In die Turnhalle sollen Klassenzimmer rein

Wegen steigender Kinderzahlen braucht die Schule mehr Platz. Es werden mehrere Lösungen diskutiert. Eine Variante stößt bei Erzieherinnen und Eltern auf Widerstand.

Taura.

Die gute Nachricht zuerst: Der Gemeinderat Taura will in einer Krisensitzung am 13. August darüber entscheiden, ob die Turnhalle der Johann-Esche-Grundschule im Ortsteil Köthensdorf zu zwei Zimmern umgebaut wird oder nicht. Damit soll mehr Platz im Gebäude geschaffen werden, da sich die Schule mit Hort, Kindergarten und Krippe Räume teilt. Ein schneller Beschluss war am Montagabend vertagt worden. Die schlechte Nachricht: Einen Neubau oder einen Umzug in die leerstehende Euro-Schule in Taura wird es so schnell nicht geben.

Doch der Reihe nach: Das Bauamt Burgstädt als Schulträger hatte dem Gemeinderat vorgeschlagen, für 390.000 Euro die Turnhalle umzubauen, sodass die Schule ein viertes Klassenzimmer und der Hort einen zusätzlichen Raum erhalten. Über ein Förderprogramm könnte Geld bereitgestellt werden, sagte Bauamtschef Hannes Langen. Notwendig sei ein schnelles Handeln, weil die Frist zum Beantragen der Fördermittel ende. Nur so gelinge es, bis zum Schuljahresbeginn 2019/20 einen Umbau zu realisieren. Alternativen gebe es nicht. Das Aufstellen eines Containers sei zu teuer und bringe nur vorübergehend Entspannung, ergänzte Hauptamtsleiterin Josefine Müller. Sie machte noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Wenn das Raumproblem bis nächstes Jahr nicht geklärt ist, besteht die Gefahr, dass keine vierte Klasse gebildet werden darf, weil ein viertes Klassenzimmer fehlt. Bürgermeister Robert Haslinger (CDU) versuchte, die Gemeinderäte von den Plänen zu überzeugen. "Baulich und finanziell ist das möglich", sagte er. Doch in der Diskussion stellte sich heraus: Viele Gemeinderäte sehen die Pläne skeptisch.

"Die Krippe muss raus, das ist die einzige Lösung", sagte Marina Frenzel (Wählervereinigung WFFK). Ein Anbau an den Speisesaal wäre die beste Lösung. Die Schule und die Vereine bräuchten eine Turnhalle in Köthensdorf. Auch Heike Schmidt (CDU) sprach sich gegen den Umbau aus. Sie schlug andere Fördertöpfe vor. Vorübergehend könnte ein Container gekauft werden, fügte sie hinzu. Sie erinnerte daran, dass es 2015 einen Wanddurchbruch gegeben hätte. Da sei ein viertes Klassenzimmer entstanden. Hauptamtsleiterin Müller sagte, dass das Zimmer zu klein sei. "Wir brauchen eine nachhaltige Entscheidung", so Bauamtschef Langen. Ein Kita-Neubau und die Umnutzung der Euro-Schule seien finanziell nicht darstellbar. Doch Ortsvorsteher und Gemeinderat Ronny Falkner (WFFK) fand deutliche Worte: "Da fahren Politiker durchs Land und verteilen vor der Landtagswahl 2019 Gelder." Aber für Taura gebe es keine Lösung. Er plädierte für die Aufnahme eines Kredites und den Bau einer neuen Krippe. Zwischenzeitlich sollten Container aufgestellt werden.

Gemeinderat Jörg Matthes (Wählervereinigung WVK) sieht indes in der Turnhallen-Lösung die einzige schnell machbare Variante. Dann müsste ein Konzept für die nächsten zehn bis 20 Jahre entwickelt werden, erläuterte er. Und können die Zimmer wieder zu einer Turnhalle zurückgebaut werden?, fragte Karla Wegner (WVK). Bauamtschef Langen bejahte dies: Ähnlich wie in einer Mehrzweckhalle würden bei Bedarf zwei Räume abgetrennt.

Anja Beck und Tina Schmieder von der Kita Rasselbande luden die Gemeinderäte ein, sich vor Ort ein Bild zu machen, was es heißt, 17 Krippenkinder bei gefühlten 50 Grad zu tragen. "Bei dieser Hitze ist es unter dem Dach unzumutbar", sagte Beck. Drei Kinder könnten noch nicht laufen. Fragen des Schallschutzes würden durch die Doppelnutzung von Zimmern auch nicht eingehalten, ergänzte sie.

Eltern hatten in den vergangenen Sitzungen mehrfach auf die Platznot aufmerksam gemacht. Mütter schilderten das anstrengende Treppensteigen mit einem Kleinkind bis in den obersten Stock. "Die Klassenzimmer und Kita-Räume sind überfüllt", sagte ein Vater. Das seien einfach katastrophale Zustände. Auch sprachen Eltern das Risiko bei einem Brand an.

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