Morde an weißen Farmern sind Thema eines Films

Den Streifen "Treurgrond" stellt der Südafrikaner Andries Vogel, der heute in Geithain wohnt, am Freitag in Rochlitz vor. Er hofft auf eine Diskussion.

Rochlitz.

Der Film ist kein leichter, den der gebürtige Südafrikaner Andries Vogel am Freitag im Rochlitzer "Vielfalter" zeigen will. Thema sind Morde an weißen Farmern in dem Land durch Schwarze, wie sie nach dem Ende der Apartheid begonnen haben. Vogel möchte, dass der Konflikt hierzulande bekannter wird. "Ich bin aber nicht hier, um jemandem zu erzählen, wie er zu denken hat. Schlussfolgerungen kann jeder selbst ziehen", so der 35-Jährige. Daher lädt er danach zur Diskussion ein - die kontrovers sein darf.

Andries Vogel wurde im südafrikanischen Germiston geboren. Er gehört zur Bevölkerungsgruppe der Buren - die Minderheit spricht Afrikaans und umfasst die Nachfahren zumeist niederländischer, aber auch deutsch- und französischsprachiger Siedler, die sich seit dem 17. Jahrhundert in Südafrika niederließen.

In Südafrika hat Vogel Theologie studiert. 2006 fand er über das Internet Kontakt zu seiner heutigen Frau, die aus Bautzen kommt. 2009 kam er per Heiratsvisum nach Deutschland. Zunächst wohnte das Paar in Leipzig, dann in Borna, heute mit drei Kindern in Geithain. Vogel lässt sich zum Prädikanten bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche ausbilden. Auch unterrichtet der Freiberufler Afrikaans am Spracheninstitut in Leipzig sowie Englisch an den Volkshochschulen in Mittweida und im Leipziger Land sowie im "Vielfalter". Er ist Vorsitzender des Vereins "Sprachwerk". Über diesen habe er Flüchtlingen Deutsch gelehrt. "Dabei habe ich viele Menschen anderer Völker kennengelernt, darunter Iraner, Kurden, Albaner". Das gab für ihn den Anlass, "über mein Volk nachzudenken".

Bis 1994 herrschte in Südafrika eine Politik der sogenannten Rassentrennung, die die schwarze Bevölkerung ihrer Grund- und Menschenrechte beraubte und sie unterdrückte. Laut Bundeszentrale für politische Bildung sind heute rund acht Prozent der Südafrikaner Weiße, rund 80 Prozent Schwarze.

Seit dem Ende des Apartheid-Regimes sind laut einem Bericht des "Stern" über 2000 Weiße auf Höfen und Großgütern ermordet worden. Die meisten Farmer seien burischstämmig. Der Film "Treurgrond" ("Trauerboden") erzählt von einem Bauern, der Familie und Hof schützen will. Bei einem internationalen Filmfestival in Amsterdam hat er zwei Preise gewonnen, unter anderem als bester fremdsprachiger Film.

Der Film sei zunächst handwerklich gut, so Vogel. Zweitens sei er sprachlich interessant. Gesprochen wird vor allem Afrikaans. Vogel hat ihn gemeinsam mit dem Leipziger Wolfgang Reinken mit deutschen Untertiteln versehen. Die dritte Ebene des Films sei die politische.

Viele Buren wandern aus Südafrika aus, so Vogel. "Ist es das Ende des Volkes?", sei eine Frage, die ihn bewegt und zu der er gern ins Gespräch kommen will. Die Einnahmen des Abends fließen in die Übersetzung eines Buches zur Historie des Afrikaans und der Buren.

Gezeigt wird der Film am Freitag, 20 Uhr im "Vielfalter" an der Bismarckstraße in Rochlitz. Karten gibt es zu 2,50 Euro im Vorverkauf in der Buchhandlung am Rathaus oder an der Abendkasse für 3 Euro.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...