Köthensdorfer fordern Erhalt der Turnhalle in der Schule

Eine Bürgerinitiative hat über 150 Unterschriften für den Weiterbetrieb der Sportstätte gesammelt. Der Gemeinderat muss entscheiden. Doch die Mehrzahl der Bürger ist skeptisch.

Köthensdorf.

Etwa 60 Einwohner standen vor dem Tauraer Rathaus. Hinter verschlossenen Türen tagte am Montagabend der Gemeinderat. Thema: Schaffung von mehr Räumen am Grundschulort im Ortsteil Köthensdorf. Die Stimmung war aufgeheizt, weil ein Vorschlag war, die Turnhalle zu Klassen- und Hortzimmern umzubauen. "Ein Ort ohne Turnhalle, das geht gar nicht. Wo sollen Zuckertütenfest, Puppenspiel, Sport-AG und Vereinssport künftig stattfinden? In Taura steht eine Schule leer. Warum wird die nicht umgebaut?" Das waren einige Aussagen und Fragen.

Und Andreas Hugel sammelte Unterschriften unter dem Motto "Rettet die Turnhalle". Mehr als 150 Unterschriften stehen auf dem Papier. "Wir machen weiter, wenn der Gemeinderat sich gegen die Turnhalle entscheidet", sagte er.

Nach reichlich einer Stunde öffnete sich die Tür zum Bürgerhaus für die öffentliche Gemeinderatssitzung, denn die Plätze im Ratssaal hatten nicht ausgereicht. Bürgermeister Robert Haslinger (CDU) stellte die Vorzugsvariante vor. Demnach soll der Schulstandort Köthensdorf langfristig erhalten werden. Das sei der Grundsatzbeschluss. Kita, Hort, Schule und Feuerwehr sollen am Schulstandort ihren Sitz haben - auf lange Sicht als nachhaltige Lösung. Als erster Schritt auf dem Weg dahin wurde vorgeschlagen, die Turnhalle für 390.000 Euro zu sanieren. Der Gemeinderat stimmte dem mit einer Gegenstimme zu.

Die Stadt Burgstädt als Schulträger der Grundschule wurde beauftragt, ein Raumkonzept zu erarbeiten, um ab Schuljahr 2019/20 zusätzlich ein Klassenzimmer und einen Raum für den Hort als Mehrzweckzimmer anzubieten. Denn ab nächstem Jahr sind wieder vier Klassen in Köthensdorf beheimatet. Laut Hauptamtsleiterin Josefine Müller gibt es dieses Jahr 23 Schulanfänger, nächstes Jahr werden 22 erwartet. Damit erhöhe sich dann die Schülerzahl auf rund 85.

In der Sitzung des Gemeinderates am 24. September soll ein Vorschlag unterbreitet werden, wie zusätzliche Räume geschaffen werden. Haslinger stellte sieben Varianten vor, darunter den Umbau der Turnhalle zu einem Klassenzimmer und Mehrzweckraum für den Hort. Anschließend konnten Bürger Fragen stellen. Dabei überwog Skepsis, was die Nutzung der Turnhalle betraf. "Wer garantiert uns, dass nach der Sanierung der Turnhalle dort wieder Sport getrieben werden kann? Wer bezahlt den Transport der Schüler zum Sportunterricht von Köthensdorf nach Taura? Wo können Sportvereine trainieren, wo finden Veranstaltungen statt? Warum reichen die Zimmer nicht aus, früher gab es auch vier Klassenzimmer? Wer garantiert, dass eine neue Kita gebaut wird, wie eine Variante es vorsieht?", waren unbeantwortete Fragen.

Amtsleiterin Müller rechnete vor, warum nicht alle Räume als Klassenzimmer genutzt werden und manche Doppelnutzung - so der Speiseraum als Klassenzimmer - problematisch sei. Ziel sei es, das Ensemble Schule, Kita und Hort auf dem Gelände an der Schulstraße zu erhalten. Schulleiterin Petra Weißer sagte, dass die Anzahl der Klassenzimmer derzeit nicht ausreiche, um gesetzliche Auflagen zur Größe zu erfüllen. Eine Entscheidung sei dringend notwendig. Ihr Wunsch: Nach drei Jahren gibt es eine sanierte Turnhalle mit Außenanlagen und eine neue Kita. Ob das Realität wird, sagte Bürgermeister Haslinger nicht. Aber er sei für jeden Vorschlag dankbar, wie die Kapazität der Schule erweitert werden kann.


Kommentar: Skepsis ist angebracht

Der Vorschlag, die Turnhalle sofort zu Klassen- und Hortzimmer umzubauen, ist fürs Erste vom Tisch. Vielmehr klingt der Beschluss verlockend: Die Turnhalle soll saniert werden. Das überzeugte viele Köthensdorfer. Doch Skepsis bleibt. Angesichts von knapper Kassen wird es wohl schwer gelingen, tatsächlich einen geplanten Kita-Neubau zu stemmen. Da man nicht erst seit heute weiß, dass die Schule aus den Nähten platzt, hätte man schon viel früher ein Konzept dafür erarbeiten und Geld für den Bau ansparen können.

Jetzt wird man das Gefühl nicht los, dass die Einwohner mit dem Sanierungsbeschluss erst mal beruhigt werden sollen. Doch eine vernünftige Lösung ist noch nicht in Sicht.

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