Lehrer bemängeln Zustände an ihrer Schule

Alte Stühle, keine Seife, ein kaputter Kopierer und nur vereinzelt warmes Wasser - zwei Pädagoginnen nutzten die Peniger Stadtratssitzung, um ihrem Ärger Luft zu machen. Doch die Stadt kontert.

Penig.

Hinter der neugestalteten Fassade der Peniger Friedrich-Eduard-Bilz-Oberschule brodelt es. Veraltete und fehlende Technik, jahrzehntealte Stühle, kaltes Wasser, mangelnde Sanitärausstattung - den Lehrerinnen Jenny Hermann und Heike Hillig ist der Geduldsfaden gerissen. Vor den Stadträten machten sie am Donnerstagabend auf Missstände an ihrer Schule aufmerksam.

"Wir kämpfen seit Jahren um ein Telefon fürs Lehrerzimmer", sagte Heike Hillig. Auch im Beratungslehrerzimmer gebe es keines. Oft seien sensible Dinge zu klären. Um den Datenschutz zu wahren, würden die Lehrer deshalb ihre Privathandys nutzen. "Wir wollen zum Schuljahresbeginn dort ein Telefon haben", forderte Heike Hillig. Jenny Hermann zählte weitere Unzulänglichkeiten auf. Nur in drei Fachkabinetten und im Lehrerzimmer gebe es warmes Wasser. Die Kinder müssten sich kalt waschen. Nach dem Toilettengang sei das nicht zumutbar. In den Klassenzimmern fehlten Seifenspender und Papierhandtücher. Im Lehrerzimmer gebe es nur einen Schwarzweiß-Kopierer, der oft kaputt sei.


Jenny Hermann sprach die Stadträte direkt an. Denn im Ratssaal könnten sie auf modernen Stühlen sitzen. "Unsere sind teilweise 20 bis 25 Jahre alt. Sie sind fleckig und dreckig", so Heike Hillig. Zudem werde das Mobiliar nicht gereinigt.

"Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass unsere Schule dreckig ist", sagte dazu Schulleiter Jörg Thurow am Freitag der "Freien Presse". Es werde regelmäßig gereinigt, doch nicht in dem Umfang, wie es notwendig wäre. Seiner Meinung nach liege das an schlecht verhandelten Verträgen. Zur Ausstattung könne er das bestätigen, was die beiden Lehrerinnen gesagt haben. Denn der Schulleiter sieht vieles genauso.

Als er vor drei Jahren an der Bilz-Schule angefangen habe, sei ihm manches negativ aufgefallen, das er auch der Stadtverwaltung gemeldet habe. Behoben worden sei aber nur ein Teil der Mängelliste. Beispiele: Nur die Hälfte der Klassenzimmer verfüge über Seifenspender und Papierhandtücher. Er selbst habe ein ungeeignetes Telefon mit Schnur. "Wenn ich es mal in einem anderen Zimmer nutzen muss, damit ich erreichbar bin, dann geht das nicht." Das drängendste Problem aber, das gelöst werden müsse, sei die Umsetzung des sogenannten Digitalpakts und die Neuausstattung der Schule mit schnellem Internet und Computertechnik. "Bevor wir mit Firmen verhandeln können, müssen wir von der Stadt doch erst einmal wissen, was überhaupt technisch möglich ist." Er habe schon mehrere Schulen geleitet, sagt Thurow, und Erfahrungen sammeln können. Die Zusammenarbeit mit der Peniger Stadtverwaltung sei aus seiner Sicht "entwicklungsfähig".

Finanz- und Bauverwaltungschefin Manuela Tschök-Engelhardt und Ordnungsamtsleiter Gert Benndorf sehen keinen Grund für einen derartigen Auftritt im Stadtrat. Denn die Verwaltung stehe in ständigem Kontakt mit der Schulleitung, erklären beide in einem gemeinsamen Statement. Die Erweiterung der Telefonanlage werde bereits geprüft. "Wir versuchen, bis zum Schuljahresstart Abhilfe zu schaffen. Die Klassenzimmer werden in den Sommerferien mit Spendern für Papierhandtücher ausgerüstet", heißt es weiter. Zur Beschaffung eines neuen Kopierers seien bereits Angebote eingeholt worden. "Derzeit läuft noch die Abstimmung mit der Schulleitung, ob tatsächlich ein Farbkopierer benötigt wird." Das alles sei der Schulleitung vor der Stadtratssitzung bekannt gewesen.

