Großer Auftritt für sächsische Fürsten

Ein Höhepunkt des Stadtfestes war der Auftritt des Lebendigen Fürstenzuges am vergangenen Samstag. Doch die Verbindung der Stadt zu dem Adels- geschlecht reicht viel länger zurück.

Burgstädt.

Im Zeichen der Geschichte stand das Stadtfest am Wochenende in Burgstädt - und das in doppelter Hinsicht. Zum einen war der Lebendige Fürstenzug zu Gast. Er ist ein von einem Verein getragenes kulturhistorisches Projekt, das der Geschichte Sachsens und des einstigen Herrscherhauses der Wettiner gewidmet ist. Zum anderen war das 11. Stadtfest dem 130-jährigen Bestehens des Wettinhains gewidmet.

"Während in Würdigung des 1889 gefeierten 800-jährigen Thronjubiläums der Wettiner in Dresden das Historienbild an der Außenwand des Stallhofes geschaffen wurde, nahmen hiesige Stadtväter, Fabrikbesitzer, Handwerker und Kulturschaffende das Ereignis als Impuls für den Bau des Wettinhains", erklärte Burgstädts Bürgermeister Lars Naumann. Zum Vergnügen der Einwohner und ihrer Gäste brachten 94 Darsteller in originalgetreu nachgearbeiteten Kostümen und unterstützt von zahlreichen Helfern die Familiengeschichte des Herrschergeschlechts auf die Straßen der Kleinstadt. Was der Historienmaler Wilhelm Walther einst auf 102 Meter Bildfläche bannte, setzten die Darsteller in einem rund einen Kilometer langen und knapp eine Stunde dauernden Aufzug um. Ungeachtet des kühlen und regnerischen Wetters verbreiteten die Darsteller von 35 Markgrafen, Kurfürsten und Königen Sachsens einen Hauch von höfischem Glanz. Zusammen mit weiteren 59 Handwerkern, Künstlern, Wissenschaftlern und Bauern widerspiegelten sie die Epoche zwischen 1127 und 1904 in Sachsen. Von einer historischen Figur wurde der Umzug auch moderiert: Die Dresdner Schauspielerin Birgit Lehmann gewährte als seinerzeit agierende Mitregentin Königin Carola von Wettin mit so mancher Anekdote Einblick in das Leben und das Wirken der Wettiner.

Zu den Zuschauern gehörte Andrea Reichelt. Die Burgstädterin zollte den Veranstaltern Respekt, diese Darbietung ermöglicht zu haben. "Wir sind Pferdefans und wollen die teilweise prunkvoll gekleideten Darsteller hoch zu Ross sehen. Geschichte so geballt und optisch reizvoll gezeigt, das gibt es ja so sonst kaum." Auch Brunhilde Schieler aus Oberlungwitz ließ sich das Ereignis nicht entgehen. "Mit Bekannten sind wir hergekommen. Alle Achtung, was die Burgstädter auf die Beine stellen", sagte sie.

Während viele Zuschauer angesichts des Wetters schon mit Schirmen zum Umzug gekommen waren, fürchtete Regina Herberger, eine der Hauptorganisatoren des Fürstenzuges, die Regenschauer. "Die aufwändig hergestellten Kostüme sollten nicht nass werden. Insofern sind wir alle froh, dass wir trocknen Gewandes über die Straßen gekommen sind", sagte die Kulturmanagerin. Der Auftritt in Burgstädt war der 15. in der Geschichte des Trägervereins. Eine Neuauflage wird es laut Herberger erst im kommenden Jahr geben. "Im August 2020 werden wir der Stadt Gotha unsere Referenz erweisen."


Stadtfest-Trubel mit Musik, Historie und einem Einakter

Zwei Dutzend Fahrgeschäfte, Losbuden und Geschicklichkeitsangebote waren vor allem bei jüngeren Stadtfestbesuchern gefragt. Weithin sichtbarer Blickfang der Erlebnisstrecke war das Riesenrad neben dem Ahnataler Platz. Wagemutige ließen sich Freundschafts-Tattoos stechen. Der Wanderverein Burgstädt sowie andere Interessengemeinschaften und Organisationen stellten sich vor.

Musikanten gaben sich an drei Tagen an sechs Standorten das Mikrofon wie die Klinke in die Hand. Rund 25 Gruppen und Alleinunterhalter sorgten für Unterhaltung. Im Festzelt auf dem Markt stand Popmusik hoch im Kurs, außerdem gab es Blasmusik. Partybands spielten bis Mitternacht auf. Rockiger und poetischen Sound wurde auf der Brühl-Bühne geboten. In einem eigens für das Fest inszenierten Einakter wurde die Baugeschichte des Wettinhains ins Szene gesetzt. Unter den Darstellern: Bürgermeister Lars Naumann.

Das Heimatmuseum und die historische Arztpraxis hatten zum Stadtfest ihre Türen geöffnet. Ein Stadtfestgottesdienst und musikalischer Frühschoppen bereicherten das generationenübergreifende Programm. (hy)

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