Halbes Jahrhundert auf den Zahn gefühlt

Der Rochlitzer Zahnarzt Manfred Kober feiert ein besonderes Dienstjubiläum. Und er ist ein engagierter Stadtrat - schon seit der Wende. Ans Aufhören denkt der 74-Jährige noch lange nicht.

Rochlitz.

In diesen 50 Jahren ist viel passiert. Zahnarztstühle, bei denen man treten musste, damit die Patienten richtig saßen, gibt es längst nicht mehr. Auch das Sterilisieren von Kanülen ist weggefallen. Und beim Bohren muss kein Zahnarzt mehr aufpassen, dass die Haare im offenen Antrieb hängen bleiben. "Materialien und Technik haben sich geändert. Doch handwerkliches Geschick bleibt", blickt Dr. Manfred Kober in diesen Tagen zurück. Er hat allen Grund dazu. Denn genau vor 50 Jahren hatte er seine Fachzahnarztausbildung zum Kieferorthopäden begonnen. Und heute fühlt der 74-jährige Rochlitzer noch immer den Menschen auf den Zahn, behandelt mit seiner Frau Bettina und seinem Sohn Markus sowie den neun Mitarbeitern in der Gemeinschaftspraxis an der Leipziger Straße die Patienten.

Nach seinem Studium in Rostock und Dresden absolvierte Manfred Kober seine fünfjährige Fachzahnarztausbildung beim renommierten Zwickauer Professor Rolf Fränkel, der in Fachkreisen noch immer als Koryphäe im Bereich der Kieferorthopädie gilt. Ab 1973 fuhr er dann einmal pro Woche mit dem Zug nach Penig, um dort zu praktizieren. "Heute behandle ich schon wieder die Enkel der damaligen Peniger Patienten", meint Manfred Kober.

Mitte der 1970er-Jahre, als die Kreis-Jugendzahnklinik in Penig gegründet wurde, arbeitete er dort als Oberarzt, war in dieser Zeit für den damaligen Kreis Rochlitz als Kreis-Kieferorthopäde tätig und praktizierte in Penig, Rochlitz und Geringswalde. 1986 dann wurde er als Oberarzt in der Kreispoliklinik angestellt.

"Naja, und dann kam die Wende und die Frage: Was tun?", erinnert er sich an jene bewegten Jahre. Die Kreispoliklinik wurde aufgelöst. "Und so gründeten wir - meine Frau und ich - am 1. April 1991 unsere Gemeinschaftspraxis in der Leipziger Straße 21", erklärt Manfred Kober. In den Familienbetrieb stieg Mitte Dezember 2003 auch Sohn Markus, der heute 40 Jahre alt ist, als Zahnarzt ein. Seit 2006 ist er gleichberechtigter Partner in der Gemeinschaftspraxis. Dr. Bettina Kober findet diese Konstellation ganz praktisch. "Denn so kann man sich gegenseitig gut vertreten." In den Folgejahren wurde kräftig in die Gemeinschaftspraxis investiert. Neue Technik wurde angeschafft und ein rollstuhlgerechter Zugang gebaut. Auch drei Assistenzärzte erhielten dort ihre Ausbildung.

"Im Laufe der Jahre veränderte sich vieles. Berufserfahrung und eine ruhige Hand aber sind geblieben", kann Manfred Kober heute feststellen. Und da er die immer noch hat, ist Aufhören derzeit kein Thema für den 74-jährigen Zahnarzt. "Ich habe vor, noch eine ganze Weile zu arbeiten." Auf seine Familie ist er stolz. Alle sind Zahnärzte geworden, auch sein jüngster Sohn Tobias. Er ist in einer oralchirurgischen Praxis in Rheinland-Pfalz tätig. Die Liebe sei es gewesen, die ihn an den Rhein verschlagen hat.

Wenn Manfred Kober von Weitermachen spricht, dann betrifft dies auch seine ehrenamtliche Arbeit. Denn seit der Wende sitzt er für die CDU im Rochlitzer Stadtrat - mal als Fraktionschef, mal als stellvertretender Oberbürgermeister. In der zurückliegenden Legislaturperiode war er 1. Stellvertreter des OB. Und wenn es um die große Politik geht, auch da hat Manfred Kober mitgemischt. Denn er wurde damals nach der Wende in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt. Und auch hier kann sich Bettina Kober an manch nette Begebenheit erinnern, als ihr Mann des Öfteren im Fernsehen zu sehen war. "Unser Sohn saß davor und fragte eines Tages: Ist Vati jetzt Schauspieler geworden?" Nein Manfred Kober ist dies nicht geworden, sondern er war und ist mit Leib und Seele Zahnmediziner. Und das soll möglichst lange noch so bleiben.

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