Klima-Aktivisten gehen mit gutem Beispiel voran

In Ehrenberg haben Jens Ossada und "Mittweida for Future" eine Art Notbremse für den Klimawandel gezogen.

Ehrenberg/Mittweida.

Im Mai hatte Konstanz den Anfang gemacht und den Klimanotstand ausgerufen. Zahlreiche Städte wie Köln, Kiel und Düsseldorf folgten. Seit Donnerstag gibt es auch einen kleinen Ort im Osten Deutschlands, der diesen Schritt geht. Es ist das Refugium in Ehrenberg, der Skulpturengarten und auch Wohnort des aus Mittweida stammenden Künstlers Jens Ossada. Mit ihm beteiligt sich die an die Fridays-for-Future-Bewegung angelehnte Gruppe "Mittweida for Future" an der Aktion.

Proteste und Demonstrationen sind ihnen nicht fremd, ihre Mittel sind aber die eigenen Aktionen. "Wir erklären mit diesem Notstand, dass es eine Klimakrise gibt, und dass die bisher erfolgten Maßnahmen nicht ausreichen", erläutert Ossada die Definition des Notstands. Die Gemeinde Kriebstein und das Dorf sind nicht eingebunden. Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) erfuhr erst auf Anfrage der "Freien Presse" von der Aktion.

"Wir wurden als Verwaltung nicht informiert", sagte Maria Euchler. "Jens Ossada macht seit vielen Jahren tolle Projekte, auch zusammen mit der Gemeinde. Für unser Kriebstein sehe ich jetzt keinen akuten Handlungsbedarf. Wir haben die Talsperre als grüne Lunge, setzen beispielsweise bei Straßenbeleuchtung auf LED. Auch die Papierfabriken in Kriebethal hat schon viel gemacht." Demnächst könne eine E-Tankstelle in Betrieb genommen werden. Partner sei Envia M, Standort werde der Goetheschulplatz.

Jens Ossada und "Mittweida for Future" geht das alles nicht weit genug. "Die Trockenheit der letzten Jahre ist auch hier stark zu spüren und gefährdet nicht nur unseren Kunstgarten", erklärt der Ehrenberger. "Wälder in der Region zeigen klar den Handlungsbedarf. Wir bitten die umliegenden Gemeinden, den Beschluss des Klimanotstandes zu fassen und somit die Dringlichkeit aufzuzeigen." Dazu sieht aber etwa Maria Euchler keine Notwendigkeit.

Auf dem Privatgrundstück Refugium wird die freiwillige Verpflichtung, alle zukünftigen Tätigkeiten der Frage nach Klimaverträglichkeit zu unterziehen, ernst genommen. "Dank Photovoltaik versorgen wir uns komplett selbst mit CO2-neutraler, erneuerbarer Energie", so Ossada. "Ich achte auf Siegel wie bio, saisonal, regional und fair trade, mindestens ein Kriterium davon muss erfüllt sein. Zahlreiche Bäume hat meine Familie gepflanzt und sollen noch gepflanzt werden."

Auch "Mittweida for Future" will demnächst Bäume pflanzen. Nach einer Müllsammelaktion im Sommer soll noch 2019 bei Frankenau eine Streuobstwiese angelegt werden. Mit der nächsten Müllsammelaktion der mehr als 60 Mitglieder sollen laut Sprecherin Mandy Quanz gezielt Zigarettenkippen aufgelesen werden. (fa)

Einen Vortag über Nachhaltigkeit in Garten und Alltag hält Jens Ossada am 19. Oktober, 15 Uhr im Refugium Ehrenberg, Dorfstraße 95. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung der Volkshochschule Mittelsachsen ist frei.

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