"Matthias Brade war ein Glücksfall"

Der bekannte Barde aus Großschirma hat bei den Menschen nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Am Dienstag findet die Trauerfeier statt.

Rochlitz.

Abschied nehmen: Die Trauerfeier für den bekannten Musiker, Erzähler und Schauspieler Matthias Brade findet am Dienstag statt. Der Barde aus Großschirma bei Freiberg verstarb im Alter von 68 Jahren. Die Trauerfeier beginnt 11 Uhr auf dem Zentralfriedhof in Freiberg.

Viele Menschen haben ganz besondere Erinnerungen an Brade. Zu seinen Wegbegleitern gehört Reinhard Kühn, der 42 Jahre lang in der Stadthalle Chemnitz Konzerte und Veranstaltungen mitorganisiert hat und jetzt im Ruhestand ist. Er erinnert sich, dass die Zusammenarbeit mit Brade begann, als in der langjährigen Kinderveranstaltung ,Neuer Spaß im Zirkus Hopp' Clown-Hotte-Darsteller Horst Krause wegen Krankheit nicht spielfähig war. "Matthias übernahm diesen Part mit Freude und Erfolg", so Kühn. Die stadthalleneigene Großproduktion "Ostermarkt" habe Brade als Clown ungemein bereichert. "Seine Musikalität, auch die gekonnte freie Moderation ergaben für uns beide die wunderbare Aufgabe, eine neue Veranstaltung speziell für Senioren im Großen Foyer zu konzipieren", so Kühn. Der Musiker Peter Franz, bekannt durch "Herzklopfen kostenlos", mit seinem Simon-Franz-Quintett sei einbezogen worden. Die monatlichen inhaltlichen Themen und Hintergründe erarbeitete Kühn, die Musik kam von Franz und die Moderation von Brade. "Eine wunderbare Zusammenarbeit von 18 Jahren entstand. Unser Stolz war, allmonatlich über 250Senioren bei Kaffee und Kuchen musikalisch, inhaltsreich und doch amüsant zu unterhalten", so Kühn. Der Titel der Veranstaltung war "Guten Tag, Mutter Schulze ..." Insgesamt 50.000 Senioren hätten die stets ausverkauften Veranstaltungen besucht und "ihren" Matthias Brade geliebt. Seine beeindruckendsten Gäste waren Heinz Florian Oertel, Heinz Quermann oder auch Manfred Uhlig, Marianne Martin und Eberhard Hertel. Nach 2006 habe Brade eine neue erfolgreiche Veranstaltungsreihe entwickelt - "Brades Musikcafé".

Brade moderierte auch das Chorwerk von Mikis Theodorakis "Canto general", eine Produktion der Stadthalle mit der Singakademie Chemnitz, Solisten und dem Kinderchor des Chemnitzer Goethegymnasiums. In Kinderweihnachtsstücken, die Kühn über 25Jahre hinweg schrieb, übernahm Brade die Rollen. "Er spielte mit größter Hingabe und war ein kreativer Partner", sagt der Wegbegleiter. So spielte Brade den Benno in "Benni und Benno, die Bäckerburschen" sowie die Hauptrolle in "Die Geschichte vom Spielmann Mathis". Kühn resümiert: "Eine ebenfalls sehr enge Verbindung hatten wir beide, auch gleichen Jahrganges, zu den Schlössern unserer Gegend. Für das Schloss Augustusburg entwickelte ich mit Matthias Spielszenen für diverse Feste, in diesen trat er als Kurfürst August I. (Vater August) imposant in Szene."

Auch der Mittweidaer Karl-Heinz Nebel trauert um einen Freund und Kollegen. "Es ist nicht möglich, dass ich an Matthias Brade denke, ohne dass es schmerzt", sagt er. Er habe den Künstler kennengelernt, als 1998 im Wasserkraftwerk an der Zschopau das 75-jährige Bestehen gefeiert wurde. Der Verein Mittelsächsischer Kultursommer, die Stadt Mittweida und die Hochschule ließen dafür zwei Persönlichkeiten aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auferstehen: den damaligen Direktor des Technikums und Stadtrat Professor Alfred Udo Holzt und den damaligen Mittweidaer Oberbürgermeister Hektor Freyer. Nebel: "Die Rolle des Bürgermeisters wurde mir zugedacht, als Professor Holzt sollte mir Matthias Brade zur Seite stehen. Wir kannten uns bis dahin noch nicht. Unsere erste Begegnung war ein Pressetermin am Pfarrberg in Mittweida, zu dem die auferstandenen Persönlichkeiten vor der Kamera posieren sollten. Wir beide ahnten es damals noch nicht, dass das der Beginn einer lebenslangen Freundschaft sein sollte, die uns nicht nur auf der Bühne, sondern ebenso im Privaten verband. Mehrere Male spielten wir in Mittweida das Duo Holzt-Freyer, zudem standen wir beispielsweise auf der Augustusburg beim Jägerfest gemeinsam auf der Bühne." Er habe oft und lange mit Brade telefoniert und über die Dinge gesprochen, "die uns gerade am Herzen lagen". Die Gespräche endeten stets mit den Worten: Wir müssen uns unbedingt wieder treffen. Heute sagt Nebel: "Viel zu oft haben wir Wichtigkeiten vorgeschoben, die plötzlich zu Nichtigkeiten geworden sind. Und das schmerzt ganz besonders. Früher sagte er immer mit seiner unverwechselbaren Holzt-Stimme: ,Na, Freyer ...', und es folgte ein spontaner Dialog in unseren Rollen, bevor wir wieder wir selbst wurden." Er werde es sehr vermissen, dass nie wieder Brades Name auf dem Display seines Telefons erscheine. Brades Eintrag werde aber im Telefon-Verzeichnis verbleiben - "zum ewigen und dankbaren Gedenken an den Lehrer, an den Kollegen, vor allem aber an den Freund", so Nebel.

Dass auch die Roßweiner um Matthias Brade trauern, betont Ines Lammay von der Stadtverwaltung Roßwein. "Herr Brade war über viele Jahre ein Mitgestalter unserer traditionellen Schul- und Heimatfeste." Man kenne und schätze ihn in der Stadt sehr. "Matthias Brade war ein Glücksfall für die Organisatoren des traditionellen Roßweiner Schulfestes." Er sei die tragende Kraft während des beliebten Programmpunktes "Das Theater mit den Stadträten" gewesen. Lammay: "Die Leute liebten es, wenn er sich - immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl - die Roßweiner Stadträte auf der Marktbühne buchstäblich zur Brust nahm." Die Zusammenarbeit sei über die Jahre immer vertrauter geworden, sodass letztlich das Spiel zwischen ihm, seiner Berufskollegin Birgit Lehmann und den Stadtratsmitgliedern für große Heiterkeit bei den Zuschauern gesorgt habe.

In Augustusburg gestaltete Matthias Brade mit Birgit Lehmann das Silvesterblasen. Es sei zu früh, etwas dazu zu sagen, wie es damit weitergeht, so Schlosschefin Patrizia Meyn auf Anfrage. Auch sie trauert um einen langjährigen Freund und Wegbegleiter: "Mein Mitgefühl ist bei seiner Familie."

Im Rochlitzer Verein Lebendiger Fürstenzug wird Matthias Brade ebenfalls fehlen. "Wir verlieren mit ihm einen einzigartigen Darsteller, welcher den Fürstenzug in seiner unnachahmlichen Art nach außen präsentierte und den Figuren, welche er darstellte, nicht nur Leben gab, sondern auch eine ganz besondere Note verlieh", so Vereinssprecher Jens Stahlmann aus Hainichen.

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