Mehr als eine Nummer: Rochlitzer fahren voll auf "RL" am Auto ab

Die Große Kreisstadt zeigt Freiberg, Mittweida, Flöha und Co. die Rücklichter - zumindest beim Zuwachs der Kfz-Kennzeichen. Nur eine Stadt rast vier Jahre nach Wiedereinführung regionaler Schilder davon.

Rochlitz/Freiberg.

Das Thema reizte die Mittelsachsen einst mehr, als die vergangene Landratswahl: Im Jahr 2009 hatten sich 57 Prozent der Wahlberechtigten im Großkreis an einem Bürgerentscheid beteiligt. Es ging um die buchstäblich blecherne Frage: Soll an den Autos "FG" für Freiberg oder "MSN" für Mittelsachsen prangen? Das Ergebnis ist bekannt. Im November 2012 wurden die Verlierer in den Altkreisen Mittweida und Döbeln rehabilitiert. Seither sind regionale Kennzeichen wieder erlaubt - und die Mittelsachsen fahren auch vier Jahre nach Wiedereinführung noch voll darauf ab.

Vor allem die Rochlitzer. Denn die Anzahl an Fahrzeugen mit "RL" auf dem Nummernschild hat sich seither um rund 6400 auf 8165 erhöht. Das ist nach dem Döbelner "DL" (plus 10.000) der zweitstärkste Zuwachs im Landkreis. Dies geht aus einer aktuellen Statistik des Landratsamtes Mittelsachsen hervor. Die Zahlen zeigen aber auch: Die Zuwächse aller hiesiger Nummern sind von Jahr zu Jahr stetig geringer ausgefallen. Und: Die Kreisstadt Freiberg verliert an Bedeutung - zumindest auf der Straße.

Das Rochlitzer Urgestein Sven Krause hatte einst die Kennzeichen-Kampagne in einer Bürgerinitiative mit forciert. Er zeigt sich vom Erfolg des "RL" jedoch nicht überrascht. "Rochlitz hat Historie und Tradition. So wird deutlich, dass die Einwohner stolz auf ihre Stadt sind", betont Krause, der auch im Stadtrat und mittelsächsischen Kreistag sitzt. Dass der Run auf die Initialen stärker ist als in größeren Städten wie Mittweida, sei auch Bestätigung für den Einsatz der BI und ein Bekenntnis zum Heimatort. "Rochlitz hat seit 1994 viel verloren. Mit dem Kennzeichen wurde wieder einmal etwas zurückgegeben", sagt Sven Krause.

Der blecherne Bedeutungsverlust der Kreisstadt lässt den Freiberger Benjamin Karabinski nicht ganz kalt. Der FDP-Politiker hatte 2009 die Kampagne "Pro FG" ins Leben gerufen - und so einen parteiinternen Streit mit dem Döbelner MSN-Initiator Rocco Werner entfacht. "Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Als Freiberger fände ich es natürlich cooler, wenn nur FG auf den Straßen zu sehen wäre", räumt Karabinski augenzwinkernd ein. Allerdings zeige diese Entwicklung auch die Heimatverbundenheit. "Mit jedem neuen regionalen Kennzeichen wird deutlicher, dass es richtig war", betont der Freiberger.

Übrigens: Das mittelsächsische Polit-Duell um den Landrats-Posten zwischen der Linken Marika Tändler-Walenta und CDU-Mann Matthias Damm lockte im vergangenen Jahr 42 Prozent an die Wahlurnen. Für den Politologen der TU Chemnitz, Tom Thieme, Ausdruck davon, dass diese Verwaltungswahl die Bürger kaum interessiere und populäre Themen mobilisierten. Der Chemnitzer Uni-Dozent geht aber auch davon aus, dass der Bürgerentscheid zum Kfz-Kennzeichenohne die parallel laufende Bürgermeisterwahl 2009 wohl deutlich weniger an die Urnen gelockt hätte.

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