Immer mehr Schusswaffen in Mittelsachsen im Umlauf

Sportschützen und Jäger haben ihr Arsenal vergrößert. Doch die Mittelsachsen bewaffnen sich auch zunehmend privat.

Rochlitz.

In Mittelsachsen sind mehr Schusswaffen im Umlauf als noch 2017. Das geht aus einer Statistik des sächsischen Innenministeriums hervor. Demnach gibt es im Landkreis derzeit 14.058 registrierte Schusswaffen. Ende 2017 waren es nur 12.995. Zudem teilte das Ministerium mit, dass 2427 Mittelsachsen privat Schusswaffen besitzen. Das sind 65 mehr als im Vorjahr. Sachsenweit stieg die Anzahl der registrierten Schusswaffen von 139.220 auf insgesamt 168.404 Stück.

"Ich finde den Anstieg alarmierend. Mehr Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit, sondern verursachen das genaue Gegenteil", sagt der Landtagsabgeordnete der Grünen, Valentin Lippmann, auf dessen Anfrage hin das Innenministerium die Statistik veröffentlicht hat. Worin die Gründe für die vermehrte Anschaffung von Waffen liegen, wisse er nicht. "Offenbar schaffen sich diejenigen, die bereits über waffenrechtliche Erlaubnisse verfügen, immer mehr Schusswaffen an", so Lippmann. Auch das mittelsächsische Landratsamt kennt keine genauen Gründe. Ein Aspekt: "Sowohl im Bereich der Sportschützen als auch im Bereich der Jäger hat sich die Anzahl der Waffen erhöht", sagte Kreissprecher André Kaiser. Den Grünen-Politiker beängstigt aber vor allem die Zunahme von Waffen in Privatbesitz. "Das Schüren von Ängsten und die Dramatisierung der Sicherheitslage entgegen tatsächlicher Fakten haben dazu sicher einen erheblichen Beitrag geleistet."

Durch Kontrollen haben Behörden die Möglichkeit, zu überprüfen, ob Schusswaffen sicher gelagert werden. Zuständig ist im Landkreis die Waffenbehörde des Landratsamtes. Laut der Statistik wurden 2018 acht Kontrollen in Mittelsachsen durchgeführt. Fünf Kontrollen seien ohne konkreten Anlass gewesen, drei mit Anlass. Details dazu nennt das Ministerium nicht. Zwei Kontrollen seien angemeldet gewesen, sechs unangemeldet. 2018 seien insgesamt 25 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen das Verbot zum Mitführen von Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen registriert worden. Ein Verfahren drehte sich um einen offensichtlich Minderjährigen. Denn Munition und Waffen darf nur kaufen und besitzen, wer älter als 18 Jahre ist.

Sachsenweit sind im Erzgebirgskreis die meisten Schusswaffen im Umlauf. 2018 waren es laut Statistik 20.065, 2017 nur 18.591. Auch stieg die Anzahl von Privatleuten, die Schusswaffen besitzen: 2018 waren es 3473, ein Jahr zuvor 3402. Die wenigsten registrierten Schusswaffen gibt es mit 5538 in Chemnitz - mit rund 246.000 Einwohnern die kleinste der drei sächsischen Großstädte.

Die sächsischen Grünen fordern angesichts der Zahlen eine restriktive Handhabung der waffenrechtlichen Erlaubnisse. "Die Zuverlässigkeit der Personen, die mit Waffen umgehen wollen, muss sehr genau geprüft werden. Auch diejenigen, die eine waffenrechtliche Erlaubnis haben, müssen regelmäßig überprüft werden", so Lippmann. Dafür brauche es mehr Personal in den Behörden. "Zudem muss deutlich gemacht werden, dass der Rechtsstaat funktioniert. Dazu fordern wir eine höhere Polizeipräsenz und Revierdichte."

Bei der Polizei hat man laut Sprecherin Jana Ulbricht den Eindruck, dass die Anzahl an Notrufen, bei denen Personen mit Waffen bedroht werden, zugenommen hat. Bei Einsätzen, bei denen gemeldet wird, dass Schusswaffen im Spiel sind, sind die Beamten sensibilisiert, sagt sie. "Denn aus der Entfernung ist oft nicht zu erkennen, ob es sich um eine scharfe Waffe, eine Schreckschusswaffe oder nur eine Spielzeugwaffe handelt", sagt Ulbricht.


Waffenbesitzkarte notwendig

Alle Fragen zu Besitz und Umgang mit Waffen und Munition sind in Deutschland im Waffengesetz

geregelt:

Um eine Waffe besitzen oder führen zu dürfen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein, Zuverlässigkeit und persönliche Eignung nachweisen, waffenrechtliche Sachkunde besitzen und genau begründen, warum man eine Waffe benötigt.

Die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Waffen wird durch eine Waffenbesitzkarte erteilt. Dabei sind Art, Anzahl und Kaliber der Waffen anzugeben. Die Erlaubnis zum Erwerb gilt für ein Jahr, die Erlaubnis zum Besitz wird in der Regel unbefristet erteilt. Zuständig für die Beantragung sind die Landkreise und kreisfreien Städte.

Die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition ist eine der zentralen Forderungen des Waffenrechts an jeden Waffenbesitzer. Waffen sind so aufzubewahren, dass sie von anderen nicht entwendet oder missbraucht werden können, heißt es im Gesetz.

Verbotene Schusswaffen in Deutschland sind sogenannte Kriegswaffen - dazu zählen militärisches Gerät und vollautomatische Waffen.

Der "Kleine Waffenschein" gestattet nur das Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffe, wie zum Beispiel Leuchtpistolen. (fpe)

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