In Arnsdorf knallt es schon vor der Neujahrsnacht

Eine Familie aus dem Ort lässt schon seit Jahren frühzeitig Raketen in den Himmel steigen. Das hat einen guten Grund: Denn Gudrun Funk feiert am 30. Dezember Geburtstag.

Arnsdorf.

Ein hell erleuchteter Himmel gehört zum Jahreswechsel dazu. Doch in Arnsdorf steigen die Raketen bereits einen Tag früher in den Himmel. Gudrun Funk feiert seit Jahren am 30. Dezember im Kreise der Familie ihren Geburtstag. Am gestrigen Montag ihren 80. Ein Feuerwerk darf dabei nicht fehlen. "In meiner Kindheit wurden die Geburtstage von mir und meinem Bruder nicht großartig gefeiert", sagt die Jubilarin. "Es gab nicht viel. Man hatte andere Sorgen", fährt die Arnsdorferin fort.

Erst Jahre später - sie war verheiratet und die Töchter Elke und Andrea sowie Sohn Erik waren geboren -änderte sich das. Abends wurde ein wenig gefeiert. "Meistens musste ich am 30. Dezember arbeiten, da ich in der Lohnabrechnung in der Altenburger Wollspinnerei in Amerika tätig war", erklärt die 80-jährige Seniorin. Anfang der 1980er Jahre kam in der Familie dann die Idee auf, anlässlich der Geburtstagsfeier ein paar Raketen in den Himmel abzufeuern. So um 1982 muss es gewesen sein, als die ersten Enkel geboren wurden.

"Die Feuerwerkskörper wurden ja ab den 28. Dezember verkauft", erklärt ihr Sohn Erik. "Der Geburtstag meiner Mutter war ein perfekter Anlass, eben mal ein paar eher auszuprobieren", fährt Funk fort, der als aktiver Feuerwehrmann bestens um die Gefahren von Feuerwerkskörpern weiß und sich deshalb immer um diese kümmert.

Ehemann Karl hält sich bei der Knallerei seit einem unschönen Vorfall zurück. "Ich habe mir einmal den Daumen verbrannt, als ein Böller beim Anzünden losging. Seitdem rühre ich das Zeug nicht mehr an", sagt der 81-jährige Senior, der aber seiner Frau trotzdem das Feuerwerk gönnt und das Geld dafür beisteuert. Schließlich würden, wie er sagt, "alle ihre Freude daran" haben. Das Ehepaar, die Kinder und die vier Enkel genauso wie die mittlerweile sechs Urenkel. Besonders die jüngeren Familienmitglieder fiebern am Geburtstag der Oma beziehungsweise Uroma den ganzen Tag über schon dem Feuerwerk entgegen. Die Kleinen würden schon am Nachmittag danach fragen, bemerkt der Senior.

Manchmal gab es allerdings enttäuschte Gesichter. Bei Regen oder Sturm fiel das Feuerwerk schon mal aus, was dann in der Nachbarschaft. für Verwunderung sorgte. Bisweilen sind Geburtstagsgäste auch überrascht, wenn es nach dem Abendessen heißt, anziehen und raus zum Feuerwerk. So wie etwa Katja Lang, die zu Erik Funk nach Arnsdorf zog. "Ich hatte bisher nicht erlebt, dass schon vor Silvester geknallt wurde. Aber so kann man dieses Feuerwerk voll genießen", stellt seine Freundin fest.

Kritik an der frühzeitigen Knallerei sind indes selten. "Nur einmal hat sich vor einigen Jahren ein Nachbar beschwert, es wäre nicht gut für seine Pferde. Erst stand er die ganze Zeit am Gartentor und als alles vorbei war, meldete er sich", erinnert sich Karl Funk. Zu DDR-Zeiten scheute der Arnsdorfer, der damals in der Papierfabrik arbeitete, keine Mühen, um seiner Frau eine kleine Freude zu machen. Er nahm sich extra zwei bis drei Stunden frei, reihte sich im Geschäft in eine Schlange ein, um Feuerwerkszeug zu ergattern.

Diese Zeiten sind längst passé. Böller und Raketen gibt es zum Jahresende in den Läden in Hülle und Fülle zu kaufen. Und damit am Geburtstag alles seine Ordnung hat, steht im Vorfeld regelmäßig der Gang ins Rathaus an. "Ich hole auf der Stadt eine Ausnahmegenehmigung", berichtet Erik Funk. "Zum 80. Geburtstag habe ich die problemlos bekommen", fügt er hinzu.

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