Glücklich und mobiler mit dem grasgrünen Transporter

Mit Spenden der Aktion "Leser helfen" konnte für Angela Graichen ein Fahrzeug angeschafft werden, in dem sie im Rollstuhl unterwegs sein kann. Die Claußnitzerin ist gelähmt und kam deshalb nur selten aus dem Haus.

Claußnitz.

Gut Ding will Weile haben: In reichlich vier Wochen hatten die Leser der "Freien Presse" Ende vergangenen Jahres knapp 30.000 Euro für Angela Graichen aus Claußnitz gespendet. Das Ziel: ein Transporter, der mit einer Rampe und einem speziellen Sitz ausgestattet ist, sodass die 54-Jährige im Rollstuhl sitzend mitfahren kann. Bereits Anfang des Jahres kümmerte sich ein Vertreter eines Autohauses, mit dem der Verein "Leser helfen" der "Freien Presse" zusammenarbeitet, um die Beschaffung und Ausrüstung des Fahrzeugs. Seither freute sich Angela Graichen auf ein Transportermodell in Grasgrün. Seit Anfang vergangenen Monats darf sie ihn ihr Eigen nennen.

"Ich habe eine ganze Weile gebraucht, ehe ich begriffen habe, dass das alles Wirklichkeit ist, dass so viele fremde Leute so viel Geld für mich gespendet haben und, dass der Transporter nun da ist. Ich bin unendlich dankbar und freue mich jeden Tag aufs Neue", sagt sie. Nun ist es ihr möglich, auch spontan einen kleinen Ausflug zu unternehmen oder zum Beispiel zum Einkaufen zu fahren - ohne lange Vorbestellung und vor allem ohne Kosten.

Angela Graichen ist seit einem Rückenmarksinfarkt vor knapp sechs Jahren vom Hals ab gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Wohnung in dem kleinen Haus in Claußnitz konnte sie nicht oft verlassen. Denn dazu muss sie gleich mehrere Hürden überwinden: per Treppenlift ins Erdgeschoss kommen, vom Lift in den Elektrorollstuhl gehoben werden und dann über eine Rampe mit dem Rollstuhl in einen Transporter kommen, in dem sie im verankerten Rollstuhl sitzend mitfahren kann. Derartige Fahrten übernahm bislang ein Fahrdienst. Für Privatausflüge war der aber zum einen teuer und zum anderen auch stark ausgelastet, sodass man Bestellzeiten einhalten musste. Von Flexibilität konnte keine Rede sein.

Nun kann es losgehen, wenn ein Fahrer, meist ist das einer ihrer Söhne oder ihr Vater, zur Verfügung steht. Der erste Ausflug führte, wie Angela Graichen sagt, eigentlich nur um die Ecke: "Wir sind durch Claußnitz und die Ortsteile gefahren. Es war wunderschön und auch sehr spannend für mich, zu sehen, was sich in den vergangenen sechs Jahren alles verändert hat. Es sind allerhand neue Hauser gebaut worden, ältere haben einen neuen Anstrich bekommen, überall blühte und grünte es, und die Bäume sind so viel größer geworden, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe", berichtet die vierfache Mutter. Eine größere Fahrt habe zum 15. Geburtstag ihrer Tochter Elia stattgefunden. Sie führte in einen Vergnügungspark bei Leipzig. "Auch zu mehreren Arztterminen konnte ich schon im Transporter fahren", erzählt sie.

"Ich danke allen, die Geld für mich gegeben haben, von ganzem Herzen", sagt die Claußnitzerin. Die genaue Spendensumme betrug 29.525,01 Euro. Nicht nur die Höhe der Summe macht sie glücklich, besonders lächelt sie über den einen Cent. "Der ist wie der Glückspfennig obendrauf."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.