In Erlau fahren 122 Loks unterm Dach

Uwe Ihl kann nicht von seiner Leidenschaft lassen. Der ehemalige Lokführer ist Eisenbahnfan mit Leib und Seele. Auf seinem Dachboden hat er etwas Gigantisches aufgebaut.

Erlau.

Ein Polizeiauto mit Blaulicht an einer Unfallstelle, eine Blondine fährt auf einem Rasentraktor, ein Brunnen plätschert, ein Lkw bewegt sich die Straße entlang - und ringsherum Gleise mit Zügen, die durch die Landschaft fahren. Uwe Ihl ist in seinem Element. Er selbst fuhr früher Elektro- und Dieselloks, hatte am 13. Dezember 2003 seine letzte Fahrt. Heute zieht sich der Erlauer Rentner gern auf den Dachboden seines Hauses zurück und lässt sein Berufsleben im Miniformat noch einmal aufleben. Was er auf seiner 46 Quadratmeter großen Modellbahnanlage in den vergangenen Jahren geschaffen hat, lässt jedes Eisenbahnerherz höherschlagen.

122 Loks, 430 Wagen, 187 Meter Gleis, 66 Weichen, 1300 Figuren, zahlreiche Gebäude, Tunnel und vieles mehr hat der 70-Jährige auf seiner Anlage der Spur H0. Mit Klappelementen, durch die man hindurch gehen kann, lassen sich die beiden Teilanlagen miteinander verbinden, sodass die Züge auf beiden Teilbereichen fahren können. "Zu DDR-Zeiten war es schwieriger, an manche Dinge heranzukommen. Heute kriegt man alles, doch es ist teurer", erzählt Uwe Ihl, der bereits 1984 mit dem ersten Teil der Anlage angefangen hatte. Die meisten Gebäude seien der Fantasie entsprungen, außer der Erlauer Bahnhof. "Der ist so, wie ich ihn früher kannte, mit Gaststätte", erinnert er sich. Das Bahnhofsmodell habe er 2013 mal Studenten abgekauft, die es gebaut hatten. Zu seinem 65. Geburtstag hatte er von seinen Kindern eine Rarität geschenkt bekommen - eine amerikanische Lok, die auf einem Rollenprüfstand steht.

Wenn seine Frau ihrem Hobby frönt - sie bastelt gern Karten - verzieht sich Uwe Ihl auf den Dachboden, lötet, klebt und spielt mit der Modelleisenbahn. Im Laufe der Jahre klügelte er immer neue Details aus. Mit Überwachungskameras kann er über einen Monitor in Tunnel schauen. Ein Windrad dreht sich, und an der Kirche, wo gerade eine Hochzeit stattfindet, kann er passend dazu sogar Glockengeläut einspielen. Und ein Lkw, der zu schnell unterwegs ist, wird geblitzt - alles wie im wirklichen Leben. Und auch der Titlis-Schwebebahn, die original in der Schweiz fährt, kann man beim Schweben zuschauen.

Eigentlich bekommen nur wenige seine Modellbahnanlage zu Gesicht. Doch zweimal im Jahr trifft sich Uwe Ihl mit seinen Kumpels, die ebenfalls mal große Lokomotiven lenkten. Die eingeschworene Truppe kommt seit 1985 regelmäßig zusammen. Für Ende Oktober/Anfang November ist bereits das nächste Treffen geplant. Und obwohl Uwe Ihl am kommenden Samstag 71 Jahre alt wird und sein Rentnerleben genießt, schiebt er keine ruhige Kugel. Im Erlauer Generationenbahnhof ist er als Hausmeister tätig, kümmert sich, dass in der Begegnungsstätte alles läuft.

Die Modellbahn unterm Dach ist nicht die einzige. Im Hof seines Hauses dreht auch eine Gartenbahn ihre Runden. Mit dem Bau hatte er 1995 angefangen. Zumindest, was diese Anlage betrifft, kann Uwe Ihl versprechen: "Die wird nicht erweitert."

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