Großvermieter peppt seinen Bestand auf

Ein hoher Leerstand und eine betagte Mieterschaft stellen die kommunale Wohnungsgesellschaft Muldental vor Herausforderungen. Doch deren Chef bleibt gelassen und verweist auf ein Vorzeigeprojekt in Rochlitz.

Rochlitz.

Der Satz von Lutz Ruhnow lässt aufhorchen. "Hauptgrund, warum Mieter ihre Wohnung kündigen, ist der Umzug in ein Alters- und Pflegeheim; immerhin in rund 25 Prozent der Fällen", sagt der Chef der kommunalen Wohnungsgesellschaft Muldental, kurz WGM. Ein Phänomen, das den Großvermieter auch künftig vor Herausforderungen stellen dürfte. "Wir haben eine betagte Mieterschaft", fährt der 49-Jährige fort. Daher beklagt die Gesellschaft einen "relativ hohen Verlust", wie er weiter ausführt.

Zurzeit stehen von den 940 Wohnungen - 515 in Rochlitz, 315 in Penig und 110 in Wechselburg - annähernd 140 leer. Mithin eine Quote von 14,6 Prozent. Doch der Großvermieter, der auch für Dritte weitere rund 400 Wohnungen verwaltet, steuert seit Jahren mit Investitionen in den Bestand dagegen, um so auch für junge und neue Mieter attraktiv zu sein. Allein in den ersten drei Quartalen diesen Jahres flossen 220.000 Euro, um die Gebäude zu modernisieren oder umzubauen. So wurden zum Beispiel im Haus an der Schulstraße 1 in Wechselburg mehrere Balkone montiert. Kostenpunkt: rund 65.000 Euro. "Das war ein Wunsch, den die Mieter bereits langte hegten, und der nun erfüllt werden konnte", sagt Geschäftsführer Ruhnow. Zuvor war bereits die Fassade gestrichen worden. Außerdem wurde in den Häusern an der Peniger Mozartstraße 35, 37 und 39 für gut 10.000 Euro auf dem Dachgeschoss eine Wärmedämmung verlegt. Ein Projekt, das sich in das kommende Jahr hinzieht, wird an der Reitzenhainer Straße 44 bis 50 verwirklicht. Die Eingangsseite erhielt einen neuen Putz und einen Anstrich. An der Giebelseite wurde zusätzlich die Mauer gedämmt. 2017 sollen dann die bisherigen Balkone auf Vordermann gebracht werden. "Dies betrifft die Brüstung, aber auch die Bodenplatten werden saniert", erläutert Lutz Ruhnow. Insgesamt schlägt die Maßnahme mit circa 200.000 Euro zu Buche.

Um ein Vielfaches teurer wird ein anderes Vorhaben werden, das aber zum Aushängeschild des Unternehmens avancieren könnte. Die Sanierung des Doppelhauses an der Rochlitzer Burgstraße 4 und 6 im nächsten Jahr für knapp eine halbe Million Euro. Während im Erdgeschoss Gewerbe angesiedelt werden soll, entstehen in den beiden oberen Etagen und im Dachgeschoss moderne Wohnungen. Das Besondere wird am Arbeitstitel des Projekts deutlich: "Gestalten Sie Ihre Wohnung mit." Das zieht offenbar. Laut Ruhnow gibt es für alle Mieteinheiten "ernsthafte Interessenten".

Für das Projekt erhält die Gesellschaft sogar eine Finanzspritze in Höhe von 158.000 Euro von Stadt, Land und Bund. Geld, das das Unternehmen gut gebrauchen kann. Ein Schuldenberg von fast 15,5 Millionen Euro drückt. Trotzdem blickt Lutz Ruhnow zuversichtlich nach vorne, wie er sagt. Ein Blick in die Vergangenheit gibt dem Geschäftsführer recht. Als die WGM 2006 durch die Fusion der Wohnungsbaugesellschaften Rochlitz, Wechselburg und Penig entstand, waren die Schulden mit seinerzeit 26,4 Millionen Euro weit höher. Seither gesundet die Gesellschaft Schritt für Schritt. "Wir tilgen pro Jahr zwischen 600.000 und 700.000 Euro", fügt er an.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    VaterinSorge
    02.12.2016

    Ich finde es toll, wie sich die vereinigten Wohnungsunternehmen mit ihrem neuen Geschäftsführer engagieren. Doch ich verstehe eines nicht: Es ist bekannt, dass es einen Fördertopf von jährl. 148 Mio. ? des Freistaates gibt, der Wohnungsunternehmen unterstützt, wenn sie die Wohnungen mit Technologien ausstatten, die es ermöglichen, dass Mieter länger wohnen bleiben können, eher ambulant, als stationär gepflegt werden können. Wir haben vor allen mitteldeutschen Unternehmen gemeinsam mit der Diakonie und anderen Trägern für Pflegekräften darauf hingewiesen, dass es auf die Umgestaltung der Badezimmer, die Trinkwasserkontrolle und Hygiene und auf technische Hilfsmittel wie bodenebene Duschen und Toilettenausstattung mit Washlets, also Warmwasserdusche, Trockner und Bidetfunktion ankommt. Der Artikel der FP zeigt gleich zu Beginn auf, wo die Ursachen zu suchen sind, auch ist bekannt, dass die "Kinder" ihre Eltern viel zu früh und oft grundlos in das betreute Wohnen schicken, die aber mittlerweile das System regelrecht verstopfen und für wirkliche Pflegefälle keine Plätze mehr anbieten können. Es wäre schön, wenn man von Seite der Wohnungsunternehmen, der Kommunalpolitik und den Medien dieses Thema mal aufgegriffen wird, denn in den nächsten 10 Jahren verliert Sachsen etwa 400.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter, bekommt aber etwa 135.000 Menschen hinzu, die ihren wohlverdienten Ruhestand antreten möchten. Und noch eins: Wir leben in Zeiten der Hochkonjunktur, der Freistaat reicht über 800 Mio. ? im Programm "Brücken für die Zukunft" aus. Hier sind jetzt Zukunftsweichen zu stellen, denn ab 2020 wird das so nicht mehr möglich sein.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...