzer Straße geschlossen - kommt der Wechselburger Weg nicht infrage. "Das mag sich in Wechselburg lohnen, wo sich häufiger Touristen aufhalten. Eine Gebühr von 4,99 Euro wird die Stammkundschaft der Sparkasse hier aber sicher nicht dauerhaft zahlen", ist Bürgermeister Johannes Voigt (CDU) überzeugt. Auch eine Automaten-Variante ohne anfallende Gebühren lehnt er ab. "Dann müsste die Gemeinde das Gerät mit rund 30.000 Euro im Jahr unterhalten und das ist weder unsere Aufgabe noch im Rahmen unserer Möglichkeiten." Voigt sieht die Sparkasse Mittelsachsen in der Pflicht. In einem offenen Brief hatte er sich Mitte Januar an das Kreditinstitut gewandt. Eine Antwort liegt Voigt bereits vor.

Wie Sparkassen-Sprecherin Indra Frey gegenüber der "Freien Presse" erklärt, sei "die Auszahlung von Bargeld im Filial-Mobil für unsere Kunden während der bisherigen Haltezeiten in Wiederau gegeben - nur am 10. Januar entstand eine Wartezeit von rund zehn Minuten, bedingt durch eine Befüllung des Automaten." Die Möglichkeit, Geld einzuzahlen, ist im Sparkassen-Bus aber laut Frey nicht vorgesehen.


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