Lunzenau investiert dieses Jahr in seine Schulen

Stadtchef wünscht sich weniger Bürokratie - Zunehmende Umweltauflagen bereiten ihm Kopfzerbrechen

Lunzenau.

In der Muldestadt soll 2020 in den Straßenbau investiert und noch Maßnahmen von 2019 umgesetzt werden. Doch nicht alles läuft glatt. Wo Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU) der Schuh drückt, erklärte er im Gespräch mit Babette Philipp.

Freie Presse: In welche Bauprojekte investiert Ihre Stadt 2020 am meisten?

Ronny Hofmann: Dieses Jahr wird mit der Errichtung des Anbaus an die Evangelische Oberschule begonnen. Die Stadt unterstützt das reichlich 1 Million Euro teure Projekt mit 180.000 Euro. 175.000 Euro fließen in die weitere Sanierung der Grundschule einschließlich Turnhallen. Außerdem entsteht am Sonnenhang weiterer Platz für Häuslebauer: 350.000 Euro sind für die Erschließung des nunmehr dritten Bauabschnitts des Wohnungsbaugebietes vorgesehen. In Rochsburg soll die Bergstraße weiter saniert, in Berthelsdorf der ehemalige Kindergarten abgerissen und für den Bauhof ein neues Fahrzeug mit Winterdienstfunktion angeschafft werden. Auch der Neubau eines Multifunktionsgebäudes auf dem Sportplatz zu Kosten von rund 1 Million Euro wird durch die Stadt finanziell stark unterstützt (250.000 Euro). Viele der geplanten Projekte können jedoch nur mit Hilfe von Fördermitteln umgesetzt werden.

Was ist 2019 liegen geblieben?

Der erste Abschnitt der Untergasse im Ortsteil Berthelsdorf sollte für rund 380.000 Euro ausgebaut werden. Da die Fördermittel erst sehr spät bewilligt wurden, steht der Bau nun dieses Jahr an und wird im April beginnen. Für den Ersatzneubau der Brücke über den Mühlgraben neben Küblers Brücke haben wir 2019 keine Fördermittel erhalten. Dieser Neubau muss aber unbedingt in nächster Zeit erfolgen. Hier erwarte ich dringend eine Aussage zur Förderung durch das Wirtschaftsministerium, denn ohne einen Zuschuss können wir dieses 395.000 Euro teure Vorhaben nicht realisieren.

Was ist die größte Herausforderung für den Ort?

Das ist und bleibt der demografische Wandel und die sich daraus ergebenden notwendigen Veränderungen. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt werden immer älter und leider auch immer weniger. Hier müssen wir auf die Veränderungen reagieren und unsere Infrastruktur anpassen. Um beweglich und flexibel zu bleiben, wäre ein Haltepunkt am ehemaligen Bahnhof Cossen eine Möglichkeit zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Gespräche dazu laufen.

Was wünschen Sie sich vom Landratsamt und vom Freistaat für Ihre Arbeit?

Mit dem Landratsamt arbeite ich seit Jahren gut und zielorientiert zusammen. In Teilbereichen - zum Beispiel Natur- und Umweltbelange sowie Denkmalschutz - wünsche ich mir etwas mehr Gestaltungsspielraum und vom Freistaat eine größere finanzielle Unterstützung und weniger Bürokratie. Das betrifft vor allem auch den Straßenbau.

Was ist von der Offensive des Freistaates zur Stärkung des ländlichen Raumes in Lunzenau zu spüren?

Dadurch habe ich die Hoffnung, dass wieder verstärkt an die Menschen in diesen Gebieten gedacht wird und nicht nur die Metropolen im Vordergrund stehen. Erste Erfolge sehe ich hier durchaus, wenngleich die Staatsregierung in Dresden noch einiges in Bewegung setzen muss, um den ländlichen Raum tatsächlich zu stärken. Mit der für drei Jahre festgeschriebenen Pauschale von jeweils 70.000 Euro können wir die Finanzierung für den Anbau an die Evangelische Oberschule unterstützen. Dieses Geld wird sehr sinnvoll für die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen verwendet. Zudem rückt der ländliche Raum durch diese Offensive wieder mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung, wird besser wahrgenommen.

Welche kulturellen Höhepunkte stehen dieses Jahr an?

In Lunzenau und den Ortsteilen gibt es einige Veranstaltungen, die seit vielen Jahren durch die verschiedenen Vereine und Institutionen vorbereitet und durchgeführt werden. Da wären zum Beispiel der Tanz in den Mai, die Dorf- und Feuerwehrfeste, das Schützenfest und Schokoladenfestival auf der Rochsburg. Das alles findet auch 2020 statt. Außerdem wird Lunzenau in diesem Jahr den Tag der Gesundheit durchführen.

Worauf freuen Sie sich als Privatmann 2020 besonders?

Auf einige kulturelle und sportliche Veranstaltungen im Ort und der Region, zum Beispiel das Dorf- und Feuerwehrfest in Berthelsdorf und das 70-jährige Bestehen des SV Fortschritt Lunzenau sowie besonders natürlich auf viele schöne Stunden mit meinen beiden Enkelkindern und der Familie und auf unseren Urlaub in Kroatien.

Was bereitet Ihnen für Ihre Arbeit und Ihren Ort Kopfzerbrechen?

Die langen Genehmigungsverfahren und die zunehmenden Umweltauflagen beschäftigen mich immer häufiger. Im ländlichen Raum mit vielen Schutzgebieten wie bei uns wird es immer schwerer, den Bürgern das zu vermitteln. Bleiben die Auflagen weiter so streng, gehen Gestaltungsmöglichkeiten zur weiteren Entwicklung von Lunzenau und den Ortsteilen verloren. bp


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