Gymnasiasten gehen mit Wasserstoffautos ins Rennen

Mit Modell-Flitzern findet am Wochenende ein deutsch-tschechischer Wettbewerb statt. Peniger Schüler haben sich mit der Technik befasst und trainiert. Vier Teams gehen in Decín an den Start. Dahinter steht ein Projekt der TU Chemnitz.

Penig.

Am Peniger Freien Gymnasium sind derzeit fünf ferngesteuerte Wasserstoffautos im Miniformat unterwegs. Mit vier von ihnen wird einmal wöchentlich geübt. Sie haben ihre erste Bewährungsprobe am morgigen Samstag im tschechischen Decín. Dann gehen sie bei einem Wettbewerb, an dem insgesamt fünf sächsische und zehn tschechische Schulen teilnehmen, an den Start.

"Es geht erst einmal darum, den einstündigen Parcours überhaupt zu schaffen", sagt Franz Petermann. Der 15-Jährige ist der Fahrer in einem der vier in Decín startenden Peniger Teams. "Man muss Erfahrungen sammeln beim Fahren, zum Beispiel merken, wenn der Wasserstofftank leer wird und aufgeladen werden muss", erklärt er. Er gebe dann seinem Team ein Zeichen, das - wie beim Boxenstopp bei der Formel 1 - in den Startlöchern steht und schnell den Tank wechselt. Das übernimmt zum Beispiel Kyra Knauer. Die Neuntklässlerin hat im Physikunterricht, in dem das Projekt vorgestellt wurde, von dem Wettbewerb erfahren. "Ich bin neugierig geworden und wollte mitmachen. Der Bau der Autos lief dann auch gut, denn die Beschreibung war sehr detailliert", sagt sie. Wie ihre Team-Kollegen glaubt sie, dass das Wasserstoffauto das Fahrzeug der Zukunft werden könnte. "Es hat einen ganz entscheidenden Vorteil, die Umweltfreundlichkeit", sagt Franz Petermann, der im Team ist, weil er sich grundsätzlich für Physik und Chemie interessiert.

Nach dem ersten Wettbewerb am Wochenende können die Modelle getunt werden, also zum Beispiel Veränderungen am Gewicht vorgenommen werden. Bei einem zweiten Wettbewerb, ebenfalls in Decín, muss der Flitzer dann vier Stunden meistern. Das Finale findet an der TU Chemnitz statt. Dort sind fünf Stunden Fahrt angesagt - von der Universität stammen die Modelle.

Das erste Wasserstoffauto hat Chemielehrerin Kathrin Köllner-Rabold über einen Fonds der chemischen Industrie für den naturwissenschaftlichen Profilunterricht für die Schule beschafft. "Mein Ziel ist, so den Schülern die Elektrolyse zu verdeutlichen und die Funktionsweise einer Brennstoffzelle erlebbar zu machen." Und, da ist sie sich mit Physiklehrer Dietmar Herwig einig, dass es praktikabel ist, derartige Autos zu fahren.

Parallel dazu beteiligt sich das Gymnasium unter Anleitung von Dietmar Herwig an einem Projekt der TU Chemnitz. Es nennt sich "Hydro Race4Schools". Dahinter verbirgt sich laut derkommissarischen Leiterin des Projektes, Mandy Polster, eine Renn-Veranstaltung für sächsische und tschechische Schulen, mit der E-Mobilität mit Wasserstoff vermittelt werden soll. Es steht unter dem Motto "Lernen - Praxis - Spaß - nachhaltige Entwicklung".

So haben die Peniger Schüler aus vier Bausätzen zunächst in einer Projektwoche Ende vergangenen Jahres weitere Modellautos montiert. Zudem haben sie sich dabei Wissen angeeignet: von der Geschichte der Brennstoffzelle und der Fahrzeugantriebe bis hin zu Arten von Brennstoffzellen. "Das Weiterbildungsprogramm ist grenzübergreifend und erhöht das Bewusstsein für die Technologien der erneuerbaren Energien", sagt Mandy Polster. Letztlich könne so wissenschaftlicher Nachwuchs zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Grenzregion ausgebildet werden.


Toyota und Hyundai bieten Wasserstoffautos - Nur eine Tankstelle dafür in Sachsen

Wasserstoffautos werden durch eine Brennstoffzelle betrieben. Darin reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Luft. Dabei entsteht Energie, die das Auto antreibt - und Wasser beziehungsweise Wasserdampf anstatt eines Abgases.

Angefangen hat die Brennstoffzellen-Technik bereits im Jahr 1838.

Damals fand der deutsch-schweizerische Chemiker und Physiker, Professor Christian Friedrich Schönbein von der Universität Basel, heraus, dass Elektrizität freigesetzt werden kann, wenn Wasserstoff mit Sauerstoff reagiert.

Derzeit bieten in Deutschland zwei Hersteller Autos mit Brennstoffzellenantrieb an. Toyota hat das Modell Mirai im Programm. Die 154-PS-starke Limousine ist ab 78.600 Euro zu haben. Hyundai ist mit dem Modell Nexo im Rennen. Der SUV hat 163 PS und kostet ab 69.000 Euro.

Rund 500 bis 800 Kilometer weit kommen diese Autos, bis sie aufgetankt werden müssen. Das dauert nur etwa drei Minuten, ist aber ein Problem: Denn es gibt in Deutschland

lediglich 60 Wasserstoff-Tankstellen. Das gibt die H2-Mobility Deutschland - ein Zusammenschluss von Unternehmen aus der Automobil-, Gas- und Mineralölindustrie - auf ihrer Internetseite an. Demnach befinden sich 9 weitere in der Inbetriebnahme oder im Probebetrieb, 11 im Bau, 10 in der Genehmigungsphase und 4 in Planung. Wasserstoff-Tankstellen gibt es in Berlin, Frankfurt, Hamburg und seit Herbst 2018 in Dresden - die einzige in Sachsen. (bp)

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