Kleiner Ort will an große Frau erinnern

Die Frauenrechtlerin Clara Zetkin ist in Wiederau geboren. Schilder sollen darauf aufmerksam und neugierig auf eine Ausstellung machen.

Wiederau.

Zu DDR-Zeiten war ihr Leben ein Kapitel im Geschichtsbuch: Die Schüler lernten, dass Clara Zetkin eine Kommunistin war, die sich selbstlos für die Rechte der Frauen einsetzte. Zweifellos wahr. Doch was steckt hinter der politischen Figur? Sehr eindrucksvoll ist das in der Clara-Zetkin-Gedenkstätte in Wiederau, wo die Weggefährtin Rosa Luxemburgs 1857 geboren wurde, zu sehen. Doch kaum einer weiß das heute. Das wollen Heimatverein und Gemeinde ändern und deshalb an Ortsein- und -ausgang Schilder aufstellen, die auf Wiederau als Geburtsort Clara Zetkins hinweisen.

"Wir wollen mit der bekannten Persönlichkeit mehr in die Öffentlichkeit gehen", sagt Bürgermeister Johannes Voigt (CDU). Und Heimatvereinschef Hans-Dieter Pötzsch verweist auf das Museum "Alte Dorfschule". Dort sind in einer Ausstellung in Schautafeln mit Bildern und auf das Wesentliche konzentrierten Texten Lebensstationen der außergewöhnlichen Frau dargestellt. Und sie zeigt neben dem Außergewöhnlichen auch das ganz Gewöhnliche, das im Leben dieser vor mehr als 100 Jahren wirkenden Politikerin eine Rolle spielte. Dass sie mit Ossip Zetkin, dem russischen Revolutionär, nicht verheiratet war, also, wie man heute sagt, in wilder Ehe lebte, mag vielleicht noch bekannt sein. Doch dass Clara Zetkin ihre deutsche Staatsbürgerschaft nicht verlieren wollte und aus diesem Grund nicht heiratete, werden die meisten wohl nicht wissen. Genauso wenig, dass sie nach dem Tod Ossip Zetkins sehr wohl den Bund fürs Leben einging: 42-jährig mit einem 18 Jahre jüngeren Maler.

"Mit der Clara-Zetkin-Oberschule und der gärtnerischen Produktionsgemeinschaft Clara Zetkin war sie früher hier präsent. Das ist nach der Wende alles weggefallen. Wir wollen auf diese Persönlichkeit aufmerksam und so auch unseren Ort bekannter machen", sagt Pötzsch. Dafür seien Ideen gesammelt worden, geeinigt habe man sich schließlich auf die Schilder. Seit etwa einem halben Jahr tagt dazu regelmäßig ein Arbeitskreis, dem auch der Bürgermeister angehört. "Eigentlich wollten wir an jeder Ortszufahrt ein Schild aufstellen. Das wäre aber finanziell sehr aufwändig gewesen. Daher sollen es nun zwei Schilder an der B 107 durch Wiederau sein", erklärt Voigt. Die Kosten liegen bei rund 1500 Euro. Die Schilder, entworfen von KAT-Werbedesign Altmittweida, sollen in Abhängigkeit von der Finanzierung im kommenden Jahr aufgestellt werden.


Kampf um Rechte für Frauen

Clara Josephine Zetkin, geborene Eißner (geboren am 5. Juli 1857 in Wiederau, gestorben am 20. Juni 1933 in Archangelskoje in der Sowjetunion) war eine sozialistische deutsche Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin. Bleibende Verdienste erwarb sie sich mit ihrem Kampf um Arbeiterinnenschutz, Lohngerechtigkeit, Frauenbildung, politische Gleichberechtigung und Frauenwahlrecht.

Eine Gedenkstele für Clara Zetkin ist im Juli 2017 vom Landesfrauenrat Sachsen anlässlich des Projektes "Frauenorte Sachsen" in Wiederau am Museum "Alte Dorfschule" aufgestellt worden. (bp)

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