Kisten packen im Klassenzimmer

Die Förderschule "Wilhelm Pfeffer" verabschiedet sich nach 22 Jahren aus Zettlitz. Nach den Ferien lernen die Schüler in Rochlitz.

Zettlitz/Rochlitz.

Überall stehen Kartons mit farbigen Aufklebern. An den Wänden gähnen nackte Regalflächen. Die Zettlitzer Förderschule packt, und das seit reichlich zwei Wochen.

Den Schülern kommt die Bewegung im Haus nicht ungelegen. Die 19-jährige Monique lernt ab Herbst an einer anderen Einrichtung weiter. "Es ist spannend und eine Abwechslung", kommentiert sie trocken den Trubel. Der elfjährige Pascal hat schon kräftig mit angepackt, damit alles bis heute am ersten Ferientag für die Möbelpacker bereitsteht. Marie-Kristin wäre etwas mehr Ruhe lieber gewesen. Aber die 17-Jährige freut sich auf die veränderten Bedingungen in ihrer neuen Schule, die sie von Fotos kennt. "Wir werden dann alle gemeinsam im Speiseraum und nicht mehr in den Klassenzimmern essen."

Schulleiter Udo Reinhold sind die bewegten Zeiten anzusehen. "Das Belastungslevel von Schülern und Lehrern bewegt sich im roten Bereich", bemerkt der Pädagoge. "Seit über zwei Wochen räumen wir aus, sortieren aus und verstauen alles, was sich im Haus befindet, in Kartons und Kisten." Schließlich müsse das Gebäude besenrein übergeben werden, und es sei schon enorm, was sich in 22 Jahren angesammelt habe.

Eine besondere Herausforderung bildet etwa die Koordination des Möbeltransportes. "Etliche Räume in Rochlitz sind noch nicht fertig. Das müssen wir in unserer Logistik berücksichtigen und das, was in diese Zimmer gehört, zunächst beiseite stellen. Auch bei neuem Mobiliar werden wir wohl anfangs noch Abstriche machen müssen." Er sei Realist, mit Schuljahresbeginn werde noch nicht alles perfekt sein am Beruflichen Schulzentrum.

"Wir ziehen erst mal dort hin, lernen Haus und Grundstück kennen, genauso wie die anderen Schüler und das Kollegium. Und dann wollen wir schauen, was sich an gemeinsamen Projekten anschieben lässt", kündigt Reinhold an. Inklusion ist ein großes Thema für den ambitionierten Pädagogen. "Wir sind an einem Punkt, an dem es raus geht aus der ländlichen Idylle. Grundsätzlich suchen wir die Öffentlichkeit, und die ist am Rochlitzer Standort eher gegeben", konstatierte er unlängst.

Wenn sich die Zettlitzer Förderschüler auf etwas freuen, dann ist es das rund 10.000 Quadratmeter umfassende Außengelände mit Spielgeräten, Schulgarten und einem sogenannten grünen Klassenzimmer. "Der Zuwachs an Bewegungsfläche wird enorm sein", ist Reinhold überzeugt. Zugleich ist ihm bewusst, dass gerade draußen noch viel zu tun ist und sich die Kinder anfangs auf ein Areal mit kleinem Sportplatz werden beschränken müssen.

Das Landratsamt als Eigentümer der Immobilie an der Dr.-Bernstein-Straße 1 gibt sich optimistisch. "Derzeit sind alle Baugewerke am Start und arbeiten außerordentlich gut mit, sodass die Räumlichkeiten zu Schuljahresbeginn zur Verfügung stehen werden", teilte Sprecher André Kaiser mit. Was das Außengelände angehe, so gingen die Bemühungen dahin, vorerst einzelne Bereiche nutzbar zu machen.


Von Zettlitz nach Rochlitz

Nach 22 Jahren schließen sich die Türen der Zettlitzer Förderschule im Gebäudekomplex An der Kirche. Das Landratsamt begründet den Umzug mit erheblichem Sanierungsbedarf des Zettlitzer Standortes. In die gemeindeeigene Immobilie hätten nach Angaben des Kreises annähernd 1,9 Millionen Euro in Brandschutz und Sicherheitstechnik gesteckt werden müssen. Der Ausbau der Rochlitzer Berufsschule, einer kreiseigenen Immobilie, wird hingegen auf 850.000 Euro geschätzt. Zudem fällt künftig der Unterhalt für ein Gebäude weg. Nicht zuletzt wäre das Rochlitzer Haus in Zukunft besser ausgelastet.

Die Gemeinde Zettlitz will das Gebäude verkaufen oder vermieten. (grün)

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