Die Qualität der Reinigung der Schule werde durch den Hausmeister überwacht. Er stehe in ständigem Kontakt mit der Schulleitung zur Beseitigung von Mängeln aller Art. "Über gravierende hygienische Mängel ist uns bisher nichts bekannt geworden", heißt es aus der Stadtverwaltung. Auch habe man nicht gewusst, dass die Stühle im Lehrerzimmer stark verschmutzt sind. "Wir prüfen, ob sich für diese eine Reinigung lohnt oder eine Ersatzbeschaffung notwendig ist."

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5Kommentare
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  • 3
    0
    Steuerzahler
    10.06.2019

    Die Arroganz der Macht reicht bis in die kleinste Behörde. Man muss den Hut ziehen vor den Lehrerinnen, die unter solchen Umständen den Mund aufgemacht haben. Wo aber bleiben die Eltern, wenn sie sich diese Umstände an der Schule ihrer Kinder gefallen lassen. Wäre es nicht an der Zeit, gemeinsam der Verwaltung einen klaren, auch eindringlichen Hinweis zu geben?

  • 9
    1
    Tauchsieder
    08.06.2019

    Es werde geprüft ..., man ist im Kontakt ..., es muss noch abgestimmt werden ... . Die Verwaltung ist nicht für den Bürger da, die beschäftigt sich mit sich selbst.
    Dieses Phänomen ist bundesweit ein Problem. Diese kleinen "Provinzfürsten" entscheiden über Gedeih und Verderb des kommunalen Zusammenlebens und fühlen sich bei gerechtfertigter Kritik noch auf den Schlips getreten.

  • 9
    0
    remarcel
    08.06.2019

    Seit 20 Jahren keine neue Bestuhlung trotz "ständigem Kontakt" zur Stadtverwaltung. Vielleicht sollte man als Stadt seine öffentlichen Einrichtungen alle paar Dekaden besichtigen, um sich selbst ein Bild zu machen.

  • 9
    1
    jhfp18
    08.06.2019

    Wahnsinn, welche Arroganz von den öffentlichen Verwaltungen an den Tag gelegt wird. Der Kontakt zu den Menschen, die noch Steuern erarbeiten (mit welchen auch die steigenden Personalkosten in den Verwaltungen bedient werden) geht langsam komplett verloren. Soll wirklich keiner mehr den Mund aufmachen, wenns um unserer Kinder und damit unserer Zukunft geht ?

  • 15
    0
    HHCL
    08.06.2019

    Tja, die Verwaltung tut hier wieder so, als sei alles in Ordnung. Dabei scheint nichts in Ordnung. Es wird nur geprüft, überlegt und Angebote werden eingeholt. Wem nützt das im Alltag? Es kann doch nicht sein, dass eine Grundausstattung hier auch noch als großes Zugeständnis kommuniziert wird.

    Wieder einmal die Herablassung der Behörde, wenn die kleine Lehrkraft sich dann doch mal traut etwas zu sagen. Die Reaktion ist nicht etwa, dass man gemeinsame Arbeit anstrebt, sondern sich diese Aufdeckung der Missstände verbittet.

    Dazu noch der Lehrermangel. Ich nehme an, dass Rochlitz auch zu den Regionen gehört, die ohnehin nicht viele Lehrer anziehen. Wenn man dann noch auf solche Arbeitsbedingungen trifft und eine Verwaltung, die sich eher darum müht gut auszusehen als Probleme zu beseitigen, wird es wohl in Zukunft schwierig werden.

    Lehrer, die vertrauliche Gespräche mit Privathandys führen müssen, weil man es nicht schafft Telefone anzuschließen? Liegt Rochlitz in der DDR? Dürfen sensible Gespräche überhaupt auf privaten Handys geführt werden (gespeicherte vertrauliche Telefonnummern auf privaten Geräten!)?



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