Kinder entdecken altes Handwerk

Gehämmert, gesägt und gewaschen wie zu Urgroßmutters Zeiten haben gestern mehr als 200 Jungen und Mädchen auf der Rochsburg.

Rochsburg.

Quirliges Treiben herrschte gestern zwischen den Mauern des Schlosses Rochsburg. Kleine Handwerker hatten sich versammelt, um sich in verschiedenen Arbeiten auszuprobieren.

Timo Tippmann aus Penig bastelte sich zum Beispiel einen Würfel. Dazu hatte der Zwölfjährige zunächst von einem Kantholz ein Stück abgesägt. Karl-Heinz Karsch, ehemaliger Schlossherr, passte auf, dass die Handsäge auch tatsächlich nur auf Holz traf, und erklärte den Kindern, die in langer Reihe anstanden, was zu tun ist. "Nicht so wuselig, bleib ganz ruhig, schön gleichmäßig sägen", sagte er zum siebenjährigen Moritz.

Inzwischen war Timo an eine andere Station weitergelaufen. Dort schliff er seinen Würfel und bemalte ihn mit Punkten. Bei Martina Kühn, einer ehemaligen Mitarbeiterin auf der Rochsburg, probierte er sich an Waschzuber und Waschbrett aus. "Ist eben altmodisch, aber es hat funktioniert", meinte Timo. Martina Kühn kennt diese Art, Wäsche zu waschen noch von ihrer Großmutter. "Mein Vater war bei der Polizei und hatte Kragenbinden. Ich erinnere mich, dass zum Waschen dieser Einsätze das Brett benutzt wurde", sagte die 66-Jährige. Für Timo indes ging es weiter zum Bedrucken kleiner Stoffbeutel. Dort betreuten die Museumsmitarbeiterinnen Christin Berndt und Annika Müller-Gebert die Kinder. Die "Stempel" bestanden aus Kartoffeln. "Wir haben sie vorbereitet, es gibt verschiedene Motive", erklärte Christin Berndt. An weiteren Stationen konnten die Kinder Federn schleißen, kleine Körbchen flechten, Zauberknöpfe herstellen sowie klöppeln.

Eingeladen zu der Veranstaltung, die bereits zum zehnten Mal stattfand, hatte das Team vom Museum des Schlosses. "Die Kinder können hautnah erfahren, dass alte Handwerkstechniken mühselig waren, aber auch Spaß machen können", sagte Schlosssprecherin Nicky Wehr. Hatte man sich in den ersten Jahren zunächst Handwerker auf die Burg geholt, die ihre Arbeit vorführten, stemmt nun das Schloss-Team die Veranstaltung und legt auf das Mitmachen wert.

Dass das ankommt, bestätigt die große Resonanz. Etwa 200 Kinder und an die 100 Erwachsene besuchten nach Angaben von Mitarbeiterin Kerstin Djoleff bis zum späten Nachmittag den Markt. Unter ihnen waren Hortkinder der Grundschulen Penig und Langenleuba-Oberhain. "Das sind wirklich sehr schöne Angebote hier, und man sieht, wie viel Mühe sich die Schlossmitarbeiter gegeben haben", sagte Horterzieherin Michaela Thiel von der Peniger Erich-Kästner-Grundschule.

Heike Lange war mit Tochter Maja aus Reichenbach bei Großschirma gekommen. "Maja hatte die Wahl zwischen einem Besuch in Pillnitz und der Rochsburg. Sie wollte gern hier mitmachen", so Heike Lange. Die siebenjährige Maja klöppelte geduldig. "Sie kann die Klöppel schon mit beiden Händen gleichzeitig drehen. Das ist gut", sagte Annemarie Böhme, die den Kindern die Handarbeitstechnik erklärte. Aus Leipzig angereist waren Annette Singer und Tochter Thea. Beide bastelten kleine Körbchen. "Wir haben meine Schwester mit Kind und die Oma mitgenommen. Es ist eine tolle Veranstaltung, bei der wir auch gleich die Rochsburg kennenlernen."

Sehr zufrieden zeigte sich Schlossherr Lutz Hennig: "Der Andrang ist doch der schönste Beweis, dass unser Handwerkermarkt ankommt und sich rumspricht."

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