Lichtblick nach Familientragödie

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Unfalltod eines Mannes aus Weißbach hat seine Enkelin einen Sohn zur Welt gebracht. Für sie war es mehr als ein Zufall. Das Kind bekam deshalb den Vornamen seines Urgroßvaters.

Geithain/Königsfeld.

Theo, die Kurzform des männlichen Vornamens Theodor, ist seit vielen Generationen beliebt und wird häufig verwendet. Der ursprünglich aus der altgriechischen Sprache stammende Name bedeutet übersetzt "Geschenk Gottes". Als Sandra Böhms zweites Kind am 18. November zur Welt kam, erschienen der jungen Mutter das Datum und das Geschlecht des Kindes wie ein kleines Wunder. "Er ist uns vom Himmel geschickt worden", sagt die 29-Jährige.

Der Zufall habe es gewollt, dass sie an dem Tag, an dem im Jahr zuvor ihr geliebter Großvater tödlich verunglückt war, das Kind bekommen habe. Sie habe weder den Geburtstermin bestimmt, noch sich zuvor das Geschlecht des Kindes sagen lassen, erzählt Böhm. Ihr Sohn wollte an diesem Tag auf die Welt kommen. Sie hat ihn deshalb Kurt Theo genannt. Den Vornamen Theo erhielt er nach seinem Uropa.


"Durch das Kind wird der Trauertag zu einem Freudentag", sagt Sandra Böhm. Sie will dem Kind keine Erwartungen aufbürden, es muss seinem Urgroßvater nicht ähnlich werden. Der jüngste Spross der Familie werde jedoch helfen, die schrecklichen Schicksalsschläge zu verkraften, die sie und ihre Angehörigen seit dem 18. November 2016 belasten, so Böhm.

An diesem Tag seien ihre Großeltern aus Weißbach mit dem Auto losgefahren, um für das Weihnachtsfest mit der ganzen Familie eine Gans zu holen, erinnert sie sich. Als der 75-Jährige sein Fahrzeug auf der Straße abbremste, um abzubiegen, habe das ein anderer Kraftfahrer zu spät bemerkt und sei mit dem Laster in den Pkw gekracht. Der Opa sei sofort tot gewesen. Die Oma habe schwer verletzt zwar überlebt, sei seither aber ein Pflegefall mit schwersten Beeinträchtigungen, schildert Böhm. Für die große Familie, die bis zu diesem Tag ihren zentralen Punkt im Haus des Rentnerehepaares im Königsfelder Ortsteil Weißbach hatte, sei das ein Schock gewesen. "Die Großeltern waren stolz auf ihre drei Kinder, die sechs Enkel und die erste Urenkelin, meine jetzt zweijährige Tochter Elly Sofia. Sie haben sich über unsere Besuche immer gefreut", sagt Sandra Böhm.

Sie selbst habe seit der Kindheit eine besonders innige Beziehung zu ihrem Großvater gehabt. "Meine Mutter war seine einzige Tochter und ich die einzige Enkelin." Ihr gefiel es, ein bisschen die Prinzessin zu sein. Der Opa sei zudem fürsorglich gewesen, erzählt sie. Seinen fünf Enkeln brachte er vor allem handwerkliche und praktische Dinge bei, mit ihr kochte er.

Mit dem Großvater konnte sie auch über alles reden. Als Teenager habe sie es allerdings manchmal etwas anstrengend gefunden, dass er immer wissen wollte, wo sie hingeht und mit wem sie sich trifft. Doch er habe ihr keine Vorschriften gemacht. Er sei nur wissbegierig gewesen und habe zudem viele Familien im Ort und aus der Umgebung gekannt.

Was seit jenem verhängnisvollen 18. November geschehen ist, wäre für ihn ebenso spannend gewesen. Für Sandra Böhm, ihren Lebensgefährten und Tochter Elly Sofia war es eine aufregende Zeit. "Wir haben ein Haus für uns gesucht, in dem auch Platz für Geschäftsräume ist. Im Geithainer Ortsteil Ossa haben wir genau das Richtige gefunden", berichtet Böhm. Vor etwa vier Wochen ist die Familie umgezogen. "Das Haus und das Grundstück sind eine Lebensaufgabe", sagt die junge Frau.

Mit Sohn Kurt Theo will Sandra Böhm die kommenden Monate zu Hause bleiben. Im August soll Tochter Elly Sophia von der Tagesstätte in Weißbach in den Kindergarten nach Ossa wechseln. Sandra Böhm will die Elternzeit zugleich nutzen, um im ehemaligen Scheunengebäude auf dem Grundstück am Ortsrand von Ossa ein Geschäft für Wellnesskosmetik einzurichten.

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