Offene Fenster: Polizei lässt Fahrzeug abschleppen

Ein Chemnitzer hatte vergessen, sein Auto auf einem Parkplatz im Neefepark komplett zu verschließen. Nun erhielt der Mann eine hohe Rechnung.

Chemnitz.

Der Arbeitstag war lang gewesen. Nach seiner Spätschicht wollte Jörg Hitz Ende Juni sein Auto abholen, das er als Pendler auf dem Parkplatz im Neefepark abgestellt hatte, um mit Kollegen zur Arbeit zu fahren. Doch als er mit ihnen gegen 23 Uhr zurück auf den Parkplatz kam, stand sein Wagen nicht mehr dort, wo er ihn abgestellt hatte. Zunächst hätten er und seine Kollegen auf dem Areal danach gesucht. "Dann habe ich die Polizei angerufen und wollte den Diebstahl des Autos melden", erzählt Jörg Hitz. Doch der Beamte sagte ihm, dass sein Wagen sichergestellt worden sei - zum Eigentumsschutz. Es stellte sich heraus, dass Jörg Hitz vergessen hatte, zwei Scheiben am Wagen zu schließen. Wie weit sie offen standen, daran kann er sich nicht mehr genau erinnern. "Aber man konnte schon in das Auto hineingreifen", sagt er. Als Polizisten den Parkplatz an diesem Tag kontrollierten, sahen sie das Auto mit den offenen Scheiben. Laut Polizeibericht ließen sie den Halter im Neefepark ausrufen. Doch dieser befand sich zu dem Zeitpunkt auf Arbeit. Da sie ihn so nicht erreichen konnten, ließen die Polizisten das Auto abschleppen.

Als Jörg Hitz am späten Abend bei der Polizei anrief, gab ihm der Beamte die Adresse der Abschleppfirma. Mit einem Kollegen sei er quer durch die Stadt nach Schloßchemnitz gefahren, um seinen Wagen abzuholen. Doch auf dem von der Polizei genannten Autohof war er nicht. "Also habe ich wieder bei der Polizei angerufen." Es stellte sich heraus, dass ihm die falsche Adresse genannt worden war. Das Abschleppunternehmen, bei dem der Chemnitzer sein Auto dann fand, befindet sich unweit des Neefeparks. "Also sind wir zur späten Stunde noch einmal durch die Stadt gefahren." Gegen Mitternacht erhielt er seinen Wagen und konnte nach Hause fahren. Er sei schon nach der Arbeit kaputt gewesen und habe nach Hause gewollt, sagt Jörg Hitz. Stattdessen erlebte er eine wirre nächtliche Suchaktion.

Doch die Geschichte war noch nicht vorbei. Zweieinhalb Monate nach der Irrfahrt erhielt er Post von der Polizei - eine Rechnung in Höhe von 414,74 Euro. Neben einer Grundgebühr von 50 Euro soll der Chemnitzer die Abschleppkosten von 364,74 Euro zahlen. Doch er weigert sich. Er nahm sich einen Anwalt, der Widerspruch gegen den Bescheid einlegte. Vor allem die Höhe der Rechnung kritisiert Hitz. "Ist das verhältnismäßig?", fragt er. Warum habe die Polizei nicht bei ihm zu Hause angerufen? Seine Frau wäre dann zum Parkplatz gekommen, sagt Hitz. Es sei allgemein bekannt, dass dort, wo er sein Auto stehen hatte, in der Nähe der Tankstelle im Neefepark, zahlreiche Pendler ihre Autos parkten.

Die Polizei bestätigt, dass sie Jörg Hitz einen Bescheid zur Zahlung der Abschleppkosten geschickt hat. Da er Widerspruch eingelegt habe und es sich dadurch um ein laufendes Verfahren handele, könne die Polizei dazu keine weiteren Angaben machen, erklärt ein Sprecher. Grundsätzlich sei jedoch das Abschleppen eines nicht ordnungsgemäß verschlossenen und somit nicht gegen unbefugte Benutzung gesicherten Fahrzeugs für die Sicherung des Eigentums legitim, betont er. Dass viele Autofahrer nicht wissen, dass es eine Ordnungswidrigkeit ist, die Autoscheiben offen zu lassen, hatte bereits vor wenigen Tagen Polizeisprecherin Jana Ulbricht erklärt, als "Freie Presse" von einer Rentnerin berichtete, die ihr Auto mit einer offenen Scheibe abgestellt hatte. Die Polizei hatte sich daraufhin bei ihr gemeldet und für die Ordnungswidrigkeit 15 Euro verlangt.

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