Nach Tod einer Schülerin fordern ihre Eltern mehr Sicherheit

In dieser Woche ist eine Elfjährige auf der früheren B 175 bei Elsdorf nach dem Verlassen des Schulbusses ums Leben gekommen. Trauer und Zorn sind groß. Denn das Unglück sei eines mit Ansage gewesen, sagen Eltern.

Langenleuba-Oberhain.

Der Schock über den tragischen Tod eines elfjährigen Mädchens sitzt tief. Das Kind, das in Penig zur Schule ging, war am Dienstag mit dem Bus auf dem Heimweg nach Langenleuba-Oberhain. An der Haltestelle auf der ehemaligen B 175, nahe dem Abzweig Elsdorf, stieg sie aus und wollte hinter dem Bus auf die andere Straßenseite laufen. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst. Wenig später verstarb das Mädchen im Krankenhaus.

Nun werden erneut Forderungen von Eltern laut, den Schulweg sicherer zu machen. Kerstin Käseberg und Klaus Michael aus Langenleuba-Oberhain, die als Eltern um ihre und andere Kinder besorgt sind, haben sich angesichts des tragischen Unfalls in einem offenen Elternbrief an das Landratsamt ihre Sorgen von der Seele geschrieben. Und werfen dabei eine Reihe Fragen auf: "Warum kein Kreisverkehr an der Kreuzung? Platz wäre da und würde diese Situation deutlich entspannen. Warum keine Bushaltestelle, die den Namen auch verdient? Warum muss es überhaupt diese Umsteigeaktionen für den Anschlussbus geben? Warum Tempo 70 an einer Schulbushaltestelle?" In einer Email an die "Freie Presse" werden die beiden noch deutlicher: "So kann es nicht weitergehen, es macht uns alle tieftraurig, dass es dazu kommen musste - es war ein Unglück mit Ansage."

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"Der Unfalltod des elfjährigen Mädchens ist tragisch und macht mich sehr betroffen. Wir haben umgehend die verkehrsrechtliche Situation vor Ort überprüft", sagt Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU). Infolgedessen sei jedoch keine Rechtsverletzung im Hinblick auf die Beschilderung festgestellt worden. "Die aktuelle Beschilderung des Haltestellenbereichs mit Tempo 70 sowie dem Schild ,Achtung Kinder' und dem Zusatzzeichen ,Schülerverkehr' entspricht dem Maximum des rechtlich Möglichen", erklärt er. Die eigentliche Haltestelle sei weder durch den Landkreis noch durch den Freistaat angeordnet worden. "Dies erfolgte bereits zu weit früheren Zeiten und hat seit dieser Zeit Bestand", so Damm.

Verkehrsrechtliche Mindestanforderungen für die Einrichtung einer Haltestelle gebe es ausschließlich für Neubauten. "Für bestehende Haltestellen gelten diese nicht. Nichtsdestotrotz werden Haltestellen im Allgemeinen und Schulbushaltestellen im Besonderen im Zuge der regelmäßigen Verkehrsschauen begutachtet", fährt der Landrat fort. Seit Jahren habe die Beförderung der Peniger Schüler in diesem Bereich unfallfrei funktioniert. "An die Verantwortlichen im Landratsamt wurden bisher auch keinerlei Beanstandungen herangetragen", erläutert Damm die Ergebnisse einer ersten internen Überprüfung. Für die sichere Orientierung und Überquerung der Straße seien die Sichtverhältnisse entscheidend. Diese seien gegeben. "Sobald uns der Abschlussbericht der Polizei zum genauen Unfallhergang vorliegt, werden wir prüfen, ob unsererseits weitere Schritte eingeleitet werden müssen."

Dass die Verkehrssituation entschärft wird, schließt die Landesstraßenbaubehörde Lasuv nicht prinzipiell aus. "Wenn die örtliche Verkehrsbehörde beziehungsweise die Unfallkommission hier eine Unfallhäufungs- oder Gefahrenstelle feststellt und bauliche Änderungen an der Verkehrsanlage als erforderlich festlegt, wird das Lasuv gemeinsam mit den übrigen Verantwortlichen selbstverständlich die Umsetzung angehen", sagt deren Sprecherin Isabel Siebert. "Mit dem Neubau der A72 zwischen Niederfrohna und Rathendorf ist die B 175 hier zur Staatsstraße beziehungsweise Kreisstraße abgestuft worden", erklärt sie. Da der Neubau der Autobahn die Bundesstraße entlastet habe, sei im Planverfahren damals aber nicht gefordert worden, die Kreuzung umzugestalten.

Derweil bedauert auch die Peniger Stadtverwaltung den tragischen Unglücksfall sehr, wie Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt mitteilt. "Wir sind in Gedanken bei der Familie und wünschen viel Kraft in diesen schweren Stunden." Den schweren Unfall habe man zum Anlass genommen, die Schulleitungen der Schulen im Stadtgebiet zu bitten, alle Schüler ausführlich über das richtige und ruhige Verhalten beim Ein- und Aussteigen sowie an den Bushaltestellen zu belehren", sagt sie.


Bereits 2017 in der Kritik

Hauptkritikpunkt betroffener Eltern 2017 war, dass nachmittags ein Bus fehle, der die Kinder vom Rochlitzer Gymnasium bis ins Dorf fährt. Mitte 2018 konnten die Eltern eine bessere Busverbindung erstreiten und mit ihren Forderungen einen Teilerfolg erzielen.

Gefordert wurden zudem bereits im Jahr 2017 - so beispielsweise auch von Ortsvorsteher Olaf Tröger - Wartehäuschen an den Haltestellen. Es könne nicht sein, dass Kinder morgens im Dunkeln in den Pfützen auf den Bus warten, hieß es damals. (ule)

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