Ornamente strahlen bald in neuem Glanz

Der Ratssaal des Geringswalder Rathauses wird saniert. Beim opulenten Deckengemälde ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Geringswalde.

Die Spinnen sind verjagt, ihr Gewebe sorgsam abgekehrt. Seit wenigen Tagen bestimmen leise Pinselstriche statt Debatten die Atmosphäre im Ratssaal des Geringswalder Rathauses. Die Sitzungstische der Stadträte stapeln sich im Flur, den Saal dominiert jetzt ein meterhohes Gerüst. In luftiger Höhe bereitet der Leisniger Restaurator Thomas Höhne die Reinigung des opulenten Deckengemäldes vor.

Die Geringswalder Stadtverwaltung musste sich lange in Geduld üben, um dem repräsentativen Raum den Glanz zurückzugeben, den er um 1900 besessen haben muss. So wartet auf Thomas Höhne und seinen Geschäftspartner Mathias Steude viel Arbeit. Die begann bereits vor Monaten mit einer ganzen Reihe Untersuchungen zur Beschaffenheit von Untergrund und Farbe. Reinigungsproben wurden durchgeführt. "Uns ging es darum, ein seriöses Angebot abzuliefern", erklärt Höhne den Aufwand.

Dass sich Farbschichten der Deckenbemalung nach und nach auflösen, sei den Verwaltungsmitarbeitern aufgefallen. In regelmäßigen Abständen hätten sich Krümel auf dem Parkettfußboden abgesetzt. "Durch Feuchtigkeit lagerten sich Salze ab, die zwangsläufig zu Abspaltungen in den Farbschichten führten", erklärt der Restaurator. Beide Fachleute arbeiten deshalb eng mit dem Dresdener Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen, kurz IDK, zusammen.

Restaurator Höhne beginnt seine Arbeit im Mittelbereich. Nach einer vorsichtigen Grobreinigung mit Radierschwämmen und feuchten Wattebäuschen geht es ans Fixieren von Farben, die sich im Laufe der Jahrzehnte gelockert haben. Das dauert. Insgesamt mehr als 500 Stunden werden die beiden Leisniger auf Gerüsten stehen, radieren, zart pinseln und sich nach dem Deckengemälde später den Wänden widmen. Die jetzt noch in Burgunderrot und Gold gehaltenen Konsolen werden an das Grau angepasst, das im Gemälde vorkommt. "Und in der Wandfarbe wird sich der Blauton der Säulen widerspiegeln, der ursprünglich schon einmal da war", so Höhne. Im Juni soll alles fertig sein.

Die Sanierungskosten belaufen sich auf rund 30.000 Euro, wobei die Stadt mit einer Förderung rechnet, die bei 80 Prozent der Kosten liegt.


Urheberschaft nicht gesichert

Das sächsische Landesamt für Denkmalpflege vermutet hinter dem Schöpfer des Deckengemäldes Paul Horst-Schulze (1876-1937), einen der wichtigsten Künstler des Jugendstils in Leipzig. Gesichert ist das nicht.

Die üppige Ausmalung des Ratssaals um 1900 kündet von einer Blütezeit der Stadt Geringswalde, die sich im Ensemble um den Markt mit Rathaus, Schule und Kirche manifestiert. (grün)

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