Mit Sack, Schlag und dem richtigen Dreh

Annemarie Böhme aus dem Wechselburger Ortsteil Nöbeln ist eine der 51 Personen, die für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet werden. Dazu ist sie morgen zu einer Feierstunde und einem Empfang in den Sächsischen Landtag eingeladen.

Nöbeln.

Es sei ihr zur Leidenschaft geworden, das Klöppeln, sagt Annemarie Böhme aus dem Wechselburger Ortsteil Nöbeln. "Das ist manchmal schon wie eine Sucht. Wenn man sich etwas vorgenommen hat, kann es schon nach Mitternacht werden am Klöppelsack", sagt die 64-Jährige über die alte Handarbeitstechnik. Und weil sie möchte, dass diese nicht in Vergessenheit gerät, gibt sie ihr Können weiter - in mehreren Kursen, zum Beispiel seit 2003 im "Müllerhof" Mittweida oder bei Veranstaltungen wie dem Kinderhandwerkermarkt auf der Rochsburg, wo sie schon die ganz Kleinen begeistern möchte.

Ein freier Nachmittag pro Woche

Doch anderen das Klöppeln beizubringen ist nicht das einzige, was Annemarie Böhme in ihrer Freizeit tut. So ist sie jeden Freitag ab mittags in Chemnitz. Dort leitet sie seit 2010 einen Eltern-Kind-Nachmittag im Kinder-, Jugend- und Freizeitverein. Dort fertigt sie zusammen mit den Teilnehmern verschiedenste Gegenstände aus Keramik. "Es geht zwar erst nachmittags los, aber ich muss schon eher dort sein, um vorzubereiten", erklärt sie. Einmal in der Woche trifft sie sich auch mit einer Seniorin, der sie innerhalb des ehrenamtlichen Besuchsdienstes Beschäftigung anbietet. Um sie nicht nur in deren Zuhause betreuen zu können, sondern auch mal rauszukommen, hat sie eine Extra-Weiterbildung besucht, die ihr erlaubt, mit der schwer sehbehinderten Dame auch das Haus zu verlassen. Annemarie Böhme ist zudem Gründungsmitglied des Landfrauenvereins Rochlitz und war dort seit 2005 ebenso aktiv wie als stellvertretende Vorsitzende des Wandervogelvereins Hohenstein-Ernstthal. Die beiden letzten Tätigkeiten musste sie aufgrund einer schweren Erkrankung 2008 aufgeben. Aber auch so ist sie mit Keramik-Kurs und als Klöppel-Lehrerin ausgelastet. Lediglich ein freier Nachmittag bleibt ihr in der Woche.

Für all dieses Engagement wird Annemarie Böhme morgen in Dresden ausgezeichnet. Zum internationalen Tag des Ehrenamtes, ist sie eine von 51 Sachsen, die im Landtag geehrt werden. "Ich freue mich riesig über die Anerkennung" sagt sie. "Ich denke, ich habe sie mir hart erarbeitet in all den Jahren." Doch nicht nur Freude nimmt sie mit in die Landeshauptstadt, auch eine gehörige Portion Aufregung. Für den Empfang hat sie sich ein schickes Oberteil geleistet und darf morgen sogar schon zu früher Stunde zum Friseur kommen, um rechtzeitig in Dresden zu sein. Die Fahrt dorthin überlässt sie aufgrund des Nervenflatterns lieber ihrem Mann.

Annemarie Böhme wurde 1950 in Ottendorf geboren. Nach der Schule lernte sie den Beruf der Gärtnerin, war in der gärtnerischen Genossenschaft in Erlau tätig, absolvierte in den 1970er-Jahren zudem eine Weiterbildung zum Gartenbaumeister für Zierpflanzen. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes und zweieinhalb Jahren Babypause arbeitete sie ab 1982 bis 1997 im Kindergarten in Ottendorf.

1998 zog sie nach Nöbeln, wurde arbeitslos, fand nach mehreren Umschulungen zwar immer wieder Jobs, aber keine längerfristige Anstellung mehr. Seit fünf Jahren ist sie zu Hause - aber dort redlich ausgelastet mit ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Bei Null angefangen

"Mein Mann hat 18 Jahre lang in Österreich gearbeitet. Warum sollte ich also meinen Hobbys allein nachgehen, wenn ich sie nicht nur mit anderen teilen, sondern ihnen sie sogar noch beibringen kann", sagt sie.

Zum Klöppeln gekommen ist sie nicht etwa durchs Abschauen von Großmutters Handarbeit, sondern 1982 durch einen Handarbeitszirkel in der Schule ihres Sohnes. "Ich habe bei Null angefangen." Aber eigentlich sei es ganz einfach. Es gebe drei Grundschläge und zwei Bewegungen. "Man muss also nur wissen, welches Paar Klöppel mit welchem Schlag und welchem Dreh gerade dran ist", sagt sie verschmitzt. Denn zu Veranstaltungen lade sie gern zum Probieren ein. Viele hätten sich dabei schon mächtig verfitzt. Wie stattdessen tolle Muster entstehen, kann man sich zum Adventsmarkt auf der Rochsburg am 19. Dezember bei Annemarie Böhme anschauen.


Seit 1986 Gedenktag

Der Internationale Tag des Ehrenamtes ist ein jährlich am 5. Dezember abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements. Er wurde 1985 von den Vereinten Staaten mit Wirkung ab 1986 beschlossen. In Deutschland ersetzt er den Tag des Ehrenamts, der früher am 2. Dezember begangen wurde. An diesem Tag wird auch der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vergeben.

Aus dem Kreis Mittelsachsen werden in Dresden morgen weiterhin Tobias Morgenstern aus Frankenberg sowie Christine Umlauf aus Freiberg geehrt. Morgenstern bekommt die Auszeichnung unter anderem für den Aufbau eines soziokulturellen Zentrums für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie für die Leitung einer Breakdance-Formation und die Gründung einer Kindertanzgruppe. Zudem hat er die Leitung des Frankenberger Kulturtages inne. Christine Umlauf wird für ihr Engagement im DRK-Seniorentreff der Stadt Freiberg geehrt. Dort organisiert sie Vorträge, Feste und Ausfahrten. (bp)

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