"Ich sitze nur noch montags am Steuer meines Busses"

Zettlitzer Bürgermeister investiert mehr Zeit in die Gemeindearbeit: Denn die Bürokratie hat zugenommen

Zettlitz.

Bürgermeister im Ehrenamt bekommen seit kurzem eine höhere Entschädigung. Davon profitiert auch Steffen Dathe (parteilos). Wie sich das auf seine Arbeit auswirkt und welche nicht unerheblichen Brocken er in der kleinen Gemeinde stemmen will, erfuhr Marion Gründler vom 53-jährigen Hermsdorfer.

Herr Dathe, Sie haben sich kürzlich neu organisiert. Als Busfahrer und als Gemeindechef.

Steffen Dathe: Und das war notwendig. Ich sitze jetzt nur noch montags am Steuer meines Busses. Zwar hatte ich nach meiner Wahl mit meinem Arbeitgeber Teilzeit vereinbart. Doch was sich innerhalb weniger Tage auf dem Schreibtisch im Gemeindeamt auftürmt, ist nur beherrschbar, wenn man dran bleibt. Die Bürokratie ist mitunter überbordend. Hinzu kam, dass ich zu viele Termine absagen musste, obwohl ich in der Gemeinde präsent sein möchte. Die Gesetzesnovellierung kommt mir entgegen. Ich kann mehr Zeit in die Gemeinde, und nicht zu vergessen, meine Familie investieren. Beides kam in den vergangenen anderthalb Jahren zu kurz.

Die anhaltende Trockenheit rückt das Problem der fehlenden öffentlichen Trinkwasserleitung unter anderem im Brunnendorf Rüx stärker in den Fokus. Die Gemeinde plant, die betroffenen Rüxer durch einen Zuschuss zu entlasten. Wie weit sind die Pläne gediehen?

Darüber wollen wir im August einen Beschluss fassen, von dem ich hoffe, dass er zustande kommt, nachdem uns die Kommunalaufsicht grünes Licht gegeben hat. Zudem bin ich mit dem hiesigen Wasserversorger ZWA im Gespräch, und letzthin hieß es, dass man das Projekt gern beschleunigen möchte.

Apropos Trockenheit: eine Löschwasser-Zisterne für Kralapp ist im Bau. Wann sind die Behälter für die Wehr nutzbar?

Es stehen lediglich kleine Restarbeiten aus, die Bauabnahme soll noch in dieser Woche erfolgen. Die vier Löschwasserbehälter sind bereits zu drei Vierteln gefüllt, und an dieser Stelle profitierten wir von der guten Zusammenarbeit mit der Methauer Agro AG.

Mit dem Umzug der Schüler aus der Förderschule "Wilhelm Pfeffer" nach Rochlitz steht ein weiteres Gebäude im Komplex An der Kirche leer. Welche Pläne hat die Gemeinde damit?

Das Verkehrswertgutachten liegt uns endlich vor, sodass wir die Immobilie für den Verkauf jetzt ausschreiben können. Allerdings wäre es uns lieber, wir könnten mit einem der Sozialdienstleister aus der Region ins Geschäft kommen. Das sehen die Zettlitzer ganz ähnlich. Gespräche gab es bereits, eine Entscheidung steht allerdings noch aus.

Wäre die Immobilie auch eine Alternative für die Kita "Sonnenschein"?

Diese Variante haben wir geprüft, aber wieder verworfen. Das Gebäude der einstigen Mittelschule ist baulich soweit in Ordnung, und wir haben in den Gebäudetrakt zu viel investiert, um den jetzt einfach leer stehen zu lassen. Außerdem lässt sich ein einzelnes Gebäude wie das der Förderschule besser vermarkten. Die bessere Lösung, um mehr Platz zu schaffen, wäre eher die, die einstige Lehr-Wohnung der Förderschule für Kinder im Krippenalter kostengünstig umzubauen.

Die Gemeinde möchte das alte Schulgebäude erwerben, das die evangelische Kirche verkaufen will und in dem das Gemeindeamt untergebracht ist. Weshalb sehen Sie Handlungsbedarf, da es doch ausreichend freie Räume in der einstigen Mittelschule gibt?

Grundsätzlich werden wir den Kauf des Schulhauses davon abhängig machen, wie wir mit der Förderschule vorankommen. Sollten wir da einen gangbaren Modus finden, hätte der Erwerb des jetzigen Gemeindeamtes etliche Vorteile: das Geld, das wir dafür ausgeben, bliebe in der Gemeinde. Denn die Kirche plant die Installation einer sogenannten Winterkirche, die wir für weltliche Feiern mit nutzen dürften. Kommt dieses Arrangement nicht zustande, sind wir in Kürze gezwungen, die marode Trauerhalle durch einen Neubau zu ersetzen. Außerdem könnten verschiedene Zugänge zu Teilen der Gebäude aus Sicht des Wegerechts nicht mehr genutzt werden, falls ein neuer fremder Eigentümer sein Einverständnis verwehren würde.

Und noch zu einem anderen Dauerbrenner. Telekommunikationsanbieter Inexio hatte den Zettlitzern für dieses Frühjahr schnelles Internet versprochen.

Das wurde uns nun für Dezember in Aussicht gestellt. Das Glasfaserkabel liegt immerhin schon mal von Spernsdorf bis zum Verteilerkasten in der Ortsmitte von Zettlitz. Woran es noch fehlt, ist die Verknüpfung dieser Leitung mit der vorhandenen, die in der Gastrasse verläuft. Aktuell gibt es keine konkrete Aussage von Inexio, wie es im Einzelnen weitergeht.

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