Landwirte schreiben Naturschutz groß

Intensiv Landwirtschaft betreiben und dabei die Artenvielfalt erhalten. Zwei Unternehmen aus dem Landkreis wollen sich dieser Aufgabe auf besondere Weise stellen.

Erlau/Niederbobritzsch.

Erfolgsdruck bei der Fleisch- und Pflanzenproduktion einerseits - Insekten, Pflanzen, Kleintiere und die Umwelt erhalten andererseits. In zwei mittelsächsischen Landwirtschaftsbetrieben soll das künftig besser miteinander verbunden werden. 40 Naturschutzprojekte will die Agraset Agrargenossenschaft Naundorf bei Rochlitz in den nächsten 10 bis 15 Jahren umsetzen. 29 sind es beim Familienunternehmen Bobritzschtalgalloways Haupt in Niederbobritzsch. Für beide Unternehmen wurde ein Naturschutz-Leitfaden erstellt. Erarbeitet hat den der für den gesamten Landkreis Mittelsachsen zuständige Landschaftspflegeverband Mulde/Flöha. Verbandsgeschäftsführer Jörg Semmig hat den Plan an Agraset-Vorstandschef Jan Gumpert überreicht. Der Niederbobritzscher Rinderzuchtbetrieb soll diese Arbeitsanleitung in drei Wochen erhalten. "Freie Presse" fasst die zentralen Punkte des Planes zusammen.

Hecken an den Feldrändern: Einige dieser Schutzstellen für Wildtiere gibt es bei Agraset bereits. Viele sind aber alt und zugewuchert und sollen deshalb erneuert werden. "Hecken sind wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und viele weitere Tierarten", sagt Jutta Schneller, Naturschutzberaterin im Landschaftspflegeverband. Durch die Heckenpflege entstehe Schnittgut, das zu Haufen aufgetürmt werden und ebenfalls Tieren einen Lebensraum bieten soll.


Streuobstwiese angelegt: An der Erlauer Milchviehanlage soll eine Streuobstwiese entstehen. "Ziel ist, heimische Obstsorten zu erhalten und Insekten einen Lebensraum zu bieten", so Nicole Beyer, die bei Agraset für das Pacht- und Flächenmanagement zuständig ist.

Steinhaufen als Rückzugsorte: Durch das Aufschichten von gesammelten Steinen entstehen Rückzugsmöglichkeiten für Reptilien und Insekten. Bestehende Steinhaufen, die zugewachsen sind, sollen wieder freigeschnitten werden.

Blühstreifen an Feldern: Agraset legt sie bereits seit Jahren an. Es sollen jedoch noch mehr werden. "Sie tragen dazu bei, das Nahrungsangebot für Bienen und zahlreiche weitere Insekten während der Sommermonate zu gewährleisten", erklärt Verbandsgeschäftsführer Jörg Semmig. Viele Blumen- und andere Pflanzenarten wachsen in diesen Streifen durcheinander.

Boden zeitweise unbepflanzt: "Dadurch entstehen wertvolle Lebensräume für verschiedene Vogelarten, aber auch für Feldhasen und Kleinsäuger", so Jutta Schneller. Agraset mache das seit Jahren. Bei der Ackerbewirtschaftung wird somit in einigen Bereichen zeitweise nichts gesät, Feldlerchen finden dadurch einen Lebensraum.

Informationstafeln für Passanten: Agraset hat vom Verband Info-Tafeln bekommen. Einige sollen an Feldrändern aufgestellt werden und Spaziergänger auf Naturschutzprojekte hinweisen. Weitere Tafeln gibt es auch für angelegte Grünbereiche in Bauernhöfen.

Mit der Natur im Einklang: Agraset-Chef Jan Gumpert ist davon überzeugt, dass Naturschutz keinesfalls Produktionsverringerung bedeutet - im Gegenteil. "Naturschutz und Produktion müssen in Einklang sein. Wir werden Flächen, die geeignet sind, dafür nutzen", sagt er. Agraset bewirtschaftet in traditioneller Kreislaufwirtschaft 5200 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Zum Bestand gehören auch 926 Milchkühe mit deren Nachzucht und rund 16.200 aufgezogene Mastschweine pro Jahr. Etwa 230 Mutterkühe weiden auf 300 Hektar ökologischem Grünland.


Ziel des Aktionsbündnisses: Lebensräume erhalten

40 Landwirtschaftsbetriebe aus ganz Sachsen haben an dem Projekt "Betriebsplan Natur" teilgenommen.

Das Vorhaben wird mit Geld aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes gefördert.

Der Landschaftspflegeverband Mulde/Flöha gehört zum Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und ist für den Landkreis Mittelsachsen zuständig. Im DVL haben sich Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der

Politik zusammengeschlossen.

Ziel aller Akteure ist, Naturvielfalt zu schaffen und in der Landwirtschaft neben der Wertschöpfung vor allem auch die Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten. (ule)

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