Ins "Sanssouci" soll künftig ein Museum einziehen

Der einstige Gasthof in Arras gilt schon länger als Schandfleck im Ort. Ein neuer Besitzer will das ändern. Doch gegen die Pläne gibt es auch Widerstand.

Arras.

Geht es nach Philipp Herrmann, könnte das Gebäude des einst repräsentativen Gasthofs "Sanssouci" an der Arraser Dorfstraße bald wieder Besucher anziehen. Der gelernte Elektriker aus dem nordrhein-westfälischen Hattingen will aus dem Anwesen ein Automuseum machen. Die ersten Modelle hat der 32-Jährige bereits vor dem Haupthaus in Stellung gebracht. Präsentieren will Herrmann die Fahrzeuge in zwei ehemaligen Gasträumen und dem angrenzenden Festsaal.

Das Vorhaben Herrmanns ist ambitioniert. Deutlich wird das beim Blick ins Gebäudeinnere. Die Decke des großräumigen Saals ist stark beschädigt. Die Konstruktion ist teils eingebrochen, an der Westseite klafft ein großes Loch. "Hier hat es mindestens zehn Jahre lang reingeregnet", erklärt Herrmann. Damit nicht noch mehr passiert, sicherte der Bauherr die Decke zunächst mit massiven Stützen aus Stahlrohr. Das Dach des Haupthauses ist bereits repariert. Und inzwischen schafften Herrmann und fünf seiner Helfer jede Menge Müll und etwa anderthalb Tonnen Altpapier aus dem Gebäude.

"Richtig losgehen mit dem Bau soll es frühestens im kommenden Jahr. Was gut funktioniert, ist die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde", berichtet Herrmann, Diese habe ihn sehr unterstützt und Tipps gegeben, die ihm weiterhelfen werden, sagt er. "Bestimmte Bereiche wie etwa Nord- und Westseite müssen im Ambiente erhalten bleiben. Also es wird keinen Austausch zum Beispiel von Fenstern oder Türen geben." Gemeinsam mit dem Denkmalschutz will Herrmann die Möglichkeiten einer Förderung über Mittel der Europäischen Union ausloten.

Doch soweit ist er noch nicht. Derzeit beschäftigen ihn die Schäden durch Vandalismus. Geklaute Kupferkabel im Gebäudeinnern und zerstochene Reifen gehören genauso dazu wie der Inhalt zahlloser Aschenbecher, die auf seinem Grundstück entleert wurden. Und neuerdings, so Herrmann, würden Unbekannte vermutlich mit Luftgewehren auf die Fensterscheiben von Haupthaus und Saal schießen. "Ich habe jetzt einen Bauzaun rund ums Gelände aufgestellt. Seither ist es ruhiger geworden."

Die Aktivitäten des Sanssouci-Besitzers kommen im Dorf nur bedingt an. "Das Gelände ist ein Schandfleck im Ort," kritisiert die langjährige ehemalige Ortsvorsteherin Annerose Lange. Zumal sich auch noch direkt gegenüber vom Gasthof die Bushaltestelle für den Schülerverkehr befinde. Während ihrer Amtszeit habe sie versucht, die Stadt Geringswalde dazu zu bewegen, die Brache zu übernehmen und mit Hilfe eines der Landesförderprogramme abreißen zu lassen. Auf den Vorschlag sei keine Reaktion erfolgt. "Wir haben uns immer bemüht, den Dorfkern schick zu machen. Die Brache mit dem ungepflegten Umfeld ist eine Schande", sagt Annerose Lange.

Bauherr Philipp Herrmann weiß um die Widerstände im Ort. Doch außer Ortsvorsteher Robby Liebers habe ihn niemand auf seine Pläne angesprochen.

"Sanssouci", französisch sans souci, heißt übersetzt "ohne Sorge". Ohne Sorge auf die Zukunft des Hauses zu blicken, wünscht sich auch der einstige Eigentümer Wolfgang Lietzow. Er hatte das Gasthaus ab 1990 betrieben. "2003 musste ich es schweren Herzens aufgeben. Das Ganze war finanziell nicht mehr zu halten." Deshalb sei er glücklich, dass sich jemand um dieses ungewöhnliche Gebäude kümmert. Haus und Grundstück seien damals an ein Kreditinstitut gegangen. 2014 hätten sich zwei Mitarbeiter des Bankhauses am Gebäude sehenlassen. Passiert sei allerdings nichts.

Am heutigen Mittwoch befasst sich der Ortschaftsrat Arras mit den Plänen für das Automuseum. Die Sitzung mit Bürgerfragestunde findet im Begegnungszentrum Arras statt. Beginn ist 19 Uhr.


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