Kakadus aus Geringswalde lernen in Berlin fliegen

Erlebnisgastronomie hat Konjunktur. Der Geringswalder Betrieb TME Rusta Playland reagiert darauf und stattet Themenrestaurants mit allem Drum und Dran aus. Aktuelles Ziel ist der Berliner Tierpark.

Geringswalde.

Papageien, Kakadus und etliche andere Vogelarten in zarten, hellen Farbtönen sind dieser Tage in Massen über die computergesteuerten Sägemaschinen von TME Rusta Playland gelaufen. Das Ziel des hölzernen Vogelschwarms: der Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde. Die Monteure aus Geringswalde hängen die silhouettenhaften Nachbildungen im Erlebnisrestaurant "Kakadu" unter die Decke. Große und überall im Gastraum verteilte Käfige nehmen einen weiteren Teil der bunten Vögel auf.

Bis Ende März muss alles fertig sein. Bis zur letzten Minute vor der Eröffnung werden die Tischler vom Werk an der Rochlitzer Straße gut zu tun haben. Noch fehlt es teils an der Bestuhlung, den mit rankendem Grün verzierten Wandverkleidungen, Raumteilern, die an Bambusstangen erinnern, und der Thekenanlage.

Konrad Piegert hält die Fäden für das Berliner Vorhaben in Händen. "Wir machen das ja nicht zum ersten Mal", sagt der TME-Projektmanager abgeklärt. "Die Herausforderung in der Erlebnisgastronomie liegt in der Vielfalt der Entwürfe, die uns von Architekturbüros geliefert werden. Keine Einrichtung gleicht der anderen. Und aus all denen machen wir dann etwas", fährt er fort. So seien im vergangenen Frühjahr im Magdeburger Zoo die Tropen ein beherrschendes Thema gewesen. Und im Herbst entstand der "Palmensaal" im Leipziger Zoo unter der Regie des Geringswalder Unternehmens.

Auch einen Ausblick gewährt Piegert bereits: Die Projekte stehen zwar fest, doch wie die Fachleute in den kommenden Monaten ein Restaurant am Düsseldorfer Flughafen oder die Filiale eines Systemgastronomen unweit von Budapest gestalten, ist momentan noch offen.

Und das ist eines der Hauptprobleme von Geschäftsführer Willi Schulz. Immer wieder bräuchten Auftraggeber unkalkulierbar lange für ihre Entscheidungen, bemerkt er. Das habe unter anderem zur Folge, dass die Abläufe in der Produktion quasi ad hoc gestemmt werden müssten, wenn denn endlich der Startschuss für ein Projekt gefallen sei. Ein Auftrag von einem Betreiber von Seniorenresidenzen hätte im Herbst abgearbeitet sein sollen. Doch die Auftragsvergabe verzögerte sich. "Mittlerweile sind wir, was die Fertigstellung anbelangt, bei Juni." Massive zeitliche Verschiebungen im Projektzeitplan würden tendenziell zunehmen, beobachtet Schulz. Das mache das Hantieren nicht einfacher. "Wir stehen pünktlich mit einem Laster voller Mobiliar vor der Baustelle, und im Restaurant fehlen noch die Fußböden", nennt er ein Beispiel.

Willi Schulz ist allerdings im Geschäftsalltag mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert. "Derzeit ist die Situation durch die stark schwankende Auftragslage für uns nicht gerade einfach", betont er.

Während die Restaurantausstattungen für zwei weltweit tätige große Systemgastronomen die eine Schiene darstellt, sind Spielgeräte für draußen, auf wenig Raum, die andere. "Die sogenannten Playlands machen bei uns etwa 40 Prozent des Umsatzes aus", bemerkt Schulz. Mithin ein Sektor, der zwar auch Schwankungen unterliege, aber etwas mehr Kontinuität aufweise.


2016 ist in Geringswalde ein Umsatz von rund vier Millionen Euro erwirtschaftet worden

Die Firmengruppe Ruprecht, deren Verwaltungssitz sich im bayerischen Schwaig befindet, besteht aus zwei Unternehmen: der TME Rusta Playland GmbH, die 1966 gegründet

wurde, und der Rusta-Ruprecht-Gewerbepark am Flughafen München.

TME Rusta Playland mit Produktionsstandort in Geringswalde gilt als Spezialist für Gastronomie-Einrichtung und Ladenbau, insbesondere für den Bereich Systemgastronomie. Weitere Betätigungsfelder bilden Planung, Herstellung und Vertrieb von Profi-Spielgeräten für den Innen- wie den Außenbereich, unter anderem

für zwei der weltweit größten

Systemgastronomen.

Am Geringswalder Standort sind momentan 37 Männer und Frauen beschäftigt. Das Unternehmen bildet außerdem seit 1992 Tischler,

Bürokaufleute und Facharbeiter

für Logistik aus. Der Umsatz im

vergangenen Jahr belief sich in

Geringswalde auf annähernd

vier Millionen Euro. (grün)

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