Große Glocke bleibt weiteres Jahr stumm

Die Reparaturarbeiten in der Topfseifersdorfer Kirche sind aufwändiger und die Kosten dafür geschätzt etwa vier Mal so hoch als gedacht. Ziel ist, dass das Geläut Ende 2020 wieder erklingt. Dann vielleicht mit einer Zugabe.

Topfseifersdorf.

Früh, mittags und abends, teils auch zur vollen Stunde oder gar alle Viertelstunden erklingen die Glocken in der Region. In Topfseifersdorf hingegen wird bereits seit knapp anderthalb Jahren nur zu Gottesdiensten und zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen geläutet - und auch nur die kleinere der beiden Glocken.

Der Grund für das Schweigen ihrer großen Schwester: Die Metallaufhängung vom Klöppel der großen Glocke ist gerissen. "Der Klöppel wird nur noch von einem Band gehalten, die Glocke ist daher nicht mehr stabil gelagert, und ein Schlagen könnte ihr außerdem Schaden zufügen", erklärt Matthias Heinig vom Kirchenvorstand.

Schon im Juni 2018 hatte ein Glockensachverständiger das Ganze begutachtet und vorgeschlagen, die Glocken anders aufzuhängen. Die Joche, also Aufhängungen, bestehen bislang aus Stahl. Der Sachverständige ist laut Heinig dafür, die Joche wie zuvor wieder aus Holz zu fertigen. "Das wäre auch besser für den Klang. Die Glocken würden dann weicher klingen, weil Holz die Schwingungen besser aufnehmen kann", sagt der Experte.

Doch wie sich nun herausstellte, reicht dieser Eingriff nicht. "Die Landeskirche hat noch ein spezielles Schwingungsgutachten gefordert und das hat ergeben, dass Glocken und Turm auf der gleichen Frequenz liegen, der Turm sich deshalb also aufschwingt, was bestehende Schäden vergrößern und weitere hervorrufen kann", erläutert Matthias Heinig.

Die Folge: Nicht nur das Joch muss ausgetauscht werden, es ist auch ein neuer Glockenstuhl notwendig, weil einige Balken gerissen sind. "Das ist weitaus aufwändiger als wir zunächst annahmen", sagt Heinig. Während für die Arbeiten zunächst rund 24.000 Euro veranschlagt waren, sei nun ein sechsstelliger Betrag zu erwarten. Dafür müssen wieder Spenden und Fördermittel sowie auch Mittel aus der Kirchgemeinde generiert werden. "Das dauert ebenso seine Zeit wie dann, wenn die Mittel gesichert sind und ein neuer Bauauftrag genehmigt ist, eine Firma zu finden, die die Arbeiten ausführt. Denn davon gibt es nicht so viele", sagt Heinig.

Wunsch und Ziel der Kirchgemeinde sei es, dass das Geläut Ende kommenden Jahres wieder erklingt. Dann sogar dreistimmig. Denn man wolle eine weitere Glocke anschaffen. "Die könnte zusammen mit der jetzigen kleineren läuten und die große schonen", so Heinig. Nicht ohne Grund, denn die große Glocke ist eine wahrhaft alte Dame. Sie stammt aus dem Jahr 1522 und ist entsprechend wertvoll - ebenso wie die kleinere aus dem Jahr 1519.

Ihr Alter hatte der großen Glocke das Schicksal der einst dritten Glocke aus dem Jahr 1679 erspart. Während diese bereits im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde, nahm man bei der großen Glocke im Zweiten Weltkrieg aufgrund ihres Wertes Abstand davon.

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