"Ohne Wasser sterben unsere Dörfer allmählich aus"

Steffen Dathe will den öffentlichen Trinkwasseranschluss finanziell fördern

Zettlitz.

Seit einem Jahr erhalten ehrenamtliche Bürgermeister eine höhere Aufwandsentschädigung. Das nutzt der Zettlitzer Bürgermeister Steffen Dathe (parteilos), um beruflich kürzer zu treten und mehr für die Gemeinde zu tun. "Freie Presse" sprach mit dem 55-jährigen Hermsdorfer darüber, ob ihm das gelungen ist und welche Probleme in der Gemeinde angegangen werden.

Freie Presse: Herr Dathe, vor einem Jahr haben Sie die Reißleine gezogen und Ihre Zeit als Busfahrer zugunsten der Gemeindearbeit reduziert. Hat sich das ausgezahlt?


Steffen Dathe: Ich empfinde die Lage als deutlich entspannter. Seit ich das Ehrenamt im Februar 2017 von meinem Vorgänger übernommen hatte, war alles mehr oder weniger Krampf. Inzwischen werde ich ausschließlich montags im Busverkehr eingesetzt. Die übrige Zeit gehört der Gemeinde und meiner Familie. Wobei Busfahren durchaus Vorteile hat: Ich bin dicht dran an den Menschen und kriege an Stimmungen vieles mit, was Berufspolitikern wohl eher verschlossen bleibt.

Die Gemeinde hat an Problemen einiges zu stemmen. Jüngstes Beispiel ist die Wasserknappheit im Brunnendorf Kralapp.

Dort muss sich etwas tun. Wir sind als Gemeinde bereits in Rüx aktiv geworden und fassten vor einem Jahr den Beschluss, Grundstückseigentümer, die sich an die öffentliche Trinkwasserleitung anschließen wollen, mit einem Zuschuss von je 1000 Euro zu unterstützen. Das wollen wir in Kralapp genauso handhaben. Mehr denn je sehe ich den hiesigen Wasserversorger ZWA in der Pflicht. Erst recht, nachdem die Landesregierung im Frühjahr ein Sonderprogramm für den Anschluss von Brunnendörfern ans öffentliche Netz aufgelegt hat. Ohne Wasser sterben unsere Dörfer allmählich aus. Das hat sich nun offenbar bis in unsere Landeshauptstadt herumgesprochen.

Rüx hatte bereits im vergangenen Jahr erhebliche Probleme in der Versorgung mit Wasser.

Hier bin ich durchaus zuversichtlich, dass der Ausbau im kommenden Jahr losgeht.

Die Gemeinde hat den Kauf der einstigen Schule beschlossen, in dem die Verwaltungsräume untergebracht sind. Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Inzwischen liegt uns der Entwurf des Notarvertrages vor. Und es geht lediglich noch um kleinere Änderungen, bis das Papier unterschriftsreif ist.

Die Gemeinde verfügt gleich in der Nachbarschaft über etliche Gebäude. Weshalb dieser zusätzliche Kauf?

Der entbindet uns vom Bau einer neuen Trauerhalle. Die würde mit rund 100.000 Euro zu Buche schlagen. Für Grundstück und Immobilie der alten Schule sind mit der evangelischen Kirche 45.000 Euro ausgehandelt. Wir werden das Kirchgebäude als Interimslösung für weltliche Trauerfeiern weiter mit nutzen. Im Gegenzug stellen wir die sanitären Anlagen im Gemeindehaus zur Verfügung. Ein Arrangement, von dem beide Seiten gegenwärtig profitieren.

Seit einem Jahr steht die einstige Förderschule zum Verkauf. Gibt es Interessenten?

Das Interesse ist eher schleppend. So hatten sich zwar zwei Sozialdienstleister und ein Privatmann das Terrain angesehen. Gekauft hat dann aber keiner. An der Stelle werden wir Geduld aufbringen müssen. grün

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