Mittweida ringt um Raumfahrtmuseum

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Mit dem privaten Raumfahrtmuseum von Inhaber Tasillo Römisch gibt es in der Stadt einen einzigartigen Schatz. An seiner Perspektive wird hart gearbeitet.

Mittweida.

Es wurde eng am Dienstagabend im Raumfahrtmuseum in der Rochlitzer Straße. "Aber in einer Kosmonautenkapsel ist es ja auch eng", sagte Mittweidas Beigeordneter Holger Müller und setzte sich. Einige Gäste nahmen an der öffentlichen Sitzung des Schul-, Kultur-, Sport und Sozialausschusses teil. Hauptthema war die Perspektive für das Raumfahrtmuseum. Es war ein kurzweiliger Abend zwischen Meteoritenbruchstück, Raumanzügen und jeder Menge Raumschiffmodelle. Durchzug sorgte für stets frische Luft.

"Im Mai besteht das Museum seit 30 Jahren", sagte der Hausherr Tasillo Römisch und stellte seine einzigartige Sammlung vor. Erfolgsrezept fürs Überleben in der mittelsächsischen Kleinstadt: seine 90-minütige Kosmonautenausbildung. Kleine und große Besucher erfahren dabei Wissenswertes über Raketentechnik, können selbst in einen Raumanzug schlüpfen und einen Helm aufsetzen. In einer weiteren Lektion lernen sie alles über den Alltag im All. Selbst die Frage nach dem Sex im Weltraum bleibt nicht unbeantwortet. Zum Schluss gibt es dafür ein Kosmonautendiplom und eine Portion gefriergetrocknete Weltraumnahrung. "Ich habe große Freude am Betreiben des Museums und möchte das auch so lange wie möglich tun", sagte Römisch in die Runde. "Ich will das Museum auch nicht einfach verkaufen." Trotzdem müsse er fürs Alter vorsorgen. Daher gebe es für den historischen Teil einen Vorvertrag mit dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde. Für weitere Stücke interessiere sich das Deutsche Technikmuseum Berlin. Immerhin sei die Mittweidaer Sammlung im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt. "Sie soll weiter gezeigt werden und nicht verschwinden", so Römisch. Dabei gehe es aber nicht nur um die Gegenstände, sondern vor allem um das Wissen, das er im Laufe der Jahre und nach Recherchen in Archiven angehäuft habe. "Da steckt viel Arbeit drin, die muss weitergeführt werden", sagte "Der Mann der nie im All war". Ein gleichnamiger Film über ihn werde derzeit geschnitten, so Römisch.

Die einzigartige Verbindung zwischen der Hochschulstadt und der Raumfahrt möchte er anhand der Biografien von zwölf Personen erzählen, die in Mittweida geboren wurden, hier gelebt oder studiert haben und später etwas für die bemannte Raumfahrt getan haben. "Ich wünsche mir, dass diese Personen nicht in Vergessenheit geraten", so der Museumsinhaber.

Als Beispiel nannte Römisch Oberstudienrat Horst Kuchling, den Autor des Taschenbuchs der Physik, der 1945 den ersten Vortrag über Raumfahrt in Mittweida gehalten hatte. Auch der 2005 verstorbene Gerhard Reisig gehört zu dem Kreis. Bis heute steht dieser auf der Liste der Ehrensenatoren der Hochschule. Reisig gehörte zu den Deutschen, die in den USA unter Wernher von Braun die Saturn V bauten, dis bislang größte Rakete der Welt. In der Hochschule Mittweida steht seit 1995 ein Triebwerk dieser Rakete, eines von drei in Europa. Es liegt daher auf der Hand, dass das Raumfahrtmuseum an die Hochschule andocken könnte. "Ich werde mit dem Rektor sprechen und dann hier im Ausschuss berichten", kündigte Mittweidas Oberbürgermeister, Ralf Schreiber (CDU), an. Für eine denkbare gemeinsame Ausstellung müsse ein roter Faden her, so Schreiber. Die Persönlichkeiten, die hier ihr Rüstzeug bekommen haben, sollten im Mittelpunkt stehen. Es dürften nicht nur Exponate hingestellt werden. Auch um Museumspädagogik müsse man sich kümmern.

Professor Lothar Otto, der früher Kanzler der Hochschule war und das besagte Triebwerk zusammen mit Römisch nach Mittweida gebracht hatte, machte deutlich, dass das Raumfahrtmuseum zeitlich durchaus unter Druck stehe. Immerhin sei für den Sommer ein Rektorwechsel avisiert. "Wir brauchen eine Strategie. Die muss mit der Hochschule abgestimmt sein", so Otto. Zugleich mahnte er, den von Römisch gehüteten Schatz nicht auseinanderzureißen, sondern soviel wie möglich zusammen zu erhalten. "Diese Weltraumausstellung gibt es nicht noch einmal", so Otto. Darin stimmte die Runde überein. Bevor über Standort und Finanzierung einer Dauerausstellung entschieden werden könne, müsse klar sein, was gezeigt und wie es präsentiert werden solle. Torsten Bachmann, Linken-Fraktionschef im Stadtrat, schlug vor, zunächst eine Sonderschau zu veranstalten, um das Grundkonzept zu testen und daran zu feilen. Dafür könne man den den Schwung der Kulturhauptstadt 2025 nutzen.

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