Große Schnapszahl-Fete in kleinem Ort

Zwei Tage hat Noßwitz sein 666-jährige Bestehen gefeiert. Auch die Zukunft sieht rosig aus - nicht nur wegen der Heimkehrer.

Nosswitz.

Einen besonderen Geburtstag hat am Wochenende der Rochlitzer Ortsteil Noßwitz gefeiert: Seit 666 Jahre gibt es den Ort. Für den Heimatverein lag auf der Hand, dass diese Schnapszahl am besten mit einem Schnaps gefeiert werden muss, wie Vereinschef Frank Weber zugibt. In handliche Flaschen wurde das Getränk gefüllt. Sie sind eine Mischung aus Bierkrug- und Schnapsdrossel-Design. Zudem prangt auf ihnen das alte Noßwitzer Siegel - und dazu noch das von der Freiwilligen Feuerwehr. Denn die steuerte ihr 140-jähriges Bestehen zum Fest bei. 666 Flaschen brachte der Verein zwar nicht unter die Leute. Aber immerhin rund 100, die die Noßwitzer als Andenken mit nach Hause nahmen.

"Diese Feier ist mal anders", sagte Ortschronist Wolfgang Richter. "Wir hatten bei unserem 650. Bestehen ein ganzes Haus, die ehemalige Gaststätte des Ortes, mit viel historischem Schaumaterial ausgestattet. Diesmal ging es einfach nur richtig bunt zu."

Der Heimatverein sei nur eine kleine Truppe, sagte Frank Weber, doch bei den Festvorbereitungen hätten fast alle der zur Zeit 320 Noßwitzer mitgemacht. Darunter natürlich auch Feuerwehr sowie Reit- und Fahrverein. Insgesamt rund 500 Besucher seien gekommen, schätzte der Heimatvereins-Vorsitzende. Darunter war auch eine Delegation aus Noßwitz bei Elsterberg im Vogtland. Kontakt mit diesem Ort hatte man erst Anfang Juni zu dessen 650-Jahr-Feier aufgenommen. Auch Besuch aus der westdeutschen Partnergemeinde Tiefenbach kam. Für diese Gäste gab es gestern Nachmittag einen kleinen Ortsrundgang. Sogar die älteste Einwohnerin Christel Lindner ließ sich mit 90 Jahren am Nachmittag den Spaß und die Unterhaltung im Festzelt, unter anderem mit dem Frankenberger Komiker Klausi, nicht nehmen. Später gab es hier Tanz bis in die späte Nacht.

"Wir sind eine der wenigen Gemeinden in Sachsen, die keinen Bevölkerungsverlust hinnehmen müssen", sagte Weber. Es würden immer noch Kinder im Ort geboren. Doch Neu-Noßwitzer gibt es auch als "Heimkehrer". Meist seien das jüngere Leute, die anderswo arbeiteten oder studierten, aber mit ihrem Partner und manchmal einer kleinen Familie in ihren Geburtsort zurückkehren, sagt Weber: "An den Ortsausgängen entstehen kleine Siedlungen mit neuen Eigenheimen."

Zu diesen "Ein- oder Rückwanderern" zählen Sabrina und Michael Vogel mit der anderthalbjährigen Marie. Sabrina war vorher in Stuttgart, den USA und Leipzig. Seit einem Monat leben sie in Noßwitz. Für beide war es nun das erste große Fest. Sabrinas Schwester Cathleen war mit Ehemann Carsten aus Mittweida hergekommen und fand: "Endlich mal wieder was los - und so finde ich es einmalig!" Die Senioren Stefanie und Achim Zschunke wohnen am Ortsrand und sind selten bei Festen. Doch auch sie zeigten sich begeistert. Stefanie Zschunke: "Für so einen kleinen Ort finde ich das heute schon beeindruckend."

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