Hallo? Bist du noch dran?: Funklöcher in Mittelsachsen

An vielen Stellen im Landkreis ist Telefonieren mit dem Handy unmöglich. Die FDP will wissen, wo genau die Mittelsachsen im Funkloch verschwinden.

Rochlitz/Wechselburg.

"Und dann gehe ich noch in den Laden und hole für ..." Stille am anderen Ende. Mitten im Gespräch bricht das Telefonat ab. Eine Minute warten, dann erneut wählen und weiter reden. Beim Autofahren, beim Wandern oder in der eigenen Wohnung - viele Mittelsachsen ärgern sich über unzuverlässigen Mobilfunkempfang. Überall im Landkreis gibt es Stellen, an denen das Netz so schwach ist, dass Telefonate unmöglich sind. Wo diese Funklöcher sind, wollen Mittelsachsens Liberale nun in einer interaktiven Karte verzeichnen, um damit Politik und Mobilfunknetzanbieter zu konfrontieren.

"Es frustriert viele. Selten ist es so, dass auf großen Flächen kein Empfang ist. Stattdessen fällt das Netz plötzlich weg und ist 20 Meter weiter wieder da", berichtet Miro Becker, Chef der FDP-Ortsgruppe Rochlitz und Direktkandidat der Liberalen bei der Landtagswahl 2019. Wiebereits die Erzgebirgs-FDP rufen die Mittelsachsen Handybesitzer im Landkreis dazu auf, Funklöcher auf einer dafür eingerichteten Internetseite zu melden. Die Informationen würden dann in eine Karte eingetragen. Wichtig sei, dass immer der jeweilige Netzbetreiber angegeben wird. "Diese Daten geben wir an die Mobilfunkanbieter, aber auch an den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, und an Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig", sagt Miro Becker. Zudem würden die FDP-Politiker in Mittelsachsen und im Erzgebirge ihre jeweils gesammelten Daten zusammenfassen und gebündelt an die Bundesnetzagentur schicken.

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Der Wechselburger sieht vor allem die Mobilfunkanbieter, aber auch die Politik in der Pflicht, zu handeln. "Die Anbieter sollten dafür sorgen, dass die Angebote, die von jedem Kunden bezahlt werden, verfügbar sind. Sie haben eine vertragliche Pflicht, dafür zu sorgen, dass es funktioniert." Gleichzeitig müsse man Rahmenbedingungen schaffen, damit Netzbetreiber ihre Infrastruktur ausbauen, also Funkmasten errichten können. "Da darf es keine langen Genehmigungsverfahren geben", so Becker.

In Deutschland gibt es drei Anbieter von Mobilfunk: Telekom, Vodafone und Telefonica. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gibt es keine verlässlichen Statistiken, wie viele Menschen vom Mobilfunk abgeschnitten sind. Schätzungen gingen von fast zwei Millionen aus, die Probleme haben, weil der nächste Mobilfunkmast zu weit weg ist.

Initiativen, Funklöcher zu dokumentieren, gibt es bundesweit einige. Auch mit einer App der Bundesnetzagenturkönnen Handynutzer die Verfügbarkeit von Mobilfunknetzen erfassen und Funklöcher melden. Die Daten würden an ein Projekt zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur übermittelt und sollen einer Gesamtdarstellung dienen. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sammelt die jeweilige CDU-Landtagsfraktion auf eigenen Internetseiten beziehungsweise über Apps Daten zu Funklöchern.

Die Bundesregierung reagiert offenbar auf diese Initiativen und kündigte erneut an, dass Funklöcher durch einen Ausbau des Netzes reduziert werden, sagte im Juli Bundesverkehrsminister Scheuer. Ziel sei, im Laufe des Jahres 2021 durch neu zu errichtende Mobilfunkstandorte 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland zu versorgen. Dazu stehe man mit den Mobilfunknetzbetreibern in Kontakt. (mit dpa)

Funklöcher Handynutzer können Funklöcher online an die FDP melden.

https://funkloch-mittelsachsen.de

 


Kommentar: Wichtig fürWirtschaft

Mobilfunk, verbunden mit mobilem Internet, ist ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft. Doch für flächendeckenden Empfang braucht es zusätzliche Funkmasten. Das ruft Gegner dieser Technik auf den Plan. Verständlich, dass niemand neben einem Mast wohnen will. Doch ein Land, das die Digitalisierung verpasst, verpasst die Zukunft. Kompromisse müssen also her.


Und wo können Sie nicht telefonieren?

Harry Brünler, Kurierfahrer aus Chemnitz: Ich fahre jeden Tag meine Tour von Chemnitz über Flöha und Brand-Erbisdorf nach Freiberg. Dabei telefoniere ich oft im Auto. Ein Funkloch ist in Oberschöna, in der Senke im Dorf, direkt an der Kreuzung der Bundesstraße mit der Straße Richtung Brand-Erbisdorf. Dort geht nichts mehr. Erst ab der Kirche in Oberschöna hat man wieder Empfang. Auch in Richtung Freiberg ist man noch eine Weile im Funkloch. Erst wenn man fast den kompletten Berg hinauf gefahren ist, funktioniert das Handynetz wieder. Manchmal ist das schon ärgerlich.

Thomas Caro, Chef des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre: In Lauenhain am Talgut ist der Handyempfang ganz schlecht. Das finde ich nervig, und auch für die Gäste auf dem Campingplatz ist es überhaupt nicht schön. Auch auf der Talsperre selbst, zwischen Tanneberg und Lauenhain, hat man im Grunde keinen Empfang. Das merken wir immer, weil wir unsere Schifffahrer auf dem Handy nicht erreichen können, wenn sie dort unterwegs sind. Das Gute ist, dass sie auch noch Funk haben - und wir sie darüber kontaktieren können, wenn etwas abgesprochen werden muss. (fpe)

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