Nur wenige Händler auf Wochenmarkt

Nach der einwöchigen Schließung wegen der Corona-Krise sind Stände mit Wurst- und Fischwaren zurück. Kunden vermissen aber einige Anbieter.

Burgstädt.

Die Innenstadt von Burgstädt rund um den Markt und Brühl wirkt wie ausgestorben. Der Stadtbus ist leer. Die Ausgangsbeschränkungen zeigen Wirkung. Nur auf den Parkplätzen der Supermärkte reihen sich Autos an Autos. Und vor der Postfiliale an der Herrenstraße und der Sparkasse an der August-Bebel-Straße stehen Schlangen - geordnet im Abstand von etwa zwei Metern.

Bürgerpolizist Jens Schmidt kontrolliert die Corona-Auflagen des Innenministeriums. Bisher habe er keine Verstöße registriert - auch auf dem Wochenmarkt am Donnerstag nicht, der nach einer verordneten Schließzeit wieder geöffnet hat.

Dort hat Marktmeister Dietmar Teubel alles im Blick. "Die Burgstädter sind sehr diszipliniert und halten den nötigen Abstand", sagt er. Die Memmendorfer Agrargenossenschaft bietet Wurstwaren und Fleisch sowie Eier von einem Geflügelhof an. Die Feinfischräucherei Rienow aus Hartmannsdorf ist mit ihrem Wagen Stammkunde. Wegen der Verordnung des Innenministeriums dürfe der Textilhändler nicht kommen. Erlaubt seien nur mobile Verkaufsstände mit Lebensmitteln, selbst erzeugten Gartenbau- und Baumschulerzeugnissen sowie Tiernahrung, sagt Katrin Schiel, Niederlassungsleiterin der Deutschen Marktgilde, die in 24 Städten in Sachsen Wochenmärkte organisiert. Das Unternehmen betreibt deutschlandweit in sechs Niederlassungen etwa 120 Standorte mit etwa 250 Markttagen pro Woche. Händler seien durch das vorübergehende Verbot bestraft worden, sagt Schiel.

"Die Gärtnerei kommt erst am Dienstag", antwortet der Marktmeister auf die Frage eines Kunden. Als Grund nennt er Krankheit. Zudem hätten Gärtnereien wegen der Minusgrade in den vergangenen Tagen einige Probleme. Auch der Geflügelhof Andrä aus Breitenborn fehlt. Seit 1992 ist Elfriede Andrä mit ihrem Mann regelmäßig in Burgstädt. Inzwischen ist sie Rentnerin, die beiden Söhne führen das Familienunternehmen weiter. "Die Andräs kommen erst, wenn es nicht mehr so kalt ist", sagt der Marktmeister. Bis dahin müssten die Kunden auf die Eier der Agrargenossenschaft zurückgreifen.

An deren Stand sei der Ansturm wegen des frisch Geschlachteten immer groß, jetzt auch wegen der Eier, sagt Teubel. Fast den ganzen Donnerstagvormittag bildet sich dort eine Schlange, nur am Mittag wird sie kürzer. "Ich bin froh, dass der Wochenmarkt wieder geöffnet hat", sagt Karla Bacher. Sie komme vor allem wegen der frischen Eier. Lutz Weinreich von der gleichnamigen Gärtnerei kauft Majoran-Würste. Er selbst fahre Märkte im Erzgebirge an, um dort seine Pflanzen zu verkaufen. "Ich bin froh, dass die Regierung eingelenkt hat und Frischemärkte wieder genehmigt", sagt er. Beim geschlossenen Laden sei das seine einzige Verdienstmöglichkeit.

An beiden Ständen gibt es Aushänge zu den Hygienevorschriften, wie der Hinweis auf den Abstand von 1,50 bis 2 Metern zwischen den Kunden. Am Fischstand ist noch zu lesen, dass auf Wunsch die Hände desinfiziert würden. Doch wie vor der Coronapandemie wird das Bargeld auf einen Teller gelegt. "Mit Karte kann man nicht bezahlen, das ist unter freiem Himmel schlecht möglich", sagt Marktleiter Teubel.

"Wir hatten durch die verordnete Schließung Umsatzeinbußen", sagt die Fischverkäuferin. Die Fische seien geräuchert und für den Verkauf vorbereitet worden. Dann sei das Verbot gekommen. Seit vorigen Donnerstag sei die Produktion gedrosselt worden. Als dann die Erlaubnis zum Weiterbetrieb in dieser Woche kam, sei es gar nicht so einfach gewesen, das gesamte Sortiment wieder aufzufüllen. Tilo Bach, Chef der Fischmanufaktur, sagt auf Anfrage, dass die acht Verkaufsfahrzeuge in der vergangenen Woche auf dem Hof bleiben mussten. Sonst verkaufe er pro Woche etwa drei Tonnen Fisch auf zehn Wochenmärkten. Es hatte nur der Werksverkauf am Firmenstandort geöffnet. Er habe 33 Mitarbeiter beschäftigt. Hätte das Verbot länger gedauert, hätte er über Kurzarbeit nachdenken müssen.

Vor allem Ältere gehören zu den Kunden am Fischwagen, wie Hannelore Richter. Die 78-Jährige reiht sich mit ihrem Mann in die Schlange ein. "Der Abstand ist in Ordnung", sagt sie. Sie sei froh, dass ihre zwei Kinder mit fünf Enkeln und drei Urenkeln alle in Burgstädt wohnen und sie diese auch sehen könne. Der Marktbesuch sei ihr wichtig. Zwischen den Wartenden wird mancher Plausch gehalten. Vorherrschendes Thema ist die Corona-Krise. Ein Ehepaar aus Taura kommt nach dem Einkauf in der nahen Schwanenapotheke auf den Markt. "Ich habe beim Einkauf immer Handschuhe an - im Supermarkt und auch auf dem Wochenmarkt", sagt die Rentnerin. Auch Steffi Liebing verweist auf Desinfektionsmittel, das sie im Auto mit sich führe. Sie sei froh, dass sie wieder Wurst auf dem Markt einkaufen könne. "Nur das frische Gemüse und Bekleidung fehlen", sagt sie bedauernd.

Auch jüngere Burgstädter nutzen den Vormittag zu einem Einkauf. "Ich bin selten hier", sagt Anja Pester. Doch derzeit ist die Angestellte eines Hotels in Mittweida in Kurzarbeit. Mit geräucherter Forelle verlässt eine Mutter mit ihren beiden Kindern den Markt. "Wegen Corona betreue ich meine Kinder zu Hause", sagt die 44-Jährige. Deshalb müsse sie mehr kochen und einkaufen.

Heimatmarkt Am Samstag findet von 9 bis 13 Uhr wegen der Krise ein abgespeckter Heimatmarkt auf dem Markt in Burgstädt statt. Laut Marktgilde gibt es fünf Händler mit Gartenbauerzeugnissen und Pflanzen, Räucherfisch, Fleisch- und Wurstwaren, Spreewaldprodukten sowie Antipasti. Dienstags und donnerstags ist von 8.30 bis 13 Uhr Markttag.


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