Konfettiregen und Rollmops zum 100. Geburtstag

Gestern hat Erika Caprara im Rochsburger Seniorenheim die Vollendung eines Jahrhunderts Leben gefeiert. Sie ist damit die älteste Frau Lunzenaus.

Rochsburg.

Erika Caprara ist vier Tage vor dem Ende des Ersten Weltkrieges geboren worden, war eine junge Frau im Zweiten Weltkrieg. Sie lebte damit sowohl im Dritten Reich als auch dann in der DDR und heute im geeinten Deutschland. Gestern hat sie im Seniorenheim Rochsburg ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Geboren wurde die Jubilarin in Rübenau im Erzgebirge. Ihre Kindheit verbrachte sie in Hallbach nahe Olbernhau. Dort, so erzählt sie, sei sie auch zur Schule gegangen. "Das waren damals nur acht Jahre, und es haben immer zwei Klassen zusammen gelernt", sagt sie. Sie habe alle Fächer gemocht und sei eine gute Schülerin gewesen. Nach Abschluss der achten Klasse hieß es für das junge Mädchen, das in einfachen Verhältnissen mit vier Geschwistern auf dem Dorf aufwuchs, zu arbeiten. "Ich ging in Stellung zu einer Familie in Roßwein. Dort habe ich als Dienstmädchen gearbeitet. Das war damals so", blickt sie zurück. Etwa vier Jahre habe dieser Dienst gedauert, dann habe sie in einer Spielwarenfabrik in ihrem Heimatort Hallbach gearbeitet. "Da wurden Autos gebaut und Hänger. Alles aus Holz."

Mit Anfang 20 heiratete sie. Ihre erste Ehe ging in die Brüche. Aber die Liebe schlug noch einmal zu. Während einer Kur 1969 lernte sie Ferdinando Caprara kennen. Mittlerweile Mutter von vier Kindern, zwei Jungen und zwei Mädchen, gab sie dem Mann, dessen Eltern aus Italien stammten, das Ja-Wort. Sie habe also ihren Kurschatten geheiratet, sagt sie schmunzelnd. Mit ihm zog sie 1970 nach Elsdorf in ein Mietshaus, wo sie bis März 2017 lebte. Seit mehr als 20 Jahren ist sie Witwe und hat ihr Zuhause heute im Rochsburger Seniorenheim. Dort wurde gestern auch gefeiert. Zunächst mit den Mitbewohnern, dem Personal und ihrer Tochter Birgit Härtig. Die 58-Jährige spricht liebevoll von ihrem Muttchen. Diese habe immer gesund gelebt, sei viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. So könnte sie sich das hohe Alter ihrer Mutter erklären. Diese hingegen zuckt mit den Schultern auf die Frage, wie man es schafft, 100 zu werden. "Die Jahre sind vergangen und nun bin ich es einfach", sagt sie.

Gefragt nach Höhepunkten in ihrem Leben, fällt ihr spontan ein Kurzaufenthalt in Berlin ein. "Wir haben außerhalb gewohnt und sind mit dem Bus in die Stadt gefahren, haben dort den Fernsehturm gesehen", erinnert sie sich. Ihre Tochter meint, das müsse in den 1970er-Jahren gewesen sein, denn auch für sie sei der Ausflug und das Fahren mit der Dampflok ein Erlebnis gewesen. Große Urlaube habe es sonst nicht gegeben.

Dafür habe ihre Mutter immer gern im Garten gewirtschaftet und Gemüse, Obst und vor allem Blumen angebaut. "Sie liebt Blumen", sagt Tochter Birgit. Zudem habe ihre Mutter gern gehäkelt und gestrickt. Zum Beispiel Socken aus Schafwolle. "Bei uns hatte nie jemand kalte Füße", sagt sie. Für ihre Mutter hat sie eine Überraschung. "Weißt Du noch, was es Lustiges gab zu deinem 80. Geburtstag?" Zunächst etwas ratlos, sagt Erika Caprara beim Blick auf eine angerichtet Platte mit Fisch: "Rollmops, oh das ist gut." Lachend geht es an den Tisch, an dem ihre Mitbewohner sitzen, und es gibt als Einstimmung auf das Mittagessen für alle eine Runde Rollmops.

Am Nachmittag wird dann mit der Familie gefeiert. "Wir sind nur zehn Personen", sagt ihre Tochter. Mehr wolle man der Mutter nicht zumuten, und käme die ganze Familie, spränge das auch den räumlichen Rahmen im Heim. Denn neben drei noch lebenden Kindern hat die Seniorin zehn Enkel und zwölf Urenkel.

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