Hainichener fertigen nun auch in China

Der in der Gellertstadt ansässige Automobilzulieferer ISH Innomotive baut derzeit einen eigenen Fertigungsstandort in der Volksrepublik auf. Künftig sollen auch Hainichener mal in China arbeiten.

Hainichen/Nanjing.

Die knapp 9000 Kilometer, die zwischen der Gellertstadt und der chinesischen Stadt Nanjing liegen, sollen für beide Produktionsstandorte perspektivisch eher verbindend statt trennend sein. Der Hainichener Scharniere- und Gelenkteilehersteller ISH Innomotive Systems, der seit vorigem Jahr zum chinesischen Staatskonzern Sumec gehört, hat nun an dessen Firmensitz in Nanjing ein deutsches Tochterunternehmen gegründet. Dort sollen ab März kostenintensive Produktionsabläufe wie die Komponentenfertigung starten. In der Anfangsphase werden nur chinesische Arbeitskräfte dort tätig sein. Doch ISH-Geschäftsführer Bing Sun plant, in Zukunft auch Mitarbeiter aus Hainichen zur technischen Unterstützung nach China zu schicken.

Der neue Firmenlenker aus Fernost, der seit vorigem Jahr in der Hainichener Führungsetage arbeitet, scheint es - darauf deuten die Zeichen hin - ernst zu meinen mit seinen Absichten. Sein Ziel: durch Globalisierungseffekte preiswerter produzieren. "Wir haben von Sumec eine 20.000 Quadratmeter große Produktionshalle gemietet. Hinzu kommen noch 1500 Quadratmeter Bürofläche und ein 500 Quadratmeter großes Testlabor", sagt Geschäftsführer Sun. Konzentrieren wollen sich er und der Hainichener Werkleiter Alexander Thalheim nun darauf, dass vor allem auch personell die Zusammenarbeit funktioniert. Dazu sind momentan chinesische Kollegen zur Weiterbildung am Standort Hainichen. Auch mehrere Führungskräfte seien bei ISH bereits geschult worden. Damit der ständige Austausch zwischen China und Deutschland klappt, seien in Hainichen weitere Qualifizierungsprogramme geplant, die auch eine sprachliche Ausbildung beinhalten.

Werkleiter Thalheim freut sich über die sich einstellenden Erfolge. "Wir sind gut unterwegs", meint er zufrieden. Das Umsatzziel von geplanten 103 Millionen Euro sei im vergangenen Jahr um knapp 10 Millionen Euro sogar noch überboten worden. Dieses Jahr werde ein Umsatz von 111 Millionen Euro angestrebt. Zum Vergleich: 2014 habe der Umsatz noch zweistellig bei 90 Millionen Euro gelegen.

Erst im Dezember habe ISH einen Auftrag eines renommierten Autobauers zur Produktion von Tür- und Motorhaubenscharnieren sowie von Türfeststellern für die nächste Generation einer Fahrzeugklasse an Land gezogen. 90Prozent der Gesamtfertigung bei ISH seien ohnehin Scharniere und Türfeststeller. Geliefert werde zu 60 Prozent an Mercedes, zu 19 Prozent an Audi und 10 Prozent an BMW. Flossen in den vergangenen drei Jahren 47 Millionen Euro Investitionskosten in den Standort Hainichen, so soll auch unter Geschäftsführer Bing Sun mittelfristig weiter investiert werden. Und das nicht nur in automatisierte Prozesse. "Wir werden vor allem in der Entwicklung weitere Mitarbeiter einstellen", kündigt er an. Auch sollen im Finanz- und IT-Bereich acht Mitarbeiter eingestellt werden. An der Anzahl der Beschäftigten von derzeit 365 festangestellten Mitarbeitern soll sich laut Geschäftsleitung für absehbare Zeit nichts ändern. Lediglich die Zahl der zurzeit beschäftigten 40 Leiharbeiter könne je nach Auftragslage schwanken.

Auch den Geschäftsführer, der zwischenzeitlich in einem Frankenberger Hotel wohnt, holt ganz persönlich nun bald die Globalisierung ein. Denn im Juli wolle seine Familie nach Sachsen ziehen.


Hainichener ISH Innomotive Systems drängt in größten Automobil-Absatzmarkt der Welt

China ist zurzeit der größte Automobil-Absatzmarkt der Welt. Sumec - der Mutterkonzern von ISH Hainichen - gibt sich optimistisch, dass der in der Gellertstadt beheimatete Automobilzulieferer nun auch in China neue Kunden gewinnen kann.

Die deutsche Tochtergesellschaft des chinesischen Unternehmens Sumec hatte im Mai vorigen Jahres das Hainichener Unternehmen gekauft. Bis 2016 gehörten die Hainichener zum mexikanischen Großkonzern Metalsa.

Der Staatskonzern Sinomach, zu dem die Sumec-Gruppe gehört, startete mit der Hainichener Übernahme seine Expansionsoffensive in Europa.

Sumec mit seinen 11.000 Mitarbeitern weltweit hat seinen Sitz in Nanjing. Die Stadt liegt etwa 250 Kilometer nordwestlich von Shanghai. Sinomach zählt zu den größten Staatsunternehmen in China und rangiert auf der weltweiten Rangliste der 500 größten Unternehmen auf Platz 288 mit etwa 30 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2015. (ule)

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