Letzte Ruhe unter Zweigen

Neben der klassischen Beerdigung mit Sarg und Urne wird jetzt in Geringswalde eine weitere Bestattungsform angeboten. Damit reagiert die Kirchgemeinde auch auf die Wünsche von Hinterbliebenen.

Geringswalde.

Seit Kurzem ist auf dem Geringswalder Friedhof an der Waldstraße eine sogenannte Baumbestattung möglich. Dafür hat Friedhofsverwalter Manfred Irmscher mit seinen Mitarbeitern ein etwa zehn Quadratmeter großes und mit Mosaikpflaster eingefasstes Areal im Westteil des Geländes unter einer Japanischen Zierkirsche eingerichtet. "Den vorderen Teil haben wir mit Rindenmulch ausgelegt, um Wildwuchs fernzuhalten", erläutert Irmscher. Dieser Raum sei etwa dafür gedacht, Blumen an den Namenstafeln ablegen zu können. Im hinteren Teil seien Bodendecker wie Efeu geplant, oder auch Waldsteinia ternata, die der Gärtner als Golderdbeere kennt, und deren zarte gelbe Blüten dichte Teppiche unter Bäumen oder Büschen bilden. Der gesamte Bereich ist ausgelegt für sieben Urnen. Ein Platz ist bereits vergeben.

"Wir bieten neben Wahl- und Reihengräbern für Sarg oder Urne damit eine weitere Bestattungsform an", bemerkt der Geringswalder Pfarrer Klaus Tietze. Bei entsprechender Nachfrage seien Baumbestattungen künftig auch auf weiteren Friedhöfen der Kirchgemeinde Waldheim-Geringswalde möglich. "Damit kommen wir den Wünschen von Angehörigen Verstorbener nach, die nach einer Alternative suchen. Wir bieten sie an, damit Hinterbliebene, die eine solche Bestattungsform bevorzugen, hier in ihrer Heimat einen Ort zum Trauern haben, den sie uneingeschränkt aufsuchen können."

Auch Gestalter von Gedenksteinen befassen sich mit dem Thema. Annett Thalheim aus Seelitz verfolgt den Grundsatz, mit der Zeit zu gehen, nicht stehen zu bleiben, sich Neuem zu öffnen - auch bezüglich der Kultur auf Friedhöfen. Ihr Betrieb existiert seit 125 Jahren. Entwurf und Ausführung von Grabmalen bildeten den Haupterwerbszweig, sagt die Steinmetzmeisterin und Steinbildhauerin. Einen wichtigen Bereich in ihrer Arbeit sieht sie im Gespräch mit Angehörigen. So möchte sie herausfinden, was den verstobenen Menschen ausgemacht hat und wie man diese, seine Züge, bei der Gestaltung des Grabsteins herausarbeiten kann.

In dem, was jetzt auf dem Geringswalder Friedhof angeboten wird, sieht Thalheim, wie sie sagt, eine Chance. "Denn für die Hinterbliebenen bleibt auch bei der Bestattung unter Bäumen der geschützte Raum eines Friedhofes." Die Steinmetzmeisterin, die seit rund 20 Jahren in der Vereinigung "Gestaltungskreis Ost" mitarbeitet, verfolgt die Tendenzen in der Bestattungskultur genau. So sehe sie auch den Trend der Urnenbeisetzung in Bestattungswäldern. Im Chursdorfer Forst plant zum Beispiel Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein genauso ein solches Projekt. Und in Waldenburg war im vorigen Jahr ein sogenannter Friedwald eröffnet worden. In biologisch abbaubaren Urnen finden Verstorbene hier ihre letzte Ruhe mitten im Wald.

"Aber ob Angehörige, zum Beispiel wenn sie aufgrund ihres Alters oder der Gesundheit auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, in einem Wald bis an die Trauerstätte gelangen, finde ich fraglich", meint Annett Thalheim. Auch Grabschmuck sei in einem solchen Bestattungswald nicht erlaubt, merkt sie an. Letztlich jedoch müsse jeder, der einen lieben Menschen verloren hat, selbst entscheiden, wie er trauert.


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