Modischer Chic der Fünfziger noch heute aktuell

Wenn sich die Frauen vom einstigen Waldheimer Bekleidungsbetrieb Max Schade treffen, spielt Mode noch immer eine große Rolle. Denn was Frauen in der DDR trugen, entwarf auch eine Geringswalderin.

Waldheim/Geringswalde.

Sie sehen sich seit 1991 wieder regelmäßig. Und sie haben sich noch immer viel zu sagen. Etliche Jahre hatten die Industrieschneiderinnen, Kauffrauen und Angestellten aus der Bemusterung oder der Schnittkonstruktion ihre Arbeitsstätte im einstigen Bekleidungsbetrieb Max Schade an der Waldheimer Bahnhofstraße. In den frühen Jahren der DDR machte sich dabei eine Geringswalderin mit ihren Entwürfen einen Namen.

Helga Otto hütet ihre Modellskizzen von damals noch heute, auch die eine oder andere Modezeitschrift aus den 1950er-Jahren. Frische Ideen für Mode in der Damen- und Kinderoberbekleidung waren damals gefragt. Das war genau ihr Ding. Denn Einfälle, wie ein Kleidungsstück mit welchem Material und in welcher Schnittform am besten wirkt, probierte die heute 85-Jährige als Kind bereits an ihren Puppen aus. "Die wurde jeden Tag frisch angezogen", berichtet sie. Auch ihr Konfirmationskleid entwarf die junge Helga damals selbst.

Die gebürtige Waldheimerin blieb ihrer Passion treu und ging 1948 in die Lehre für Damenmaßschneiderei. Olga Röder, Obermeisterin im Schneiderhandwerk, brachte dem Mädchen alles bei, was diesen kreativen Beruf ausmacht. Dass Helga Otto nach etlichen Jahren Praxis 1955 der Sprung in die Schneiderei von Max Schade gelang, hat viel mit ihren Talenten zu tun. "Ich hatte mich einem Zeichenzirkel angeschlossen und lernte dort Jutta Winkler kennen." Die Tochter Max Schades habe schnell ihre Fähigkeiten erkannt, die sie fortan für den bekannten Konfektionär einsetzte. Wenig später übernahm Helga Otto die Leitung der Musterstube. "Wir nähten die Frühjahrs- und Herbstkollektionen nach meinen Entwürfen, und zwei Mal jährlich war Submission in Leipzig. Dann wurden die neuesten Kreationen vorgestellt."

Auch die Modenschauen zur Leipziger Messe waren ein Thema. Helga Otto skizzierte mit, was sie auf dem Laufsteg sah, machte sich mit den Trends vertraut. Aber die Umsetzung war nicht leicht. "Wir konnten wenige Jahre nach Kriegsende nicht so in den Materialien schwelgen, wie es heute möglich ist", sagt sie. "Dann haben wir schauen müssen, wie aus dem Wenigen der größtmögliche Chic herauszuholen ist."

Die Damen in der Runde diskutieren heute eifrig. "Ich habe dich immer um deine Kleider beneidet", gesteht Ingrid Bohne. Es wird gelacht bei diesem Geständnis nach so langer Zeit. Helga Otto hat noch heute einen wachen Blick auf modische Trends. "Das Sakko ist wieder gefragt. Und das Kleid kommt wieder." Einflüsse aus den Fünfzigern sieht die Modedesignerin oft: die schlanke, nach unten leicht ausgestellte Silhouette bei Etuikleidern. Schmal gehaltene Kragen oder auch ihr Modell "Koserow". Das dürfte noch heute Liebhaberinnen finden, ist sich Helga Otto sicher. "So erlebte ich die Fünfziger als eine für mich prägende und sehr erfüllende Zeit."

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