Neue Zentrale - aber Wachen bleiben

Notrufe aus der Rochlitzer Region gehen voraussichtlich ab Mitte nächsten Jahres in Chemnitz ein. Was ändert sich für die Bürger in Mittelsachsen?

Rochlitz.

Gleiche Nummer, neue Leitstelle: Ab Mitte 2018 gibt es keine Rettungsleitstelle im Freiberger Landratsamt mehr. Die Notrufe aus dem Raum Freiberg/Rochlitz gehen ab diesem Zeitpunkt in der neuen Integrierten Rettungsleitstelle Chemnitz ein. Wer also die Notrufnummer 112 wählt, landet dann bei einem Mitarbeiter, der an der Chemnitzer Schadestraße sitzt.

Bisher ist die neue Leitstelle für Chemnitz und den Altkreis Stollberg zuständig (siehe Kasten). Ab August sollen zudem bereits Notrufe aus dem Bereich Döbeln in Chemnitz landen, für den bislang die Leitstelle Grimma ständig ist. Der Rettungszweckverband Grimma, der für den Altkreis Döbeln und den Landkreis Leipzig zuständig ist, wird zum 31. Dezember 2017 aufgelöst.

Laut Steffen Kräher, Abteilungsleiter Ordnung und Sicherheit im Landratsamt Mittelsachsen, sollen die Bürger nichts von der Umstellung merken. Kräher: "Bei einem Notruf meldet sich nicht mehr die Rettungsleitstelle Freiberg, sondern die in Chemnitz." Das Telefon klingele nur an einer anderen Stelle, die dann die örtlich Zuständigen informiere, beispielsweise Rettungswachen und Feuerwehren. In der Fläche aber bleibe alles wie bisher. Alle Rettungswachen in Mittelsachsen blieben bestehen (siehe Karte).

Seit 1993 gibt es die Rettungsleitstelle an der Frauensteiner Straße in Freiberg. Steffen Kräher räumt auf Anfrage ein, kein Verfechter der neuen Integrierten Rettungsleitstelle gewesen zu sein, die der Landesgesetzgeber festgelegt hat. Doch er verweist auf positive Synergieeffekte: Bei einem Notfall in Niederwiesa beispielsweise könne die Einsatzzentrale in Chemnitz gleich einen Rettungswagen aus der Großstadt schicken. Sanitäter aus Chemnitz rückten zwar auch jetzt schon nach Niederwiesa aus. "Aber künftig wird ihr Einsatz sofort von Chemnitz aus gelenkt - es läuft also ohne Umwege", sagt Kräher.

Die derzeit rund 20 Mitarbeiter der Freiberger Leitstelle wechseln nach Chemnitz. Dabei handelt es sich um einen Betriebsübergang nach Paragraf 613 a des Bundesgesetzbuches. Demnach wird den Mitarbeitern Bestandschutz gewährleistet. Ihre Arbeitsverhältnisse gehen "automatisch" auf den neuen Unternehmensträger über.

Auch künftig ist der Landkreis Mittelsachsen im Falle eines Katastrophenfalles, beispielsweise bei einem Hochwasser, für die Einsatzleitung zuständig. Laut Kräher werden gerade die technischen Voraussetzungen geschaffen, "damit wir im Katastrophenfall die Kräfte auch nach Übergang der Rettungsleitstelle nach Chemnitz von Freiberg aus führen können".

Die Gesamtkosten für die neue Leitstelle in Chemnitz belaufen sich auf rund 17,8 Millionen Euro - rund zwei Drittel davon sind für die technische Ausstattung wie Digitalfunk, Telefonie, Einsatzleitsystem, Notstromversorgung und Disponentenarbeitsplätze. Geschultert werden die Kosten von Kreis Mittelsachsen, Erzgebirgskreis, Stadt Chemnitz, Rettungszweckverband Chemnitz-Erzgebirge, Freistaat Sachsen und Krankenkassen.

"Wir gehen für unseren Landkreis von einem Betrag im höheren sechsstelligen Bereich für die Investitionen aus", so Kräher. Die laufenden Kosten würden über eine Umlage in Abhängigkeit der Einwohnerzahl finanziert. Wie sich diese Kosten entwickeln, konnte er noch nicht sagen.


Für eine Millionen Einwohner

Als letzte der fünf sächsischen Integrierten Rettungsleitstellen ist die Rettungsleitstelle Chemnitz am 20.März in Betrieb gegangen. Damals erfolgte die Umschaltung der Notrufnummer 112 und verschiedener Brandmeldeanlagen. Weitere solche Einsatzzentralen gibt es in Dresden, Leipzig, Hoyerswerda und Zwickau. Die neue Leitstelle löst die Notrufzentrale der Berufsfeuerwehr Chemnitz ab, in der bisher die eingehenden Notrufe für das Chemnitzer Stadtgebiet und den einstigen Kreis Stollberg entgegengenommen wurden.

In weiteren Schritten sollen bis Mitte 2018 die bisherigen Leitstellen in Grimma, Annaberg, der Bereich Aue-Schwarzenberg und als letztes Freiberg in die neue Chemnitzer Leitstelle integriert werden. Wenn das abgeschlossen ist, wird die Zentrale für einen Leitstellenbereich von 4162 Quadratkilometern und fast eine Million Einwohner zuständig sein. An 18 speziellen Arbeitsplätzen werden dann insgesamt 70 Disponenten im Schichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz sein, um Notfalleinsätze der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes und auch Krankentransporte zu koordinieren. Der Neubau der Leitstelle war erforderlich geworden, da Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschutzeinheiten in Sachsen künftig ein einheitliches Digitalfunknetz nutzen. Dieses Netz unterstützt unter anderem eine Standorterkennung bei Notrufen über die Telefonnummer 112.

Die integrierte Regionalleitstelle basiert auf einer Vereinbarung zwischen der Stadt Chemnitz, dem Erzgebirgskreis, dem Landkreis Mittelsachsen und dem Rettungszweckverband Chemnitz-Erzgebirge aus dem Jahr 2010. Die Grundsteinlegung für den Neubau erfolgte am 12. September 2012. Streit mit dem Freistaat um Fördergelder, das Junihochwasser 2013 und Software-Probleme führten zu Verzögerungen.

Feuerwehr und Rettungsdienst sind im Einzugsbereich auch künftig über die Rufnummer 112 zu erreichen. (hh)

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