Linke-Chefin will im ländlichen Raum punkten

Susanne Schaper übt sich bei einer Diskussionsrunde in Altgeringswalde in Demut und spart auch nicht mit Kritik an ihrer Partei. Um künftig wieder bessere Wahlergebnisse einzuheimsen, will sie den Bürger dort abholen, wo er ist.

Altgeringswalde.

Die Partei müsse zurück zur Alltagssprache und den Wähler da abholen, wo er wirklich steht, betonte die Landeschefin der Linken, Susanne Schaper, bei einer Gesprächsrunde des Ortsverbandes Rochlitz/Geringswalde am Mittwochabend. Mit rund 25 Mitgliedern und Interessierten sprach die Chemnitzerin über die aktuelle Situation der Partei nach dem fatalen Ergebnis der Landtagswahlen im September des vergangenen Jahres.

Der Stimmenverlust von über 8 Prozent im September 2019 auf 10,4 sei ein herber Verlust, vor allem in den Kommunalparlamenten gewesen, so Schaper. "Dort lag eigentlich unsere Stärke, nun haben wir fast 50 Prozent der Ämter in Stadt- und Gemeinderäten verloren", sagte die Chemnitzerin.

Die Probleme die zu den Verlusten geführt haben seien vielfältig, aber hausgemacht. So müsse man sich innerhalb der Partei über verschiedene Grundpositionen einig werden, beispielsweise über das bedingungslose Grundeinkommen. Der Rückgang der Kernwählerschaft sei ebenso ein Grund wie die schlechte Parteibindung unter den jüngeren Wählern.

Man müsse sich der Themen annehmen, die die Wähler im ländlichen Raum beschäftigen. "Niemanden in Geringswalde interessiert doch der Mietdeckel", so Schaper. "Das ist vielleicht in Leipzig wichtig, aber auch in Chemnitz nicht wirklich ein Thema." Politik habe sich unglaubwürdig gemacht, indem sie aufgehört habe, wirklich Lösungen zu suchen. "Durch dieses belanglose Herumschwadronieren holen wir niemanden ab, wir müssen weg von einem Soziologen-Deutsch." Wichtig sei zudem eine gute Streitkultur, die sich nicht damit beschäftige, wer was sagt, sondern was gesagt wird. Dem simmten die Anwesenden mit Beifall zu.

Auf die Frage des Kreistagsmitglieds David Rausch, wie Schaper ihre Chancen als Kandidatin bei diesjährigen Chemnitzer Oberbürgermeisterwahl sehe, erklärte Schaper, sie wäre nicht angetreten, wenn sie nicht gewinnen könnte, "aber das wäre schon eine Sensation".

Der Vorsitzende der Ortsgruppe Rochlitz/Geringswalde, Robert Sobolewski, sieht den Besuch der Landeschefin als wichtiges Zeichen für die Menschen, die in einer ländlich geprägten Region leben. "Dass sie sich die Zeit nimmt zu kommen, trotz ihres randvollen Terminkalenders und der Ämter, die sie inne hat, freut uns", so Sobolewski. Er wolle auch künftig Politprominenz hierher einladen, damit diese mit einfachen Mitgliedern und Menschen aus der Region debattieren können. "Die Stimmung zwischen den Volksvertretern und den Leuten vor Ort ist gekippt. Es ist wenig Vertrauen auf beiden Seiten", erklärt der Ortschef. Es sei seitens der Politik über einen langen Zeitraum verschlafen worden, den Bürger direkt anzusprechen. "Aber wir werden auf die Leute, die etwas verändern wollen, zugehen und sie motivieren."


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.