In Schaufenstern wird Geschichte erzählt

Vor 130 Jahren ist der Park Wettinhain eröffnet worden. Zum Jubiläum wird aber nicht nur an das sächsische Herrscherhaus erinnert.

Burgstädt.

Große Briefmarken mit Motiven aus dem Park Wettinhain zieren vier Schaufenster in der Innenstadt. Darauf ist der Wert von 130 Cent zu sehen. Hat Burgstädt eine neue Briefmarkenserie herausgebracht? "Nein", sagt Ralf Jerke, Cheforganisator der 130-Jahr-Feier für den Wettinhain. Die überdimensionalen Briefmarken seien das wiederkehrende Erkennungsmerkmal für das Jubiläum "130 Jahre Wettinhain" - an verschiedenen Stellen in der Stadt, so auch auf Aufstellern im Taurasteinturm, in der Stadtinformation und in der Festschrift, die am Sonntag erscheint. Im Jahr 1889 feierte das sächsische Herrscherhaus, das seinen Namen nach der Stammburg Wettin trug, das 800-jährige Regierungsbestehen, zu dessen Erinnerung man in fast allen Städten etwas stiftete. In Burgstädt wurde die Idee geboren, einen Bürgerpark mit dem Namen "Wettinhain" zu errichten. Am 17. Juni 1889 wurde der Park feierlich eröffnet. Zum Jubiläum ein Überblick zu den Schautafeln:

Obergasse 8: Im Haus befand sich einst das Reisebüro der Volkssolidarität. Doch das Schaufenster ist derzeit ungenutzt, sagt Jerke. Nachzulesen ist in zwei Fenstern, wie der Gondelteich 1903 angelegt wurde. Hobbyautor Wolfgang Scheffel hat ein Großteil der Texte verfasst. "Vieles war selbst mir nicht bekannt", sagt der Rentner und langjährige Chirurg am Krankenhaus Hartmannsdorf. Er habe seit Herbst 2018 in Archiven gekramt, ältere Burgstädter befragt. Heute prägen Springbrunnen mit Fontäne im vorderen Teich und ein Entenhaus im hinteren Teich die Wasserkunst.


Rochlitzer Straße 2: Der neue Eigentümer des einstigen Albertinums, auch Böttgerhaus genannt, Jens Scheithauer, hat nicht lange überlegt, ob er die Schaufenster des Denkmalhauses für die Wettinhain-Aktion zur Verfügung stellen soll. Solange die Fassade noch kein Hingucker ist, zieren Aufnahmen vom Taurasteinturm die Auslagen. Scheithauer lässt jetzt das Haus für 1,8 Millionen Euro sanieren. Nachzulesen ist auf Tafeln, dass der Taurastein das Wahrzeichen von Burgstädt ist. Hauptzweck des 1912/13 im Ergebnis eines Architektenwettbewerbs gebauten Turms war eine stabile Wasserversorgung der Stadt. Noch heute kündet der 300 Kubikmeter fassende Behälter im Innern des Turms davon. "Genial war aber die Idee, die gelungene Eisenbetonkonstruktion auch touristisch zu nutzen", heißt es auf dem Plakat. Mittels 163 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform in 28,5 Metern Höhe. Bei guter Sicht wird man mit einem Blick bis zum Fichtelberg im Süden oder zum Leipziger Völkerschlachtdenkmal belohnt.

Marienstraße 26: Im Haus befand sich früher eine Klempnerei. Seit Jahren steht das Gebäude leer. An der Fassade ist noch der Schriftzug "Georg Wittekind" zu lesen. In den drei Schaufenstern wird über Denkmäler im Wettinhain berichtet. Ältestes Denkmal ist die Triangulationssäule, etwa 100 Meter entfernt vom Taurasteinturm. Im Volksmund Storchenesse genannt und 1875 errichtet, stellt sie ein technisches Denkmal für Landesvermessung im Königreich Sachsen dar. 2002 wurde das umgestürzte Denkmal neu aufgerichtet und restauriert. An zwei Gründer des Wettinhains wird auf Gedenktafeln erinnert: Robert Gärtner und Gustav Winkler. Eine dritte Tafel ist verschollen. Sie war zur Weihe am 17. Juni 1889 angebracht worden. Am Sonntagnachmittag soll anlässlich der 130-Jahr-Feier eine neue errichtet werden. Weitere Denkmale erinnern an Marxist und SPD-Funktionär Karl Liebknecht sowie Heimatdichter und Sänger Anton Günther.

Herrenstraße 3: Das Wohngebäude gehört dem Architekten und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft (AG) Wettinhain, André Teichmann. Das Haus steht leer. Die Tafeln im Schaufenster erinnern an die Geschichte eines Spielplatzes im Wettinhain. Bereits 1957 planten die Stadtväter links des Hauptweges einen Spielplatz. Wippe, Sandkasten, Kletterpilz und Reckstangen entstanden. Nahe des Teiches wurde ein Streichelgehege mit Tieren angelegt.

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