Mit einem Säbel begann die Spurensuche

Marco Oeser, Sammler aus dem Erzgebirge, nennt eine besondere Waffe sein Eigen. Sie gehörte einst einem Rochlitzer Amtshauptmann. Ein Foto des Adligen wäre das i-Tüpfelchen für ihn.

Rochlitz/Ursprung.

Es ist eines der wertvollsten Stücke aus seiner Sammlung, sagt Marco Oeser. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist der Erzgebirger Besitzer des Säbels. Seither hat der 47-Jährige aus dem Lugauer Ortsteil Ursprung immer wieder versucht, mehr über den einstigen Träger der Blankwaffe herauszufinden. Die Spur führt nach Rochlitz.

"Ich habe den Säbel damals bei einem Antiquitätenhändler erworben", sagt Marco Oeser, der sich seit seiner Jugend für Militärgeschichte interessiert. Dabei erhielt er die Information, dass einst Heinrich Freiherr von und zu Mannsbach Träger der Waffe war. Nach Oesers Recherchen war der Adlige von 1919 bis 1932 Amtshauptmann von Rochlitz. Dabei handelte es sich um einen leitenden Verwaltungsbeamten, laut Oeser vergleichbar mit einem heutigen Landrat. Als Amtshauptmannschaft wurden bis 1938 die Verwaltungsbezirke der unteren Ebene in Sachsen bezeichnet. Die Amtshauptmannschaft Rochlitz erstreckte sich zuletzt bis über Penig, Burgstädt, Mittweida und Geringswalde hinaus, wobei Mittweida ab 1924 kreisfreie Stadt war.

Unter anderem beim Institut Deutsche Adelsforschung und dem Historischen Archiv Crimmitschau hat Oeser recherchiert. Zusammengetragen hat er, dass Heinrich von und zu Mannsbach von 1875 bis 1932 lebte. Er war Rittmeister der Reserve und Rittergutsbesitzer bei Frankenhausen nahe Crimmitschau. Mannsbach hatte Recht studiert, wurde 1907 zum Oberleutnant und 1912 zum Rittmeister ernannt. Er wirkte über die Jahre unter anderem in Schneeberg, Dresden, Pirna und Annaberg. Später führte er Teile des Garde-Reiter-Regiments an und hatte von 1915 bis 1918 das Amt des Kreis-Chefs von Ostroleka-Siedlce im Generalgouvernement Warschau inne. Verheiratet war er mit Curta Esther Freifrau von Kyaw.

Auch zu dem Gardereitersäbel weiß Oeser einiges zu berichten. So diente die Waffe nur zur repräsentativen Zwecken, wurde außer Dienst getragen. "Die Klingeninschriften sind zwar etwas verputzt, lassen sich aber noch identifizieren", sagt Oeser. Klingenhersteller war das Solinger Consortium Weyersberg und Kirschbaum. "Der Dresdner Händler Geissler & Hast, bei dem der Freiherr den Säbel wahrscheinlich erwarb, ist auf dem Klingenrücken graviert." Auf dem Messingkorb des Säbels findet sich das sächsische Wappen.

Gern würde Marco Oeser noch mehr über den Freiherren erfahren. "Das Tüpfelchen auf dem i wäre ein Foto", so der 47-Jährige. Bisher hat er nur zwei Fotos von Rittmeister Albert Freiherr von und zu Mannsbach erhalten können. Er war ein Bruder von Heinrich und diente in einem anderen sächsischen Regiment.

Auch Sven Krause, Vorsitzender des Rochlitzer Geschichtsvereins, hat keine ausführlicheren Informationen zu dem ehemaligen Amtshauptmann parat. "Die Recherche ist umfangreich", sagt er. Eventuell finden sich in den "Rochlitzer Heimatgrüßen", einer Beilage zum "Rochlitzer Tageblatt" aus den 1920er-Jahren, noch Anhaltspunkte, so Krause. Wenn, dann aber nur in Nebensätzen, ergänzt der Rochlitzer. "Vielleicht hat noch ein Rochlitzer ein Zeitzeugnis", hofft Marco Oeser.

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