Jugendtreff "Waldhaus" vor dem Aus

Wegen zu geringer Besucherzahlen will die Stadt Penig den Vertrag mit dem Betreiber der Freizeitstätte kündigen. Das Geld soll in andere Jugendprojekte fließen.

Penig.

Wegen der Corona-Krise ist der Peniger Jugend- und Freizeittreff ohnehin bis auf Weiteres geschlossen. Wenn er wieder öffnen sollte, sind seine Tage dennoch gezählt. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend die Kündigung des Vertrages mit dem Betreiber - der Kindervereinigung Leipzig - beschlossen.

Schon seit Monaten ist die Schließung immer mal diskutiert worden. Das ganze Jahr 2018 über war der Treff zu, da der vorherige Träger, das Christliche Jugenddorfwerk (CJD), der ihn von 2011 bis 2017 betrieb, das Handtuch geworfen hatte. Auf Drängen des Kreis-Jugendamtes versuchte die Stadt, dieses Angebot der offenen Kinder- und Jugendarbeit wieder zu aktivieren und fand in der Kindervereinigung Leipzig einen Partner. Nachdem der Verein die Räume erst einmal auf Vordermann gebracht hatte, entwickelte er Konzepte und Freizeitangebote für die Jugendlichen im Alter zwischen 10 bis 18 Jahren. Die Stadt Penig machte Geld locker und unterstützte die Kindervereinigung im vergangenen Jahr bei Personal- und Sachkosten mit mehr als 33.000 Euro. Auch übernahm die Kommune die Betriebskosten von 11.300 Euro. "Beide Seiten waren sich bei der Wiedereröffnung der Einrichtung einig, dass es einer bestimmten Zeit bedarf, um zu erreichen, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche in der Einrichtung ihre Freizeit verbringen", hieß es aus der Stadtverwaltung. Doch dieses Ziel sei trotz anzuerkennender Bemühungen der Betreiberin nicht erreicht worden. Bei einem Vor-Ort-Besuch Ende vorigen Jahres sei festgestellt worden, dass täglich nur etwa sechs bis acht Kinder den Freizeittreff nutzen. Steigende Besucherzahlen habe es nicht gegeben. Zudem sei zwischenzeitlich nur noch eine der beiden Betreuerstellen besetzt gewesen, wodurch die Öffnungszeiten eingeschränkt wurden. Nun stand der Stadtrat am Donnerstag vor der Entscheidung: Vertrag kündigen? Und wenn ja, wann?

Linke-Fraktionschef Ringo Gründel hatte versucht, die Kündigung und somit eine Schließung zu verhindern. Doch sein Antrag fand keine Mehrheit. Die Stadträte stimmten letztendlich für einen Kompromiss, den der Fraktionsvize der Freien Wähler, Ronny Wiehl, vorgeschlagen hatte. Demnach soll der Vertrag per Jahresende 2020, also zum eigentlichen Ende seiner Laufzeit, gekündigt werden. Sollte sich die Stadt mit der Kindervereinigung einigen können, den Vertrag bereits zum 30. Juni zu beenden, dann soll der auf diese Weise eingesparte städtische Zuschuss in andere Projekte der offenen Kinder- und Jugendarbeit fließen.

Die Stadt hat indes noch einmal Ursachenforschung betrieben, um zu analysieren, warum nur so wenige die Angebote des "Waldhauses" nutzen. "Wahrscheinlich ist es der Situation geschuldet, dass sich die Jugendlichen auf elf Ortsteile verteilen. Die mangelnde Mobilität ist da sicher ein Problem", meint Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt. Die Kindervereinigung stand am Freitag für ein Statement nicht zur Verfügung.


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