Kunden: Geldautomaten sollten bleiben

Die Sparkasse Mittelsachsen macht zum Jahreswechsel 16 ihrer derzeit 43 Filialen dicht - darunter die in Wechselburg und Wiederau. Für die Laufkundschaft bedeutet das längere Wege. Händler befürchten Auswirkungen.

Wechselburg/Wiederau.

"Wir haben die Schließung der Grundschule vor zwei Jahren gespürt und werden auch die der Sparkasse spüren", ist sich Beate Weinrich, die in Wechselburg einen Blumenladen betreibt, sicher. "Die Leute holen dann in Rochlitz Geld und kaufen dort ein", befürchtet sie und, wie sie sagt, andere Händler in Wechselburg. Die Geschäfte seien zu klein, sodass sich ein Kartenzahlgerät nicht rechne. "In der Politik ist immer die Rede von der Stärkung des ländlichen Raumes. Die Schließung der Sparkasse steht im Widerspruch dazu."

Die Sparkasse macht Ende des Jahres 16 ihrer 43 Filialen dicht. Laut Vorstandschef Hans-Ferdinand Schramm werden die Objekte aus Kostengründen komplett geräumt. Als Grund nennt er die Niedrig- und Negativ-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die das Geldinstitut zum Handeln zwinge.

"Wenigstens einen Geldautomat und einen Drucker hätte man lassen können", sagt ein Wechselburger, der seine Kontoauszüge holt. Der 55-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, räumt ein, dass er Online-Banking nutze und deshalb nicht dramatisch betroffen sei durch die Schließung. "Aber wenn ich hier bin, hole ich immer Geld oder die Auszüge."

In Wiederau sehen das Sparkassen-Kunden ähnlich. "Erst gab es noch eine Filiale im Ortsteil Stein, die hat schon vor Jahren dicht gemacht. Jetzt hatten wir uns an die in Wiederau gewöhnt. Ich komme durch die Arbeit in die Stadt und kann dort Geld abheben. Aber für ältere Leute, die nicht mehr mobil sind, wird das ein heftiger Einschnitt", sagt Steffi Stein. "Wie sollen wir denn jetzt an Geld kommen?", fragt Horst Kaden. Der 84-Jährige habe mit seiner Frau regelmäßig einen Spaziergang zur Sparkasse gemacht. "Wir haben kein Auto mehr. Busse fahren ja auch nicht gerade oft. Es ist schlimm, dass wir im Dorf so abgehängt werden", sagt er. Die beiden Mitarbeiter in der Wiederauer Filiale zucken mit den Schultern auf die Frage nach ihrer Reaktion. "Wir geben keine Auskunft und wissen ja auch nicht wie es weitergeht", sagen sie lediglich.

Johannes Voigt, Bürgermeister von Königshain-Wiederau, ist sehr verärgert. Ebenso wie seine Amtskollegin, Renate Naumann aus Wechselburg (beide CDU), will er sich in Absprache mit anderen betroffenen Kommunen wehren. "In einem Brief an die Verantwortlichen werden wir drängen, die Entscheidung noch einmal zu überdenken oder bei Schließung der Filiale wenigstens einen Geldautomat im Ort zu lassen", sagt Renate Naumann. Man könne von einem kommunal getragenen Finanzinstitut erwarten, dass es in den Kommunen wirkt, fügt Voigt hinzu. Die Schließung habe Auswirkungen auf die Händler, die es ohnehin schon schwer hätten in kleinen Orten. Beide Ortschefs sorgen sich auch um die Senioren. "Es geht ja nicht nur um das Abheben von Geld. Wie sollen die Älteren, die mit Computer und Internet-Banking nicht klar kommen, ihre Geldgeschäfte abwickeln?", fragt Naumann. Zudem kämen viele Touristen nach Wechselburg. Auch denen werde ein Geldautomat fehlen.


Ab 2019 geschlossen

In folgenden Orten machen zum Jahresende 16 Sparkassen-Filialen dicht: Wechselburg, Wiederau, Erlau, Mittweida (Servicecenter), Markersdorf, Marbach, Falkenau, Erdmannsdorf, Großhartmannsdorf, Siebenlehn, Reinsberg, Niederschöna, Oberschöna, Lichtenberg, Rechenberg-Bienenmühle und Sayda.

Zum Sparprogramm der Sparkasse Mittelsachsen gehört auch Personalabbau. Etwa 100 Stellen sollen wegfallen - vor allem im Stab und bei internen Diensten. Gegenwärtig hat die Sparkasse nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden Hans-Ferdinand Schramm 495 Mitarbeiter sowie 17 Auszubildende und Studenten der Berufsakademie. Weitere 33 Mitarbeiter seien bei Tochterunternehmen beschäftigt. (jan)

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