Königshain: Protest gegen Schweinestall

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Die Genießergenossenschaft Sachsen will eine Aufzuchtanlage mit 1440 Plätzen errichten. Doch im Ort regt sich Widerstand. Unter anderem befürchten die Bürger Gestank. Nun wollen sie Unterschriften sammeln.

Königshain.

Noch in diesem Jahr soll der Baustart für einen neuen Schweinestall in Königshain sein, wenn es nach den Plänen der Genießergenossenschaft Sachsen geht. Sie will die Anlage mit 1440 Plätzen nördlich von Königshain errichten und 2022 mit der Produktion starten. Jährlich sollen rund 3000 Duroc-Schweine, also dänische Landschweine, heranwachsen.

Der Stall soll hinter einem Kuhstall, Hauptgut genannt, komplett auf Land der Agraset-Agrargenossenschaft Naundorf errichtet werden. Das hat Vorstandsvorsitzender Jan Gumpert präzisiert. Gumpert ist auch Vorstandschef der Genießergenossenschaft, die im Mai vergangenen Jahres von Agraset, der Volksbank Mittweida, der Stadt Mittweida und vom Genossenschaftsverband gegründet wurde. Die Genießergenossenschaft hat jetzt laut Gumpert den Bauantrag beim Landratsamt abgegeben. Die Behörde entscheidet über die Genehmigung.

Doch gegen das Vorhaben regt sich Protest. In einem Brief haben sich Ingrid und Eckhart Trommer an Königshain-Wiederaus Bürgermeister Johannes Voigt (CDU) gewandt. Vom Standort der Anlage hätten sie erst in einem Artikel der "Freien Presse" in der Vorwoche erfahren. Im Schreiben fordern sie Voigt auf, alles zu unternehmen, um das Projekt zu unterbinden. Der Bau eines Schweinestalls bringe für die Gegend erhebliche Beeinträchtigungen mit sich, sind sie überzeugt.

Unter anderem befürchten die Königshainer eine Geruchsbelästigung und ein höheres Verkehrsaufkommen durch nötige Logistik, etwa, wenn Futter für die Tiere herangefahren oder Gülle abtransportiert wird. "Wir fühlen uns übergangen und in unserer Lebensqualität eingeschränkt. Wir haben Sorge, dass die Industrialisierung der Landwirtschaft unsere dörfliche Struktur kaputtmacht", sagt Ingrid Trommer. Das Paar, das eine Kartonagenwerkstatt betreibt, wohnt seit mehr als 20Jahren auf dem Gut. "Was wir aufgebaut haben, würde abgewertet werden." Nun planen sie eine Unterschriftenaktion.

Auch Nachbar Henning Schuricht wendet sich gegen den Stall. "Eine Katastrophe jagt die nächste", sagt der Tischlermeister mit Verweis auf weitere Projekte verschiedener Investoren rund um Königshain, gegen die sich in den vergangenen Monaten Protest formiert hat - von Plänen für Windkraftanlagen bis zum geplanten Sand- und Kiesabbau. Unmut über den Stall regt sich auch einen Kilometer nördlich, bei Frank Brendecke in Topfseifersdorf, der seit fast 40 Jahren dort lebt. "Wir haben hier sehr viel Süd-West-Luft. Sie können sich vorstellen, was dann hier ankommt." Die Anzahl der Schweine habe mit ländlicher Struktur nichts mehr zu tun. Der Stall sei in dem relativ dicht besiedelten Gebiet inakzeptabel.

Zur Kritik, nicht zum Standort informiert zu haben, sagt Bürgermeister Johannes Voigt: "Das ist nicht unser Projekt. Wir können dazu nicht antworten, weil wir dazu nichts wissen." Während des Genehmigungsverfahrens wird die Kommune vom Kreis aufgefordert, Stellung zu nehmen, darüber hinaus sei die Verwaltung nicht involviert. Wenn sich die Gemeinde dann positionieren soll, werden die Pläne laut Voigt im Gemeinderat behandelt. Angesichts anderer Großvorhaben für seinen Ort sagt Voigt aber: "Es ist eine Perle auf der Schnur und tut der Lebensqualität nicht gut." Bei der Genehmigung gehe es jedoch um Fakten, etwa, ob die Zufahrt gesichert ist und Löschwasser bereitsteht.

Kritikern steht man für Informationen zur Verfügung, sagt Genossenschaftschef Gumpert. "Es gibt aber nicht nur die Kritiker." Die Genossenschaft gehöre vielen Menschen in Sachsen und aus der Gegend, die die Idee gut finden und sich mit ihrem Geld daran beteiligen, dass gesellschaftlich oft geforderte Ziele für die Tierhaltung umgesetzt werden. Rund 650 Anteilsscheine zu 1000 Euro sind bisher zur Finanzierung des 150 mal 36 Meter großen Stalls gezeichnet. Die Tiere erhalten natürliches Futter, wachsen langsamer heran, stehen auf Stroh und erhalten mehr Licht und Luft. Zudem kümmert sich mehr Personal um sie.

Vom Landkreis wollte die "Freie Presse" wissen, was geprüft werden muss, bevor die Anlage genehmigt wird, und welche Auflagen zu erfüllen sind. Eine Antwort ist für die nächsten Tage angekündigt. (mit ule)

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    424524
    24.01.2021

    Die Leute in der Region wollen nicht zugeballert werden mit kargen, industrialisierten Feldern (schon da), deren einzige Abwechslung neben den letzten verbliebenen Waldfetzen mit Rest-Tieren (noch da) aufgerissene Kieslöcher (bald da?) und wummernd-rauschende Windräder sind.

    Sie wollen auch keine als "Tierwohl" getarnte Massentierhaltung robotergepflegter Schweine, nahe der Wohnhäuser. Schweine duften nun mal nicht nach Rosen.

    Ein ehrliches Zeichen für Tierwohl in der Region wäre z.B. der Umbau der 24h-Rinderdisco in Erlau zu einem Stall mit artgerechter Haltung.

    Es ist doch nicht schwer zu begreifen, was die Königshainer und jene ringsherum (noch) an ihrer Heimat mögen, oder?

  • 3
    3
    reichel
    22.01.2021

    Langsam ist es zeit, einen Artikel zu schreiben was die Königshainer mögen. So wie das klingt, nicht viel.
    Und was der BM für Druck bekommt, bei dem was er alles ablehnen soll! Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.