Kriebstein: Anzahl der Einwohner sinkt unter 2100

Die Gemeinde will dennoch ihre Selbstständigkeit behalten. Fraglich ist, ob eine hauptamtliche Bürgermeisterin bleibt.

Kriebstein.

In Kriebstein ist die Einwohnerzahl im vorigen Jahr weiter zurückgegangen. Wie Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) sagte, sank 2020 die Anzahl gegenüber dem Jahr zuvor von 2101 auf 2078. Trotz des Verlustes von 23 Einwohnern sieht die Ortschefin durchaus auch einen leicht positiven Trend.

"Ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Denn ohne die Schließung des DRK-Altenpflegeheimes in Kriebethal hätten wir sogar ein Plus in der Einwohnerstatistik erreicht", erklärte sie. Bislang gehörte Kriebstein laut Statistischem Landesamt, zu den Kommunen mit den höchsten Bevölkerungsverlusten in Mittelsachsen. Seit 2005 hat die Gemeinde mehr als 20 Prozent der Einwohner verloren. Dieser Abwärtstrend scheint gestoppt.

Im vorigen Jahr sind nach Angaben der Bürgermeisterin 16 Mädchen und Jungen geboren worden, deren Eltern in Kriebstein wohnen. Dem stehen zwar 29 Sterbefälle gegenüber, woraus sich ein Minus von 13 Einwohnern ergibt. Doch mit der Geburtenzahl ist annähernd der statistische Durchschnitt für Sachsen erreicht, der bei 8,5 Kindern je 1000 Einwohner liegt. Trotz der demografischen Entwicklung und einer seit Jahren steigenden Anzahl von über 65-Jährigen im Ort sieht Euchler darin zugleich den Erfolg von Wohnungssanierungen, dem Bau neuer Eigenheime und dem Vorhandensein von Grundschule, Hort und Kindertagesstätten. Bei den Geburten nahm Grünlichtenberg mit fünf Babys den ersten Platz ein, jeweils drei Kinder kamen in Kriebethal und Reichenbach hinzu.

Vor allem in Reichenbach zeichne sich ab, dass der Ortsteil sich verjünge und wachse, so Euchler. Dafür sprächen 13 Zuzüge und die Babys. In anderen Ortsteilen hofft sie auf ähnliche Trends. In Erlebach beispielsweise gebe es noch viele alte Gehöfte, der Altersdurchschnitt der Einwohner sei hoch. Das Interesse junger Leute, Gebäude zu sanieren und sesshaft zu werden, ist ihrer Ansicht nach jedoch vorhanden. "Vom Boom, eigene Häuser und eigene Grundstücke zu besitzen, können mehrere Ortsteile profitieren. Dadurch kommen junge Familien in den Ort", sagte sie.

Insgesamt sind 2020 nach Angaben der Ortschefin 97 Bürger zugezogen, 107 zogen weg. Schaue man genauer hin, falle jedoch auf, dass alle Ortsteile außer Kriebethal zugelegt hätten, sagte sie. Ein Grund, weshalb Kriebethal mehr Weg- als Zuzüge verkraften musste, war die Schließung des Pflegeheims mit 40 Plätzen. Dort waren zuletzt noch 34 Personen untergebracht.

Ein weiteres Dilemma von Kriebethal ist laut Euchler der Wandel vom ehemaligen reinen Arbeiterort zum heutigen Gemeindeteil. Durch veränderte Produktionsabläufe und höhere Effektivität sei die Anzahl der Arbeitsplätze in den beiden Papierfabriken, die den Ortsteil prägen, gesunken. Zudem pendelten viele der Beschäftigten aus anderen Orten zur Arbeit nach Kriebethal. Die Wohnungen in den überwiegend mehrstöckigen Häusern in Kriebethal seien dadurch weniger gefragt als einst. Die Einwohnerzahl hat sich binnen drei Jahrzehnten halbiert. Aktuell leben 592 Menschen in Kriebethal. 1990 waren es rund 1200.

Wie sich der hohe Altersdurchschnitt in der Coronapandemie auswirkt, ist noch nicht absehbar. "Es sind bereits Kriebsteiner an oder mit Corona gestorben", sagte Euchler. Seit März 2020 gab es 78 Infizierte.

Ob Kriebstein trotz sinkender Einwohnerzahl dennoch den Status als selbstständige Gemeinde halten und zudem weiterhin einen hauptamtlichen Bürgermeister haben will, hat im Gemeinderat bereits im vorigen Jahr für Diskussionen gesorgt. "Das wird uns weiter beschäftigen", sagte Euchler. Die nächste Wahl in Kriebstein steht 2022 an. Orte mit mehr als 2000 Einwohnern, die zu keiner Verwaltungsgemeinschaft gehören, können in Sachsen selbst festlegen, ob ihr Bürgermeister hauptamtlich tätig sein soll. Unabhängig davon, ob sie wieder antrete oder nicht, müsse der Rat die Richtung bestimmen, so Euchler.

Sie nehme an, dass die Einwohnerzahl zum Stichtag Mitte diesen Jahres über 2000 betrage. "Das ist realistisch. Trotzdem sollten wir beraten, ob wie alles lassen wie es ist", riet sie. Aktuell zählt die Verwaltung 44 Mitarbeiter, die in Rathaus, Schule, Hort und Kitas beschäftigt sind.

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