Kritik am neu eröffneten Wanderweg

Fußgänger können wieder von Burgstädt aus gefahrlos durchs Brauselochtal in Richtung Rochsburg wandern. Die Freude darüber ist allerdings bei einigen getrübt.

Burgstädt/Rochsburg.

Der Wanderweg im Brauselochtal zwischen Burgstädt und Schloss Rochsburg ist wieder passierbar. Monatelang war ein Abschnitt wegen Steinschlaggefahr und durch Hochwasser beschädigte Brücken und Stege gesperrt. Jetzt haben Wanderer die neu eröffnete Strecke getestet. Aber ein 74-jähriger Peniger ist enttäuscht. Denn die versprochene Reinigung und Ausbesserung der Brücken sei seiner Meinung nach nicht erfolgt. "Einige Bohlen sind noch kaputt", fügt er an. Auch habe er Müll im Bach gesehen. Er empfiehlt den Burgstädtern, sich den Abschnitt aus Richtung Rochsburg anzuschauen. Der sei besser gepflegt und ausgebaut, sagt er. "Freie Presse" hat diese Meinung zur Diskussion gestellt:

Der Waldbesitzer: Die Wanderwege im Brauselochtal sind nicht öffentlich gewidmet. Eigentümer des Waldes ist die Forstverwaltung des Prinzen von Schönburg-Hartenstein. Wegen Steinschlaggefahr war 2013 der Weg gesperrt worden. Das hatte das Landratsamt veranlasst. Die Forstverwaltung bewirtschaftet den Wald. Wege seien primär Wirtschaftswege, sagt Forstwirt Paul Jung. Aus Sicht der Bewirtschaftung müsse ein Waldweg nicht passierbar sein. Aber die Forstverwaltung habe mit der Stadtverwaltung nach Lösungen gesucht, um den Weg wieder begehbar zu machen, erörtert er.

Die Stadtverwaltung: Die Burgstädter Hauptamtsleiterin Andrea Schwichtenberg bestätigt die Absprache mit der Forstverwaltung. Die Brücken seien geprüft und gesäubert worden. Es bestehe keine Steinschlaggefahr mehr. Wie diese Gefahr beseitigt wurde, lässt sie unbeantwortet. Die Kritik der Wanderer kenne sie: "Bis Ende September erfolgen Restarbeiten." Gereinigte Brücken seien inzwischen wieder vermoost, an einem Steg sei ein Balken durchgebrochen. "Aber es besteht keine Gefahr mehr", fügt sie an. Nasses Laub, Pfützen oder feuchte Steine könnten je nach Witterung aber immer eine Unfallgefahr darstellen. Ein Wanderweg sei stets naturbelassen, ergänzt sie.

Die Wanderer: Wegewart und Wanderfreund Wolf Gasch bestätigt, dass die Brücken gesäubert wurden und begehbar seien. Wanderleiter Hans-Joachim Daugalis bereitet für den 10. September den 9. Burgstädter Wandertag vor. Die Strecken sollen aber von Rochsburg über Helsdorf - und damit nicht durchs Brauselochtal - verlaufen. 10, 16, 22 und 31 Kilometer lange Touren werden angeboten. Er wisse, dass der Wanderweg passierbar sei. Aber er vermisse Geländer, die einst dort gestanden hätten. Das bestätigt der 74-jährige Peniger: "Vor allem für Kinder ist es gefährlich." Wanderfreund Jens Zeidler: "Ich bin froh, dass der Weg offen ist." Erst vor zwei Wochen habe er den Abschnitt zwischen Kläranlage in Heiersdorf in Richtung Amtsmannfelsen getestet. Aber er habe bemerkt, dass einige Brücken mit Moos bewachsen und einzelne Bretter lose sind. Auch habe er ein Achtungsschild gesehen. Er vermutet, dass die Steinschlaggefahr noch nicht restlos gebannt sei.

Das Landratsamt: "Der dortige Wanderweg unterliegt keinen Standards", sagt eine Sprecherin. Es gelte das allgemeine Betretungsrecht des Waldes. Das heißt: Spaziergänger und Wanderer betreten den Weg auf eigene Gefahr. Damit bestätigt die Behörde die Aussagen der Burgstädter Stadtverwaltung.

Der Tourismusverband: Im Wettbewerb um den Gast bildet ein qualifiziertes Wegenetz die Grundlage für die touristische Attraktivität, sagt Anja Renner vom Landestourismusverband. Wenngleich der Wegebau über viele Jahre mit Fördermitteln unterstützt werden konnte, obliege schlussendlich die nachhaltige Bewirtschaftung allein den Eigentümern. "Für den anspruchsvollen Gast jedoch zählt das Gesamterlebnis", bemerkt sie. Der Tourist erwarte eine lückenlose, gut ausgebaute sowie mit Gastronomie und Attraktionen vernetzte Wege-Infrastruktur. Wer Eigentümer ist oder die Beschilderung verantwortet, sei ihm egal, erläutert sie. Ziel müsse es sein, ein attraktives Netz von Loipen, Wander-, Rad-, Mountainbike- und Reitwegen im ländlichen Raum zu schaffen, welches zugleich den Anforderungen der Gäste, aber auch den Möglichkeiten der Eigentümer gerecht wird. Dabei sind laut Renner die Belange von Forstwirtschaft und Naturschutz zu berücksichtigen.

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