Grippeimpfstoff im Kreis stark nachgefragt

Sich vor dem Virus zu schützen, ist laut Experten wichtiger denn je. Denn mit Covid-19 macht ein weiterer Erreger der Menschheit zu schaffen.

Rochlitz.

Grippeschutzimpfungen sind aufgrund der Coronapandemie in diesem Jahr von großer Bedeutung. Damit sind sich die Sächsische Landesärztekammer, das Gesundheitsministerium und die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts einig. Vor allem Menschen aus Risikogruppen sollten sich impfen lassen, um mögliche Doppelinfektionen und schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Um dies zu gewährleisten, bedarf es jedoch einer ausreichenden Menge an Impfstoffen. Die Nachfrage ist groß - so groß, dass sich in Mittelsachsen kurz nach Beginn der Impfsaison die Vorräte dem Ende neigen.

300 Impfstoffdosen hat Gerlind Frenzel, Hausärztin in Mittweida, seit der letzten Septemberwoche bereits verbraucht. Nun ist der Vorrat aus der ersten Teillieferung erschöpft. Die nächste Lieferung folgt im November, bis dahin muss sie ihre Patienten vertrösten. Die Landesärztekammer beobachtet eine leicht erhöhte Nachfrage im Vergleich zu den letzten Jahren. Konkrete Zahlen liegen bisher nicht vor, da die Impfsaison erst begonnen habe. Momentan sei aber ausreichend Impfstoff in Sachsen vorhanden.

Laut dem sächsischen Gesundheitsministerium verläuft derzeit alles nach Plan. 1,3 Millionen Impfdosen stehen im Freistaat zur Verfügung. Erfahrungsgemäß reiche das aus, der Bund hat sicherheitshalber wegen der Pandemie eine Anzahl zusätzlicher Grippeschutzimpfdosen bestellt, so das Ministerium.

Ein Grund dafür, dass die derzeitigen Vorräte mitunter, wie bei Frenzel in Mittweida, nicht mit der hohen Nachfrage mithalten können, ist, dass die Bestellung der Impfdosen schon im Frühjahr stattfindet - an einem Zeitpunkt also, an dem die Folgen der Pandemie noch nicht abzusehen waren. Die Ärzte geben bei den Apotheken das Kontingent an, das sie voraussichtlich benötigen. Die Auslieferung erfolgt danach in mehreren Etappen.

"Ob ausreichend Impfstoff vorhanden ist, ist schwer einschätzbar, da dies von der aktuellen Nachfrage abhängt, die momentan sehr hoch ist", heißt es aus der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Aus diesem Grund hat die KVS empfohlen, Impfungen frühestens am 1. Oktober durchzuführen, um die Impfzeitpunkte auf das Jahresende zu verteilen und so die Verfügbarkeit auszudehnen. Hätten Impfungen bereits Monate im Voraus stattgefunden, wären möglicherweise Nachimpfungen im Januar erforderlich, so die KVS. "Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit wird zu diesem Zeitpunkt kein Impfstoff mehr vorhanden sein." Die Landesärztekammer sieht derzeit keine Gefahr. "Ob der Impfstoff ausreicht, hängt davon ab, wie viele sich in den kommenden zwei Monaten impfen lassen", sagt Knut Köhler, Pressesprecher der Landesärztekammer.

Neigen sich die Impfstoff-Vorräte dem Ende, können Ärzte noch Impfdosen nachbestellen. Die Apotheker können ebenfalls Nachbestellungen aufgeben. Laut Eva Semmler von der Stadt-Apotheke Flöha würden die Lieferungen jedoch bis Ende November dauern. "Das ist den meisten Ärzten zu spät", sagt Semmler. Derzeit ist der Kühlschrank der Stadt-Apotheke noch gefüllt. Dass die Resonanz in der Bevölkerung groß ist, macht sich auch in der Rats-Apotheke Mittweida bemerkbar. Apothekerin Uta Siling hat bereits Nachbestellungen von Ärzten entgegengenommen. "Manche Firmen haben mittlerweile schon keine Ware mehr. Was nicht vorbestellt ist, gibt's im Moment nicht", bemerkt Siling.

Die KVS schließt eine Nachproduktion von Impfstoffen aus technischen Gründen aus. Auch das sächsische Sozialministerium hält Nachbestellungen für problematisch. Grund hierfür ist die lange Produktionsvorlaufzeit von etwa einem halben Jahr. "Ein Bezug zusätzlicher Impfdosen ist nur möglich, wenn diese in anderen Ländern nicht benötigt werden", heißt es weiter aus dem Ministerium.

In der vergangenen Grippesaison wurden in Sachsen 20.641 Influenza-Erkrankungen gemeldet, 50 Personen starben. Zu den Risikogruppen, denen die Impfkommission in diesem Jahr besonders zur Immunisierung rät, zählen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Erkrankte, Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

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